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ETFs: Anleger bleiben am Ball

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Politischer Unwägbarkeiten zum Trotz bewahren ETF-Anleger die Ruhe und setzen bevorzugt auf weltweit aufgestellte Aktien-ETFs.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Verhängung weiterer Einreiseverbote für russische Staatsbürger, Kontensperrungen und wirtschaftliche Sanktionen gegen Putin halten die Aktienmärkte auch in dieser Woche in Schach. Der DAX verliert im Wochenvergleich weitere 100 Zähler und notiert am Dienstagmittag um die Marke von 9.650 Punkten.

ETF-Anleger geben sich dennoch gelassen. „Gefühlt geht es zwar bergab, im ETF-Handel halten sich Käufe und Verkäufe mit einem Verhältnis von 51 zu 49 Prozent aber in etwa die Waage“, bemerkt Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Zoome man in den Aktienbereich, überwögen die Käufe Auch Marco Salaorno von der Société Générale spricht von einem ausgeglichenen ETF-Handel. Eine Fortsetzung der Verkaufswelle gebe es lediglich bei osteuropäischen Aktien etwa im iShares MSCI Eastern Europe Capped (WKN A0HGZV) und im Lyxor Russia (WKN LYX0AF). „Von Sommerloch ist wenig zu spüren“, bestätigt Jörg Sengfelder von Flow Traders. Während üblicherweise das Handelsaufkommen in der Urlaubszeit um rund 40 Prozent sinke, blieben Anleger in diesem Jahr aktiv.

Die weite Welt lockt

„Es gibt einen Trend raus aus Europa und rein in die Welt“, beobachtet Mohr. Auf den Einkaufslisten stünden ETFs, die an den marktbreiten MSCI World (WKN A0HGZR) gekoppelt sind. „Bei uns sind das die Umsatzspitzenreiter.“ MSCI Europe-Tracker (WKNs A0REJM, ETFL2) kämen hingegen eher aus den Depots raus. In beide Richtungen gehandelt würden DAX- (WKN DBX1DA) und Euro Stoxx 50-ETFs (WKN ETFL02). „Wobei die Käufe leicht überwiegen.“ Zum Teil deutliche Abflüsse macht Mohr in MDAX-Produkten (WKNs ETF007, 593392) aus. Sengfelder spricht von einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Käufen und Verkäufen im Handel mit MSCI Europe-Indexfonds (WKN A0JDGC). Hin und her mit einem hauchdünnen Kaufüberhang bewegten sich DAX- und Euro Stoxx 50-Werte.

Schwellenländer-ETFs kommen an

Breit aufgestellte Schwellenländer-ETFs sind gefragt, wie Sengfelder bemerkt. Investoren deckten sich in Summe mit MSCI Emerging Marktes-Trackers (WKNs LYX0BX, DBX1EM) ein. Auch indische Unternehmen im MSCI India (WKN LYX0BA) seien beliebt. „Hier hatten wir größere Einzelorders.“ Kunden positionierten sich ebenfalls in ETFs auf den breit gefassten MSCI Emerging Markets-Index.

Banken im Mittelpunkt

Im Handel mit Sektor-ETFs liegt die Bankenbranche auf der Beliebtheitsskala ganz vorn. „32 Prozent unserer Umsätze mit Branchenprodukten gehen auf das Konto Banken, wobei die Verkäufe deutlich dominieren“, präzisiert Mohr. Auch bei der Société Générale spiele die Finanzindustrie eine Hauptrolle. Zu den meist gehandelten Sektor-ETFs gehöre der Stoxx Europe 600 Banks (WKN A0F5UJ). „Bei uns überwiegen die Käufe“, meldet Salaorno. Auf Platz zwei der umsatzstärksten Branchen-ETFs steht bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) der Immobiliensektor (WKN A0Q4R4) mit gleichermaßen Zu- und Abflüssen. Von Kaufüberhängen spricht Salaorno mit Blick auf die Lebensmittelindustrie (WKN LYX0AR) während ETFs, die den europäischen Gesundheitssektor abbilden, (WKN A0Q4R3) tendenziell abgestoßen würden.

Gemischtes Bild bei Festverzinslichem

Regen Handel verbucht Salaorno bei Renten-ETFs. Der iShares JPMorgan Emerging Markets Bond Fund (WKN A0NECU) belegt dabei einen vorderen Rang in der Umsatzstatistik. „Hier wurden beide Seiten gespielt.“ Gut an kämen Anleihen von Bluechip-Unternehmen etwa im iShares Euro Corporate Bonds Large Cap (WKN 251124). „Kurzlaufende deutsche Staatsanleihen wurden hingegen eher verkauft.“
Sengfelder berichtet von einem etwas ruhigeren Fahrwasser im Handel mit Fixed Income-ETFs. Investoren interessierten sich für Staatsanleihen der Eurozone (WKN DBX0AC) ebenso so wie der Schwellenländer (WKN A1JB4Q). „Beide waren gesucht.“ Von renditestärkeren Unternehmensanleihen mit US-Dollar-Notierung im Markit iBoxx Liquid High Yield Capped Index (WKN A1H5UN) trennten sich Investoren in Summe, ebenso wie von in Euro begebenen Unternehmensanleihen (WKN A1C8QT).

von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 29. Juli 2014