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ETFs: Ausgebremst

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Nach immer neuen Allzeithochs in Deutschland und den USA sowie Mehrjahreshochs in China und Japan werden jetzt Gewinne mitgenommen, auch im ETF-Markt. Besonders hart trifft es Chinas Börsen.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Höhenflüge an den Aktienmärkten sind zu einem Ende gekommen – zumindest für den Moment. Am Dienstagmittag notiert der DAX nur noch bei 9.915 Punkten, nachdem vergangene Woche noch ein Allzeithoch von 10.093 Punkten erreicht wurde. Viel heftiger fällt die Korrektur in China aus: Heute kam es zum größten Einbruch seit fünf Jahren, die Kurse an den wichtigsten Festlandsbörsen brachen teilweise um mehr als 5 Prozent ein. Vergangene Woche wurden Aktien-ETFs noch durchweg gekauft, in dieser Woche wird auch verkauft, wenn auch nicht im großen Stil. „Es fehlt der klare Trend“, meint Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank.

Das Handelsvolumen bleibt unterdessen hoch. „Von vorweihnachtlicher Ruhe kann keine Rede sein“, erklärt Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). „Danach sieht es vorerst auch nicht aus, Anleger machen keine Anstalten, die Bücher zu schließen.“

Weiter beliebt: DAX und Euro Stoxx

In dieser Woche wird Kasse gemacht, vergangene Woche wurde bei Aktien-ETFs durch die Bank zugegriffen, vor allem bei DAX- und Euro Stoxx-Trackern. „Spezialitäten waren nicht so gefragt“, meint Mohr. Kein großes Interesse gab es für US-amerikanischen Aktien, trotz neuer Höchststände auch dort. „Hier haben wir allenfalls Gewinnmitnahmen gesehen, etwa in MSCI USA-Trackern.“ Laut Marco Salaorno von der Société Générale unterscheiden Anleger derzeit nicht zwischen Europa und den USA. „Das könnte sich aber schon bald ändern, viele Research-Abteilungen, auch die unserer Bank, prognostizieren für 2015 eine im Vergleich mit den USA bessere Entwicklung des europäischen Aktienmarktes.“

China: Absturz nach Rallye

Sehr reger Nachfrage erfreuten sich vergangene Woche ETFs, die chinesische Aktien abbilden. Die haben sich nämlich extrem gut entwickelt: Etwa hat der db x-trackers CSI 300 (WKN DBX0M2), der an die 300 wichtigsten Aktien der Börsen Shanghai und Shenzhen gekoppelt ist, in den vergangenen vier Wochen 18,6 Prozent an Wert zugelegt, auf Sicht von sechs Monaten sind es sogar 53,6 Prozent. „Das Interesse der Anleger hängt auch mit China Connect zusammen“, bemerkt Kleefeld. Seit der Einführung des Börsenprojekts Hong Kong Shanghai Stock Connect Mitte November können internationale Anleger über die Hongkonger Börsenstruktur Aktien an der Börse Shanghai kaufen und umgekehrt.

Kleefeld zufolge wurde etwa auf den db x-trackers Harvest CSI 300 (WKN DBX0NK), den db x-trackers FTSE China 50 (DBX1FX) und den db x-trackers CSI 300 (WKN DBX0M2) gesetzt. „China ist ein wichtiges Thema“, meint auch Salaorno (WKN A0F5BW, LYX0A7). „Das Interesse ist riesig.“ Am heutigen Dienstag, mit dem Absturz an den Börsen in China, werde allerdings verkauft. „Die Nachfrage steigt schon deutlich, auch wenn das am Gesamtvolumen bei uns immer noch einen nur kleinen Anteil ausmacht“, erklärt Mohr.

Banken und Ölunternehmen: nein, danke

Auch in anderen Märkten gibt es im Moment viel Bewegung, etwa im Ölmarkt. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent fiel am gestrigen Montag auf ein Fünfjahrestief. Das macht sich auch im Handel mit Sektoren-ETFs bemerkbar. „Der Öl- und Gas-Sektor wird eindeutig verkauft“, bemerkt Salaorno und nennt den Lyxor Stoxx Europe 600 Oil & Gas (WKN LYX0A9) und den Lyxor Stoxx Europe 600 Basic Resources (WKN LYX0AX) als Beispiele. Auf den Verkaufslisten stehen außerdem Banken-ETFs (WKN 628930), wie Kleefeld feststellt. In den Portfolios landen laut Salaorno dagegen der Lyxor Stoxx Europe 600 Retail (WKN LYX0A0), der Lyxor MSCI World Consumer Discretionary WKN LYX0GH) und der LyxorMSCI World Telecommunication Services (WKN LYX0GR). „In der Telekommunikationsbranche gibt es im Moment viele Fusionsgerüchte“, erläutert der Händler.

Uneinheitlicher Handel mit Renten-ETFs

Uneinheitlich ist das Bild auf der Anleiheseiten: Salaorno zufolge verabschiedeten sich Investoren von langlaufenden europäischen Staatsanleihen (WKN DBX0AH, A0DM6N). Kleefeld meldet Käufe von Unternehmensanleihen (WKN A0RGEP), Salaorno hingegen Verkäufe (WKN A0RGEP). Mohr hat vor allem Abgaben in kurz- und langlaufenden europäischen Anleihen beobachtet. „Wir vermuten allerdings, dass sich das bald ändern wird.“ Er rechnet damit, dass Anleger aufgrund der negativen Realerträge auf Tages- und Festgeldkonten zunehmend Liquidität in kurzlaufenden Anleihen-ETFs parken werden. „Wir gehen fest davon aus, auch wenn wir das bisher mit Zahlen noch nicht belegen können.“

von Anna-Maria Borse,
Deutsche Börse AG © 9. Dezember 2014

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.