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ETFs: Bella Italia

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Südeuropäische Aktien sind wieder extrem beliebt, besonders die italienischen. Generell steigt die Risikofreude. Auch in russische Dividendentiteln wird investiert.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Auch auf dem Parkett herrschen derzeit Frühlingsgefühle. Seit Mitte März hat der DAX um rund 600 Punkte zugelegt, mit aktuell 9.618 Punkten ist das Börsenbarometer nicht mehr weit von seinem Rekordhoch aus dem Januar entfernt. Anders als noch in der Vorwoche gilt das Interesse der Anleger nicht mehr nur DAX und Euro Stoxx 50, auch Aktien aus der europäischen Peripherie und aus Schwellenländern sind wieder en vogue. „Risikopositionen werden wieder aufgebaut“, fasst Marco Salaorno von der Société Générale zusammen.

Das Handelsaufkommen bleibt hoch. „Mit 16.000 Trades in der Woche liegen wir zwar etwas unter den Vorwochen, aber immer noch weit über dem langfristigen Durchschnitt“, berichtet Sascha Cronemeyer von der Commerzbank ( Zum Testbericht). „Wir haben gute Umsätze, und zwar fast durchweg auf der Käuferseite“, erklärt Gregor Hamme von der Unicredit Group. „Die Stimmung der Anleger ist gut.“

„Renzi-Rallye“ auch im ETF-Handel

Auffällig ist die große Nachfrage nach italienischen Aktien, ausgelöst durch die Begeisterung für den reformfreudigen neuen italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi. „FTSE MIB-ETFs (WKNs A0YEDP, A0YEDP) sind neben DAX- und Euro Stoxx 50-Indexfonds unsere meistgehandelten“, meldet Cronemeyer. „Das ist außergewöhnlich.“ Verwunderlich ist das aber nicht: „Der FTSE MIB ist mittlerweile auf ein Dreijahreshoch geklettert“, bemerkt Hamme mit Blick auf den Index, der die Mailänder Börse abbildet. Seit dem Tief im Sommer 2012 hat der iShares FTSE MIB um 80 Prozent zugelegt, allein in den vergangenen drei Monaten waren es 15 Prozent. Die Käufe überwiegen zwar, es gibt aber auch Abgaben.

Krim-Krise war gestern

Mit der – zumindest vorläufigen – Beruhigung in der Krim-Krise steigen auch erste Anleger wieder in russischen Aktien ein, wie Salaorno feststellt. „Die Umsätze sind hoch, etwa im Lyxor Russia (WKN LYX0AF). Da werden große Volumen gehandelt.“ Zuletzt ging es für den Lyxor Russia nach oben, auf Sicht von drei Monaten sitzen Anleger aber noch auf Verlusten von fast 15 Prozent. Zuflüsse verzeichnen dem Händler zufolge auch Körbe mit osteuropäischen Aktien wie der Lyxor Eastern Europe (WKN A0F6BV) sowie breit streuende Schwellenländer-ETFs, etwa der Lyxor MSCI Emerging Markets (WKN LYX0BX). „Andere Regionen wie Asien (WKN LYX0AB) oder Lateinamerika sowie einzelne Länder wie Indien ziehen ebenso.“

Auch DAX und Euro Stoxx laufen

Auf den Umsatzlisten der Börse Frankfurt dominieren, wie üblich, DAX- und Euro Stoxx-Tracker (WKNs 593393ETFL01, ETFL02, 593395, DBX1DA, 935927). Auch hier überwiegen den Händlern zufolge die Zuflüsse. Ebenfalls viel Zuspruch finden japanische Aktien. „Wir sehen große Nachfrage sowohl nach den währungsgesicherten Produkten als auch nach solchenohne Hedge (WKNs A1H53P, A0YBR5)“, erklärt Cronemeyer. Der japanische Nikkei 225 hatte – nach seinem Ende Dezember auf einem Sechseinhalbjahreshoch endenden Rekordlauf – in diesem Jahr nachgegeben, konnte zuletzt aber wieder aufholen.

Banken kommen wieder an

Großer Beliebtheit erfreuen sich abermals Banken-ETFs, etwa der iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930). Für den ging es zuletzt steil nach oben, auf Sicht von sechs Monaten hat der ETF mittlerweile um 22 Prozent zugelegt. Die Commerzbank ( Zum Testbericht) berichtet außerdem von Käufen in Immobilien- (WKNs ETF074, A0Q4R4, DBX0F1) und Gesundheits-Indexfonds (WKNs ETF068, A0Q4R3).

Ruhiger Handel mit Renten-ETFs

Derzeit konzentrieren sich Anleger stark auf Aktien, Renten spielen kaum eine Rolle. „Wir sehen nur kleinere Portfolioanpassungen, meist im Bereich von Unternehmensanleihen“, meldet Ciriaco Carrozino von der Unicredit Group. Käufe und Verkäufe hielten sich in etwa die Waage, mit einem kleinen Käuferüberhang. „Andrang wie im vergangenen Jahr gibt es aber derzeit definitiv nicht.“ Laut Commerzbank werden insbesondere kurzlaufende deutsche Staatsanleihen gesucht (WKNs A1JRDF, ETFL19).

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 1. April 2014

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.