Start ETF-Marktbericht ETFs: Anleger bleiben auf Europatrip

ETFs: Anleger bleiben auf Europatrip

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Niedrigere Preise europäischer Aktien locken ETF zum Einstieg.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Händlern zufolge begegnen ETF-Anleger dem Einbruch an Chinas Börsen sowie den damit verbundenen Kursverlusten an europäischen Börsen mit Gelassenheit. „Investoren nutzen die niedrigeren Notierungen meist zum Einstieg“, meldet Gregor Hamme von der Unicredit, der von einem regen Handel mit Indexfonds spricht. Auf Wochensicht überzeugten insbesondere europäische Werte. „Nachdem Griechenland mehr oder weniger vom Tisch ist, dominiert die Zuversicht“, beschreibt Hamme seinen Eindruck.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sorgte gestern für ein Beben an den Finanzmärkten. Nach der Veröffentlichung von mageren Industriedaten in Fernost sackte der Shanghai-Composite am Montag um 8,5 Prozent ins Minus. Der DAX rutschte zwischenzeitlich unter 11.100 Punkte, macht aber seit Dienstag verlorenen Boden wieder gut und notiert am frühen Nachmittag mit bei 11.210 Punkten.
Faible für DAX und Euro Stoxx 50

Auch bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) stehen mit 55 Prozent die Zuflüsse im Vordergrund. Am geringeren Volumen hinter der mit 34.000 sehr ordentlichen Anzahl von ETF-Trades erkennt Frank Mohr eine vermutlich ferienbedingte Zurückhaltung institutioneller Anleger. Wie in der Vorwoche stünden DAX- (WKNs 593393, ETFL01, ETF001) und Euro Stoxx 50-Tracker (WKNs 593393, 593395, ETF001, ETF050) sowohl bei Unicredit- als auch Commerzbank ( Zum Testbericht)-Kunden ganz vorne. „Produkte sämtlicher Emittenten landen in den Anlegerdepots“, ergänzt Hamme.

Neben der Entspannung in der Griechenland-Thematik nähre der überraschend stark gestiegene Ifo-Index und der nach wie vor niedrige Ölpreis den Optimismus am deutschen Aktienmarkt. „Anleger gehen davon aus, dass beim hiesigen Bluechip-Index noch was zu holen ist“, vermutet Mohr. „Überwiegende Verkäufe von ShortDAX-ETFs (WKN ETF004) unterstreichen diese Erwartungen.“

US-Aktien beliebt

Portfolios mit US-Unternehmen etwa im MSCI Nordamerika (WKNs A0J201), MSCI USA (WKN A0JMFG) und S&P 500 (WKNs 622391, A1JX53, DBX0F2) gehörten bei Hamme zu den meist gehandelten Produkten. „Auch hier gab es einen deutlichen Kaufüberhang.“ Bei Mohr reihten sich MSCI World-Tracker (WKNs ETF110, A1W4HS) in die Liste der meistgehandelten ETFs ein. „Bei sehr hohem Volumen hielten sich Verkäufe und Käufe in etwa die Waage.“

Es lockt der fallende Ölpreis

Mit Blick auf die Branchen registriert Mohr eine starke Nachfrage nach Öl und Gas-Unternehmen (WKNs A0H08M, LYX0A9), die in der vergangenen Woche bei der Commerzbank zu den zehn meistgehandelten ETFs gehörten. Die tendenziellen Zuflüsse sieht Mohr im niedrigen Ölpreis begründet und den dadurch gefallenen Preis der Branchen-ETFs. Bereits den vierten Tag in Folge steht das schwarze Gold unter Druck. Am Morgen fiel die Nordseesorte Brent mit 52,3 US-Dollar pro Barrel auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten. Das US-amerikanische WTI ist mit weniger als 47 US-Dollar so billig wie zuletzt vor vier Monaten. „Für viele Anleger sind das Einstiegspreise.“

Der Gesundheitssektor (WKN A0Q4R3) belege Rang zwei unter den beliebtesten Branchen-ETFs. „In Summe dominieren auch hier die Käufe“, berichtet Mohr. Gleichermaßen hin und her gehe es hingegen bei Banken-ETFs wie dem iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930).

Europäische Versicherungen beispielsweise im Lyxor Stoxx Europe 600 Insurance (WKN LYX0AQ) und Einzelhandelsaktien im Stoxx Europe 600 Retail (WKN LYX0A0) nennt Hamme als meist gehandelte Branchenprodukte. „Beide wurden in Summe abgestoßen.“

Schwellenländeraktien erfahren wenig Nachfrage

An die chinesischen Festlandbörsen gekoppelte ETFs wie der iShares CSI300 (WKN A1C1H1) sind bei der Unicredit von Abflüssen geprägt, wie Hamme feststellt. Vom chinesischen Börsencrash in Mitleidenschaft gezogen würden weitere Schwellenländerwerte. „Unabhängig vom Emittenten trennen sich Anleger tendenziell von ihren Emerging Marktes- Engagements.“

Kaum Augen für Anleihen

Mit einem Anteil von 9 Prozent am ETF-Aufkommen ist das Geschäft mit Anleihe-ETFs laut Mohr auffällig ruhig. „Es ist kaum was los.“ Allenfalls an High Yield-Produkten (WKN A1C3NE) fänden Anleger derzeit Gefallen.

Von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 28. Juli 2015

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.