etf marktbericht

     

Eindeutig positiv ist die Stimmung der ETF-Anleger nicht mehr, manche machen lieber Kasse. Doch es gibt auch noch viele Positionierungen.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Während sich der Rekordlauf an den Börsen fortsetzt, werden einige Anleger offenbar kritischer. Das Bild, das die Händler zeichnen, ist gemischt. „Wir sehen viele Käufe, allerdings nicht in DAX-Trackern“, meldet Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) überwogen in der vergangenen Woche insgesamt die Abflüsse aus ETFs, wenn auch mit 51 Prozent nur leicht. „Das ist aber selten. Meist sind es Zuflüsse“, bemerkt Sascha Cronemeyer. Marco Salaorno von der Société Générale beobachtet Gewinnmitnahmen in europäischen Titeln sowie Käufe und Verkäufe in US-Aktien.
Risikolage entschärft

Der DAX klettert derweil immer weiter in die Höhe: Der Index stieg kurz nach Handelseröffnung am heutigen Dienstag auf ein neues Allzeithoch von 11.465 Punkten, aktuell notiert er etwas darunter bei 11.400 Zählern. Auch an den US-Börsen ging die Rallye mit dem Start in den März weiter, der Dow Jones erreichte am gestrigen Montag ein neues Rekordhoch, der marktbreite S&P 500 notierte nur knapp darunter. Zum einen scheint der Grexit zumindest vorerst vom Tisch, zum anderen kommen aus der Ukraine beruhigende Signale: Deutschland, Frankreich, Russland und die Ukraine sehen offenbar Fortschritte bei der Umsetzung des Minsker Abkommens, der Abzug schwerer Waffen komme voran.

Zu tun haben die Händler weiterhin gut. „Das Volumen ist und bleibt hoch“, stellt Kleefeld von der Deutschen Bank fest. „Die Umsätze sind weiterhin auf einem erfreulichen Niveau“, urteilt auch Marcel Sattler von der ICF Bank. „Größere Rücksetzer sind im Moment nicht in Sicht, das macht sich im Verhalten der Anleger bemerkbar.“ Cronemeyer meldet eine „normale“ Handelswoche mit guten Umsätzen. „35.000 Trades in der Woche sind bei uns mittlerweile Durchschnitt.“

Aktien: durchwachsener Handel

Die einen favorisieren europäische, die anderen US-amerikanische Aktien, wieder andere stellen lieber ihre Gewinne glatt: Bei der Deutschen Bank konzentrieren sich Investoren primär auf Europa, etwa mit Euro Stoxx- und Stoxx Europe 600-ETFs. „Der DAX wird hingegen ignoriert.“ Das hat dem Händler zufolge mit der zuletzt sehr guten Entwicklung europäischer Bankaktien zu tun. „Die haben im Euro Stoxx 50 ja ein höheres Gewicht.“ Französische und spanische Aktien seien ebenfalls gefragt, es werde aber auch auf US-Aktien gesetzt (WKN A1JULM). Ganz klar sei aber ein Trend: „Die Aktienquoten werden hochgefahren.“
Die Commerzbank ( Zum Testbericht) meldet für die neue Woche überwiegend Käufe, vergangene Woche habe es aber auch einiges an Gewinnmitnahmen gegeben. „Das betraf vor allem den Euro Stoxx 50″, konkretisiert Cronemeyer. „Da gab es massive Abgaben.“ Einen kleinen Abgabeüberhang hat der Händler auch bei DAX-ETFs beobachtet, während im MSCI Europe, S&P 500 und MSCI Canada die Zuflüsse dominiert hätten. Sattler zufolge wird überwiegend gekauft, meist DAX- (WKN ETFL01, ETFL06, A0X899) oder Euro Stoxx 50-Tracker (WKN ETFL02).

Marco Salaorno von der Société Générale meldet ein ausgeglichenes Bild für US-Aktien: „Da fehlt die klare Linie, die Umsätze sind aber hoch, sowohl in S&P 500- als auch in den mittelgroße Werte abbildenden Russell 2000-Indexfonds.“ Bei europäischen Titeln überwögen hingegen die Gewinnmitnahmen. „Das betrifft auch den MDAX-Tracker (WKN 593392).“ Wie der DAX befindet sich auch der Index für mittelgroße Werte im Höhenflug, gestern wurde mit 20.278 Punkten ebenfalls einen Rekord markiert.

Banken-ETFs machen Satz nach oben

Zu den Top-Performern der vergangenen Wochen gehören im Handel mit Branchen-ETFs ganz klar die Banken. Beim umsatzstarken iShares Euro Stoxx Banks (WK 628930), der sich 2014 extrem volatil gezeigt und unter dem Strich verloren hatte, ging es zuletzt nämlich steil nach oben, auf Sicht von einem Monat kommt der Indexfonds auf ein Plus von fast 10 Prozent. Kleefeld zufolge setzen Anleger weiter auf steigende Kurse und positionieren sich. „Wir sehen große Käufe.“ Die Commerzbank spricht hingegen von Abgaben. Daneben hätten Anleger noch Immobilien-Indexfonds abgestoßen und sich in Versorger-ETFs positioniert.
Die Société Générale verzeichnet Zuflüsse in Immobilien-ETFs (WKN LYX0FP). Hohe Umsätze gebe es darüber hinaus in Privat Equity-ETFs wie den Lyxor Privex (WKN LYX0BH). „Das geht in beide Richtungen.“ Der Privex bildet Private Equity-Gesellschaften aus der ganzen Welt ab, der ETF hat im laufenden Jahr bereits um knapp 15 Prozent zugelegt. In den vergangenen drei Jahren lag die Rendite im Durchschnitt bei 20,5 Prozent im Jahr.

Wieder fallender Bund-Future erwartet

Auch bei Fixed Income-Produkten fehlt die eindeutige Richtung. In den Orderbüchern der Deutschen Bank stehen internationale und europäische Unternehmensanleihen auf den Einkaufslisten (WKN A1W2KG), auf den Verkaufslisten finden sich kurzlaufende deutsche Staatsanleihen (WKN DBX0C9). „Was mündelsicher ist, wird abgestoßen“, stellt Kleefeld fest. Bei der Société Générale trennen sich Anleger allerdings von Unternehmensanleihen, etwa dem Lyxor Euro Corporate Bond (WKN LYX0EE) und dem iShares Euro Corporate Bond Large Cap (WKN 251124), und kaufen statt dessen Pfandbrief-ETFs wie den iShares Euro Covered Bond (WKN A0RFEE). Darüber hinaus wurde der Höhenflug des Euro-Bund-Future zum Anlass genommen, auf wieder fallende Kurse zu spekulieren, wie Cronemeyer meldet. Gekauft worden sei der ComStage Commerzbank Bund-Future Short (WKN ETF562). Der als Indikator für die langfristigen Zinserwartungen geltende Index war vergangene Woche erstmals in seiner Geschichte auf 160 Punkte geklettert.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 3. März 2015

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.