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Angesichts der Kursavancen von DAX und Euro Stoxx setzen ETF-Anleger vor allem auf europäische Aktien, abgeben werden hingegen S&P 500-Tracker.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die lockere Geldpolitik der EZB überstrahlt weiter alles, der DAX steigt und steigt, die 11.000 Punkte sind mittlerweile nicht mehr weit: Der Index notiert am Dienstagmittag bei 10.956 Punkten, das macht gegenüber dem Jahresanfang ein Plus von mehr als 1.100 Zählern. Der Euro Stoxx 50 markiert den höchsten Stand seit Sommer 2008. Die US-Indizes Dow Jones und S&P 500 haben seit Jahresanfang unterdessen verloren.

Das macht sich im ETF-Handel bemerkbar. „Es geht rein in Europa und raus aus allen anderen Regionen“, fasst Gregor Hamme von der Unicredit Group in London zusammen. Auch Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht) meldet eine hohe Nachfrage nach ETFs, die europäische Aktien abbilden. Auffällig sei die hohe Anzahl an Privatkunden. „Das Interesse von Seiten der Privatanleger ist stark gewachsen.“ Das Handelsaufkommen bleibt hoch, die Commerzbank ( Zum Testbericht) berichtet von erneuten Rekordzahlen bei Umsatz und Anzahl der Transaktionen in der vergangenen Woche. „Die Umsätze sind hoch“, meint auch Hamme. „Und wir sehen fast nur Käufe.“

Positiver Trend aus 2014 setzt sich fort

Der Deutschen Bank zufolge hat die ETF-Branche 2014 übrigens weltweit ein Rekordwachstum verzeichnet: Dank der starken Nachfrage habe es Nettozuflüsse von 328 Milliarden US-Dollar gegeben, 237 Milliarden Dollar davon in Aktien-ETFs. Insgesamt verwalte die Industrie damit jetzt 2,6 Billionen US-Dollar, in US-Dollar gerechnet ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während ETFs auf den deutschen Aktienmarkt der Deutschen Bank zufolge 2014 gegen den Trend Abflüsse in Höhe von 9,9 Milliarden Dollar hinnehmen mussten, verbuchten ETFs auf den US-Markt kräftige Zuflüsse in Höhe von 18,3 Milliarden Dollar. Das Wachstum wird nach Ansicht der Analysten auch noch weiter gehen: Zusammen mit steigenden Kursen könnte das Volumen Ende dieses Jahres 3,2 Billionen US-Dollar erreichen, heißt es.

DAX- und Euro Stoxx-Favoriten

Im Moment liegt Fokus der Anleger klar auf Europa: Bei der Unicredit wird auf Euro Stoxx 50-, MSCI Europe- oder DAX-Tracker gesetzt. „Abgegeben werden hingegen Aktien aus Ländern außerhalb der Eurozone, etwa aus der Schweiz (WKN DBX1SM) oder Großbritannien.“ Frank Mohr zufolge wird auf DAX- und Euro Stoxx 50-ETFs gesetzt, aber auch auf MDAX-Indexfonds. Getrennt hätten sich Anleger von S&P 500- (WKN A0YEDG) und MSCI USA-ETFs. Bei der Unicredit stehen ebenfalls Aktien aus den USA auf den Abgabelisten.

Die Vorliebe für europäische Werte spiegelt sich auch in der Umsatzstatistik der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage wider: Auf den ersten sechs Plätzen stehen DAX- (WKN ETFL01, 593393, DBX1DA), Euro Stoxx 50- (WKN 593395, 935927) und Stoxx Europe 600-Tracker (WKN 263530).

Wenn Schwellenländer, dann Asien

Was Schwellenländer angeht, beobachtet Stefano Valenti von der Unicredit Group Zu- und Abflüsse. „Tendenziell setzt sich aber der Trend zu selektiven Anlagen fort.“ Besonders Aktien aus asiatischen Schwellenländer seien beliebt, etwa mit dem db x-trackers MSCI EM Asia (WKN DBX1MA). China betreffend beobachtet er auseinanderfallende Entwicklungen: „Gekauft werden Aktien aus Hongkong, verkauft CSI 300-Tracker mit Titeln von den Börsen Shanghai und Shenzhen.“ CSI 300-Indexfonds wie der db x-trackers CSI 300 (WKN DBX0M2) haben sich in der zweiten Jahreshälfte 2014 stark verteuert, zuletzt nahmen die Schwankungen aber zu. Auf Sicht von sechs Monaten kommt der ETF aber immer noch auf ein Plus von 64 Prozent. Beim Lyxor UCITS ETF China Enterprise, der Hongkonger Aktien abbildet, sind es „nur“ knapp 27 Prozent.

Auch an russische Aktien gekoppelte ETFs werden laut Hamme rege gehandelt, zum Beispiel der Lyxor UCITS ETF Russia (WKN LYX0AF). „Mal wird gekauft, mal verkauft, das ist hochspekulativ.“ Der ETF kommt, nach heftigen Verlusten im November und Dezember, seit Jahresanfang sogar wieder auf ein Plus.

Zickzackkurs bei Banken-ETFs

Im Handel mit Branchen-ETFs stehen einmal mehr die Banken (WKN 628930) im Mittelpunkt des Interesses. „Das ist angesichts der Geschehnisse in Griechenland ja auch kein Wunder“, bemerkt Mohr mit Blick auf die immer noch ungewisse Entwicklung nach dem Wahlsieg der Linkspartei Syriza. Bei Banken-ETFs dominierten bei der Commerzbank die Zuflüsse, bei Technologie- und Immobilien-Indexfonds ebenfalls, zumindest leicht. Die Unicredit kann keine klare Richtung bei Branchen-ETFs ausmachen. „Alles konzentriert sich auf die großen Indizes.“ Banken-ETFs wie der iShares Euro Stoxx Banks zeigen sich sehr volatil, unter dem Strich hat der Indexfonds seit vergangenen Sommer aber klar an Wert verloren, auf Sicht von sechs Monaten sind es 5,3 Prozent.

Angesichts der rasanten Kursentwicklung am Aktienmarkt wollen Anleger von Renten-ETFs derzeit nichts wissen. „Es wird nur verkauft, und zwar querbeet“, meint Mohr. Betroffen seien Staats- und Unternehmensanleihen aus Europa und den USA.

Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 3. Februar 2015

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.