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ETFs: Ausverkaufsstimmung

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Die Preiseinbrüche an den Börsen weltweit haben im ETF-Geschäft eine Verkaufswelle ausgelöst. Kaum ein Bereich bleibt verschont.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Dem Beben an den weltweiten Börsen können sich auch die ETF-Märkte nicht entziehen. „Mit den kollabierenden Aktienkursen ist es bei uns zu panikartigen Verkäufen gekommen, besonders ab Montagmittag“, berichtet Gregor Hamme von der Unicredit Group. „Vergangene Woche lief es noch in geordneten Bahnen, am Montag herrschte aber Ausnahmezustand“, schildert Carsten Schröder von der Commerzbank ( Zum Testbericht) die Lage. „Das war ein Tag, wie man ihn als Händler ganz selten erlebt.“

„Das war ein Tag, wie man ihn als Händler ganz selten erlebt.“

Der DAX, der vor zwei Wochen noch bei über 11.600 Punkten notierte, rutschte am gestrigen Montag unter 10.000 Zähler, zwischenzeitlich waren es weniger als 9.400 Punkte. Auslöser waren, wie bereits in den Vorwochen, Sorgen um Chinas Wachstum und die Folgen für die Weltwirtschaft.

Noch keine Entwarnung

Am heutigen Dienstag hat der DAX zwar zu einer Erholung angesetzt, am Mittag liegt der Index bei 9.947 Punkten, von echter Entspannung kann aber noch keine Rede sein. „Bei uns setzen sich heute die Abgaben fort“, erklärt Hamme. „Wir sehen zwar auch Käufe, aber auch größere Verkaufsorder“, meldet Schröder. „In China ging es heute ja auch weiter bergab.“ Der Leitindex Shanghai Composite fiel am heutigen Dienstag weitere 7,6 Prozent, der CSI 300 mit den 300 größten Unternehmen vom chinesischen Festland gut 7 Prozent. Andere asiatische Märkte konnten sich hingegen stabilisieren.

Das Handelsaufkommen ist den Market Makers zufolge durch die Turbulenzen kräftig gestiegen. Die Commerzbank ( Zum Testbericht) berichtet schon für die vergangene Woche von 40.000 Transaktionen. „Das ist eine erhebliche Steigerung gegenüber den Vorwochen“, kommentiert Schröder. Der extrem aktive gestrige Montag ist da noch nicht eingerechnet. Sven Titze von der ICF Bank spricht von einem „sehr regen Handel.“ Gerade die Zeit zwischen 8 und 9 Uhr, in der die ICF Bank bereits Kurse stellt, werde stark genutzt, ebenso die Zeit nach Xetra-Schluss zwischen 17.30 und 20.00 Uhr.

Alles muss raus

„Gegen den Trend greifen Anleger beim MDAX-ETF zu.“ In den Abwärtsstrudel gerieten Aktien-ETFs aus allen Bereichen. Laut Hamme trennten sich Anleger zum Beispiel vom Lyxor DAX (WKN LYX0AC), vom iShares MSCI World (WKN A0HGV0) und vom iShares S&P 500 (WKN 622391). Bei der Commerzbank gab es Ende vergangener Woche auch wieder Käufe, „dann haben aber die Bären gewonnen“, ergänzt Schröder. DAX- und EuroStoxx-Tracker, S&P 500- oder MSCI Japan-Indexfonds, alles sei abgegeben worden, „alles, wo Asien oder China draufsteht, sowieso.“ Bei der ICF Bank konzentrierten sich Anleger auf DAX-ETFs, auch gehebelte DAX-Produkte (WKN A1YKTK, A1YKTG) waren beliebt. Größere Abflüsse gab es, wie Tietze feststellt, außerdem in MSCI USA-Tracker (WKN A1C22K). Gegen den Trend hätten Anleger beim MDAX-ETF (WKN ETFL44) zugegriffen.

Die hohe Unsicherheit am Markt ruft, wie üblich, viele kurzfristig agierende Händler auf den Plan. „Besonders am Montag wurden Short-Produkte extrem viel gehandelt, und zwar in beide Richtungen“, erklärt Hamme. Als Beispiele nennt er den Lyxor Euro Stoxx 50 Daily Short (WKN A0MNT8) und den Lyxor Euro Stoxx 50 Daily Double Short (WKN A0MNT7), der die umgekehrte tägliche Wertentwicklung des Euro Stoxx 50 mit einem Hebel von zwei widergibt. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage stehen der db x-trackers Short DAX Daily (WKN DBX1DS) und der db x-trackers Short DAX x2 Daily (WKN DBX0BY), neben klassischen DAX- und Euro Stoxx 50-Trackern, weit oben.

Ein rabenschwarzer Montag

Im Handel mit Branchen-ETFs gerieten insbesondere Banken-Indexfonds unter die Räder, wie Hamme feststellt. Die Commerzbank meldet für die vergangene Woche zwar noch einen Käufer-Überhang, für diese Woche aber hohe Abflüsse. Der iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930) kommt mittlerweile auf ein Monatsminus von 11,6 Prozent, auch auf Sicht von einem Jahr liegt er wieder in der Verlustzone. Daneben retteten sich Anleger in defensive Sektoren und kauften zum Beispiel an die Gesundheitsbranche gekoppelte ETFs, wie Schröder feststellt.

Suche nach Solidem

Gefragt sind generell sichere Anlagen, und als solche gelten vielen Investoren auch Anleihen. Hamme zufolge wurden vor allem US-Staatsanleihen gekauft, etwa mit dem iShares US-Dollar Treasury Bond 7-10yr (WKN A0LGQB). Auch bei der Commerzbank setzten Investoren auf risikoärmere Produkte, konkret solide Staatsanleihen oder europäische Unternehmenspapiere. „High Yield-Anleihen flogen hingegen aus den Portfolios.“ Im Übrigen hat Hamme seit Anfang vergangener Woche kontinuierliche Zuflüsse in einen Schwellenländeranleihen-ETF beobachtet, den SPDR Barclays Emerging Markets Local Bond (WKN A1JJTV). „Das ist angesichts der Marktentwicklung schon erstaunlich, vor allem wegen der lokalen Währungen.“ Die Währungen vieler Schwellenländer befinden sich nämlich derzeit auf Mehrjahres- oder sogar Rekordtiefs. Auch bei einem ähnlichen Produkt von iShares, dem allerdings auf US-Dollar lautenden iShares J.P. Morgan US-Dollar Emerging Markets Bond-ETF (WKN A0RFFT), habe es Anfang vergangener Woche noch hohe Zuflüsse gegeben. Dann seien aber Positionen abgebaut worden.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 25. August 2015

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.