etf marktbericht

 

Unternehmen entwickelter Länder geben Anleger weiterhin den Vorzug. Beliebt sind Strategien zur Reduzierung der Volatilität an den Aktienbörsen.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Investitionen außerhalb der Industrieländer haben gegenwärtig wenig Konjunktur. Händler berichten von überwiegendem Interesse an ETFs, die an europäische, US-amerikanische oder auch weltweite Aktienindizes gekoppelt sind.

„Um das Thema Emerging Markets ist es nach wie vor auffallend still“, bemerkt Andreas Bartels von der Commerzbank. Auch der Rentenbereich rücke mit einem Anteil von unterdurchschnittlichen 11 Prozent der ETF-Orders tendenziell in den Hintergrund. „Die Aktienseite wurde mit rund 85 Prozent in der vergangenen Woche bei unseren Kunden sehr stark gespielt.“ Über alle Anlageklassen hinweg überwögen mit 53 Prozent die Abgaben.

DAX-Tracker werden verkauft

„Vorösterlich ruhig“ beschreibt Gregor Hamme von der Unicredit die ETF-Handelswoche. Mit der Militäraktion im Jemen vonseiten Saudi Arabiens und den damit verbundenen höheren Schwankungen am Aktienmarkt sei es mit den Umsätzen ab Donnerstag zwar nach oben gegangen. Bereits am Freitag hätte sich das ETF-Geschäft aber wieder eingependelt. Aktienportfolios mit deutschen Standardwerten (WKN 593393, DBX1DA) führt Hamme zumeist auf den Verkaufslisten. „Die größeren Rückflüsse verbuchen wir aber in TecDAX-Produkten (WKN 593397)“, berichtet der Market Maker aus dem Londoner Handelssaal der italienischen Großbank.

Auch bei Bartels Kunden würden DAX-ETFs in Summe abgestoßen, wobei der Händler die Woche als zweigeteilt beschreibt. „Nach überwiegenden Verkäufen in der ersten Hälfte positionierten sich Anleger bei DAX-Notierungen zwischen 11.700 und 11.800 Punkten erneut in deutschen Bluechips.“ Anders als üblich belegten marktbreite Indizes wie der Stoxx Europe 600 (WKNs 263530, ETF060) den ersten Platz in der Umsatzbestenliste. „Hier überwogen die Zuflüsse.“ Ebenso wanderten MSCI Europe-Tracker (WKN A0MZWQ) auf der Beliebtheitsskala nach oben und per Saldo in die Anlegerdepots.

Weniger Risiko gewünscht

Mehr Kauf- als Verkaufs-Orders gibt es laut Hamme für Fonds, die an den iStoxx Europe Minimum Variance Index (WKN A1JH10) gekoppelt sind. „Den Wert findet man nicht so häufig in der Umsatzbestenliste.“ Anleger setzten damit auf weniger Schwankungsintensität und damit etwas mehr Sicherheit. Der Index bietet Zugang zu einem Portfolio aus Aktien mit geringer Volatilität innerhalb des Stoxx Europe 600, der 600 Unternehmen aus 18 europäischen Ländern umfasst.

Uneinheitliches Bild bei US-Werten

Das Aufstiegspotenzial für US-amerikanische Aktien scheinen Investoren unterschiedlich zu beurteilen. MSCI USA- (WKNs 794358, ETF120) und S&P 500-ETFs (WKNs 622391, A1C19C) würden bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) vermehrt abgestoßen. Circiaco Carrozzino von der Unicredit macht hingegen ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Verkäufen und Käufen in diesem Bereich aus. „Auffallend sind einzelne sehr große Transaktionen für S&P 500-Produkte auf beiden Seiten.“ Weltweit aufgestellte Indizes wie der MSCI World (WKN A0X8ZX, ETF110) finden bei Bartels Kunden wenig Anklang und würden in Summe abgestoßen. „Der Index ist sehr USA-lastig“, begründet der Händler.

Dividendenwerte rücken nach vorn

Kurz vor Beginn der Berichtssaison würden Dividendenwerte rege gehandelt. Abgabedruck verbucht der Händler beispielsweise beim iShares EURO STOXX Select Divid 30 (WKN 263528). Andererseits positionierten sich Anleger mit Käufen des SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats (WKN A1JT1B).

Bankensektor dominiert

Im Handel mit Branchen-ETFs gilt das Interesse einmal mehr den Banken. Bartels spricht von Abflüssen im Verhältnis von 60 zu 40 Prozent in dem Sektor (WKNs 628930, A1JFG7), der rund ein Fünftel der Umsätze in dieser Anlageklasse ausmache. Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit (WKN 628933) und Immobilien (WKNs A0Q4R4, A0HG2Q) belegten bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) Rang zwei und drei. „Beide wurden in Summe verkauft.“
Banken gehören auch bei der Unicredit zu den meist gehandelten Branchen-ETFs (WKNs A0F5UJ, LYX0AP), Käufe überwiegen.

Wenig Bewegung bei Renten-ETFs

Der Bereich Festverzinsliches spielt derzeit eine eher untergeordnete Rolle, wie Bartels bemerkt. Hin- und hergehandelt würde etwa der iShares Core Euro Corporate Bond (WKN A0RGEP), während US-Staatsanleihen bei der Commerzbank generell unter Druck stünden. Kaufinteresse zeigten Investoren an europäischen Staatsanleihen mit hoher Bonität.

von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 31. März 2015

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.