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Dass im Euroraum der Geldhahn voraussichtlich nochmals weiter aufgedreht wird, lässt die europäischen Börsen haussieren. ETF-Anleger setzen daher auf Euro Stoxx-Tracker.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Freigabe des Schweizer Franken, fallende Rohstoffpreise, DAX-Schwankungen von fast 500 Punkten innerhalb weniger Tage – zur Ruhe kommen die Märkte nicht. „Es war eine sehr volatile Woche“, bemerkt Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Am vergangenen Mittwoch war es im DAX nochmals deutlich nach unten gegangen, dann erklomm der Index immer neue Höhen, am Dienstag wurde mit zwischenzeitlich 10.293 Punkten abermals ein Rekord markiert. Der Grund: Mittlerweile wird fest davon ausgegangen, dass die EZB an diesem Donnerstag ein Staatsanleihekaufprogramm bekannt geben wird. „Es wird nur noch auf die EZB geblickt, alles andere, etwa die Wahlen in Griechenland oder die Lage in der Ukraine, werden komplett ausgeblendet“, schildert Gregor Hamme von der Unicredit in London. ETF-Händlern bescherten die hohen Schwankungen extrem hohe Umsätze. „Bei uns erreichte die Zahl der Transaktionen vergangene Woche wieder Rekordhöhen“, berichtet Bartels. „Es war und ist sehr viel los“, meint auch Hamme.

Beliebtes Europa

Favoriten der Anleger sind derzeit europäische Aktien. „Vor der EZB-Sitzung sind Anleger ganz klar europafreundlich“, erklärt Hamme. Stark nachgefragt würden etwa Euro Stoxx 50-, Stoxx 600- und MSCI Europe-Tracker. Zu- und Abflüsse gleichermaßen gebe es unterdessen bei DAX-ETFs. Marcel Sattler von der ICF Bank berichtet von einem ausgeglichenen Handel in allen Kategorien: „Käufe und Verkäufe in ETFs auf den DAX, Euro Stoxx, S&P oder auch den MSCI USA hielten sich die Waage.“ Auch er spricht von einem erhöhten Orderaufkommen.

Die hohe Volatilität ruft außerdem kurzfristig agierende Händler auf den Plan, der Lyxor LevDAX (WKN LYX0AD) schafft es auf den Umsatzlisten der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage auf den ungewöhnlich hohen vierten Platz. Sehr rege gehandelt wurden Schweizer Aktien nach der Franken-Freigabe am Donnerstag und dem darauffolgenden Einbruch der Schweizer Börse, wie Bartels meldet, etwa mit dem iShares SLI (WKN 593396) oder dem ComStage SMI (WKN ETF030). „Spekuliert wurde vor allem auf eine Erholung des Marktes.“ Das galt Hamme zufolge besonders für Schweizer Anleger: „Die nutzten den Kursrücksetzer für einen Einstieg, der hohe Wechselkurs spielt für sie ja keine Rolle.“ Am heutigen Dienstag erholt sich der Schweizer Markt bereits wieder. Mit Aktien-Indexfonds, die eidgenössische Titel abbilden, sind Anleger ohnehin gut gefahren, der ComStage SMI kommt zum Beispiel auf Sicht von drei Monaten auf ein Plus von 18 Prozent.

Im Moment dreht sich alles um Europa, anders als noch in der Vorwoche interessieren sich Anleger kaum für US-Aktien. Wenn überhaupt, dann ziehen währungsgesicherte Produkte, wie Bartels erläutert, etwa der iShares S&P 500 Euro Hedged (WKN A1H53N). Auch bei Unicredit geht nicht viel um in US-Aktien, Hamme meldet kleinere Abflüsse.

Lieber Einzelinvestments in Emerging Markets

Sehr umsatzstark präsentieren sich unterdessen Schwellenländer-ETFs: Beliebt sind indische Aktien, und zwar in Form des Lyxor MSCI India (WKN LYX0BA), wie Hammes Kollege Stefano Valenti festgestellt hat. „Gehofft wird auf wirtschaftliche Reformen von Premierminister Narendra Modi, außerdem profitiert Indien stark vom gefallenen Ölpreis.“

Bis gestern griffen Investoren auch bei ETFs, die chinesische Festlandsaktien abbilden, gerne zu, etwa mit dem db x-trackers CSI 300 (WKN DBX0M2) oder dem db x-trackers Harvest CSI300 (WKN DBX0NK). Am gestrigen Montag brach der Shanghai Composite Index allerdings um 7,7 Prozent ein, das war der größte Tagesverlust seit Juni 2008. Die chinesische Wertpapieraufsicht hatte drei großen Handelshäusern Auflagen für das Neugeschäft gemacht. In den zwölf Monaten davor hatte der Index um 56 Prozent zugelegt.

Unabhängig davon stehen breit streuende Emerging Markets-ETFs wie der db x-trackers MSCI Emerging Markets (WKN DBX1EM) und der iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGWC) derzeit eher auf den Verkaufslisten, wie Valenti registriert hat. „Das könnte daran liegen, dass Analysten für dieses Jahr eher selektive Schwellenländerinvestments empfehlen“, meint der Händler. Einige Länder, etwa Russland, Brasilien, Mexiko und Venezuela, würden unter den niedrigen Rohstoffpreisen nämlich stark leiden, anderen werde dies zugute kommen. „Tendenziell wird Asien favorisiert.“ Auch die Commerzbank ( Zum Testbericht) berichtet von Abgaben bei breit streuenden Schwellenländer-ETFs, doch auch brasilianische und, nach dem Einbruch der festlandchinesischen Börsen, chinesische Aktien würden abgestoßen.

Sektoren: Reaktionen auf Franken-Aufwertung

Im Handel mit Branchen-ETFs hinterlässt weiterhin der Ölpreisverfall Spuren, dazu kam die Freigabe des Franken: Anleger trennten sich von Grundstoff-ETFs und setzten stattdessen auf Banken- (WKN A0F5UJ), Lebensmittel- und Getränke- (WKN LYX0AR, DBX1FB) sowie Gesundheits-ETFs (WKN DBX1SH), wie die Commerzbank meldet. „Im Food & Beverage-Index ist zum Beispiel das Schweizer Unternehmen Nestlé sehr stark, im Banken-Index Stoxx 600 Banks sind auch UBS und Credit Suisse enthalten.“

Fixed Income ignoriert

Bei Renten-ETFs hält der Trend der Vorwoche noch an: heraus aus kurzen Laufzeiten und hinein in längere. Bartels zufolge setzen Anleger zum Beispiel auf an Bundesanleihen mit 10- oder sogar 25-jähriger Laufzeit (WKN ETFL21) gekoppelte ETFs. Die, die kürzere Laufzeiten abbilden, würden abgegeben. Viel beachtet werden Fixed Income-ETFs derzeit aber nicht, bei der Commerzbank machten Aktien 85 Prozent des Handels aus.

Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 20. Januar 2015

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.