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ETFs: Ab nach Europa

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An der 9.000er DAX-Marke machen Anleger vereinzelt Kasse. Daneben demonstrieren allerdings ETF-Käufe überwiegende Zuversicht in weiter steigende Kurse am europäischen Aktienmarkt.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Rekordjagd am Aktienmarkt bringt Bewegung in den ETF-Handel. „Was das Volumen angeht, war die vergangene Woche sehr, sehr gut“, kommentiert Jörg Sengfelder von Flow Traders in Amsterdam. Und auch die Commerzbank ( Zum Testbericht) spricht von guten Umsätzen im Zuge des DAX-Anstiegs auf 9.000 Punkte: „Es ist wieder mehr los als noch vor anderthalb Wochen. Vor allem Tracker europäischer Aktienindizes stehen bei Anlegern hoch im Kurs“, meldet Martina Schröttle aus dem Londoner Handelssaal des Instituts und spricht von rund 11.500 Trades im Wochenmittel.

Am heutigen Dienstag kratzt der DAX erneut an der 9.000-Punkte-Marke, nachdem das Börsenbarometer diese am vergangenen Freitag zum ersten Mal in seiner 25-jährigen Geschichte überwunden hatte.

Europäische Aktien ins Depot

Einen deutlichen Kaufüberhang verbucht Schröttle sowohl bei Trackern des Euro Stoxx 50 (WKNs 593395, 935927) und des DAX (WKNs 593393, ETFL01, DBX1DA) als auch bei Indexfonds, die die Entwicklung des MSCI Europe abbilden (WKN A0M5X2). Sengfelder beobachtet zwar ebenfalls starkes Kaufinteresse nach europäischen Aktien, betont aber, dass mittlerweile aber vor allem die sehr breiten Indizes, wie der Stoxx 600 (WKN 263530) oder der MSCI Europe (WKN A0M5X2) in die Depots gelegt würden. „Bei DAX- und Euro Stoxx 50-Trackern sehen wir seit Freitag doch auch deutliche Gewinnmitnahmen“, berichtet der Händler.

Gregor Hamme von der Unicredit kann trotz der neuen Allzeithochs im DAX allerdings keine Auffälligkeiten erkennen: „Bei DAX-ETFs können wir derzeit keine Richtung ausmachen – es gibt weder Gewinnmitnahmen noch Anschlusskäufe.“

Ein gemischtes Bild zeigt sich in der Euro-Peripherie. Während Sengfelder von deutlichen Käufen italienischer, spanischer und vor allem griechischer Aktienindizes (WKN LYX0BF) berichtet, ist das Interesse von Anlegern an diesen Ländern laut Hamme in der vergangenen Woche deutlich abgeebbt. „Nach den massiven Zuflüssen in den zurückliegenden beiden Handelswochen waren in den vergangenen Tagen kaum noch Zuflüsse zu beobachten“, weiß der Market Maker.

Abflüsse in US-ETFs

Vorwiegend abgegeben werden, wie Schröttle beobachtet, aktuell Tracker der marktbreiten US-Indizes S&P 500 (WKN 264388) und MSCI USA (WKN A1H53M). Auch den noch getreuter engagierten MSCI World (WKN A0HGZR, DBX1MW), der die Entwicklung von über 6.000 Aktien aus mehr als 20 Industrieländern widerspiegelt, führt die Händlerin auf der Verkaufsseite. Für die gegen Schwankungen des Euro abgesicherte Version MSCI World EUR Hedged UCITS ETF von iShares (WKN A1H53Q) meldet Sengfelder allerdings einen Kaufüberhang.

Laut Flow Traders setzt sich das Interesse an Schwellenländer-Aktien fort. So verzeichnet Sengfelder klare Käufe sowohl in Trackern des breiten MSCI Emerging Markets (WKNs LYX0BX, A1HGZT), als auch in ETFs, die die Entwicklung einzelner Länderindizes abbilden. „Ganz vorne mit dabei sind unter anderem indische (WKN LYX0BA) oder lateinamerikanische Aktien (WKN DBX1ML).

Starker Handel in Renten-Indexfonds

Auf der Rentenseite beobachtet die Commerzbank ( Zum Testbericht) aktuell überdurchschnittliche Umsätze: „Mit 26 Prozent am gesamten ETF-Geschäft ist der Anteil von Fixed Income-Produkten in den vergangenen Handelstagen sehr stark gewesen. Zum Vergleich: In den Sommermonaten lag die Quote unter 10 Prozent, im Jahresdurchschnitt bei rund 15 Prozent“, erklärt Schröttle. Dabei seien vor allem Euro-Staatsanleihen mit kurzem Laufzeitband (WKN A1JKSV) verkauft worden.

Sengfelder kann indes keine einheitliche Richtung im Bond-Bereich feststellen: „Es ist ein reges hin und her, vor allem bei den breiten europäischen Rentenindizes. Unter dem Strich halten sich Käufe und Verkäufe hier aber die Waage.“ Auf der Kaufseite führt Sengfelder hingegen Tracker internationaler Staatsanleihen (WKN A0RM43) sowie US-High Yields (WKN A1JUZA). Auch Staatsanleihen der Euro-Peripherie, insbesondere italienische (WKN A1J0BF) seien gefragt. Europäische Unternehmensanleihen (WKN A0RM45) seien hingegen überwiegend abgegeben worden, ergänzt der Market Maker.

Real Estate bleibt auf den Einkaufslisten

Von den Sektoren stechen laut Commerzbank und Flow Traders Aktien von Immobilienunternehmen mit deutlichen Käufen heraus. „Der Kaufüberhang ist zuletzt zwar etwas kleiner geworden, er liegt aber immer noch bei 72 zu 28 Prozent. Zu den beliebtesten Produkten des Sektors zählt etwa der iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETF (WKN A0LGQL)“, meldet Sengfelder. Laut Schröttle machte der Immobiliensektor in der vergangenen Woche ein Drittel des gesamten Handels mit Branchenfonds aus. „Und dabei wurde eigentlich fast ausschließlich zugegriffen“, beobachtet die Händlerin.

Käufe beobachtet Sengfelder daneben in Aktien der Branchen Öl und Gas (WKN LYX0A9) sowie Versicherung (WKN LYX0AQ). Zurückgekommen seien hingegen Einzelhandelspapiere (WKN A0H08P) sowie Aktien von Unternehmen der Baubranche (WKN A0RPR4). Hamme meldet zudem erhöhte Rückflüsse im Telekomsektor (WKN LYX0AW).

von Karoline Kopp, Deutsche Börse AG
© 29. Oktober 201