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ETFs: Die Ferne lockt

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FRANKFURT (Börse Frankfurt). Während Anleger bei Bluechip-Tracker eher Gewinne glattstellen, steigen die Zuflüsse in Indexfonds mit Aktien aus dem Pazifikraum oder Schwellenländern. Wer sich dennoch im alten Kontinent engagiert, sucht das Spezielle.

Mit den Kursverlusten an den Börsen nach der Griechenland-Einigung vor gut einer Woche trennten sich auch viele ETF-Anleger von ihren Aktienportfolios.

Sidi Kleefeld, Händler bei der Deutschen Bank, berichtet von Gewinnmitnahmen im großen Stil: „Betroffen waren DAX-, Euro Stoxx-, S&P- und MSCI USA-Tracker.“ Seit gestern werde allerdings wieder mehr gekauft, abermals querbeet. Auch die Commerzbank ( Zum Testbericht) spricht von einem Verkaufsüberhang in der vergangenen Woche: „Wir hatten 55 Prozent Ab- und 45 Prozent Zuflüsse“, erklärt Frank Mohr.

Kasse machen mit Industrieländer-Trackern

Von den Umsätzen her beschreibt Bernardus Roelofs von Flow Traders die Woche als „karnevalsbedingt eher ruhiger“, Mohr spricht von einem etwas unterdurchschnittlichen Handelsaufkommen, insgesamt sei der Februar aber ein sehr guter Monat gewesen.

Laut Roelofs verabschiedeten sich Investoren etwa vom iShares DAX (WKN 593393) und S&P 500 (WKN 264388), während beim Stoxx 600 (WKN 263530) meist zugegriffen worden sei. „Zurückgegeben wurden neben großen DAX-Trackern auch an den DAX als Preisindex gebundene ETFs und der Lyxor Nasdaq“, ergänzt Mark Schönbrodt von der DekaBank (WKN ETFL06, 541543).

Spaß am Besonderen

Kauffreudiger zeigten sich Anleger hingegen bei spezielleren Themen. Der DekaBank zufolge fanden etwa Dividendenstrategie-ETFs wie der Lyxor Stoxx Europe Select Dividend 30 (WKN LYX0BB) Anhänger. Mohr kann den Trend hin zu Nischenprodukten bestätigen: „Zum Beispiel wurde der SDAX-ETF gern gekauft“, erklärt der Händler (WKN ETF005).

Gutes Interesse hat Mohr außerdem für den C-Quadrat IQ European Equity (WKN A1C3EJ) festgestellt. „Das sehen wir schon seit zwei Wochen.“ Der Aktienstrategie-ETF des österreichischen Asset Managers C-Quadrat war laut Analysehaus Morningstar 2011 in der Kategorie „Aktien Euroland Standardwerte“ mit einem Plus von 19,38 Prozent der beste von insgesamt 168 Produkten. Er bildet die Wertentwicklung des C-Quadrat European Equity Total Return-Index ab, der auf einer regelgebundenen Long/Short/Cash-Strategie und Hebeln basiert. Ziel des Index ist es, langfristig einen höheren Ertrag als der Euro Stoxx 50 zu generieren, bei vergleichbarem Risiko.

Setzen auf Australien, Hongkong und Brasilien

Immer begehrter werden Anlagen jenseits von Europa und den USA. „Man könnte von Allokationen in die Ferne zulasten von DAX und Euro Stoxx sprechen“, formuliert Mohr. Investoren wünschten offenbar mehr Diversifikation. Eine sehr rege Nachfrage hat der Händler etwa beim ComStage MSCI Pacific ex Japan (WKN ETF115) beobachtet, der die Entwicklung von Aktien aus Ländern wie Australien, Hongkong, Singapur und Neuseeland nachzeichnet. Der ETF hat in den vergangenen drei Monaten um fast 15 Prozent zugelegt.

Doch auch Schwellenländer kommen weiterhin gut an, vor allem marktbreite Indizes überzeugen. Auf den Umsatzlisten der DekaBank für die vergangene Woche stehen Emerging Markets-ETF sogar ganz oben. „Gekauft wurden der db x-trackers MSCI Latin America, der db x-trackers MSCI Asia und der breit aufgestellte Emerging Markets-ETFs von ETFlab“, konkretisiert Schönbrodt (WKN DBX1ML, DBX1MA, ETFL34).
Roelofs berichtet von Zuflüssen in den iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT). Während Anleger bei ETFs mit brasilianischen Aktien (WKN LYX0BE) ebenfalls zugegriffen hätten, seien solche mit koreanischen (WKN A0HG2L) oder chinesischen (WKN A0RF40) Titeln abgestoßen worden.

Umschichtungen in Branchen-ETFs

Im Handel mit Sektoren-ETFs fehlen die großen Themen. „Es ist nicht viel los. Fast alles konzentriert sich auf die breiten Indizes“, meint Kleefeld. Laut Commerzbank ( Zum Testbericht) greifen Anleger allerdings bei ETFs mit Aktien der Konsumgüter-, der Lebensmittel- und Getränke- (WKN ETF067) sowie der Einzelhandelsbranche (WKN ETF075) zu. In Indexfonds mit Bank- (WKN ETF062), Gesundheits- (WKN 628933) und Technologieaktien (WKN 628932) überwögen hingegen die Verkäufe. „Hier werden Gewinne mitgenommen“, glaubt Mohr.

Unternehmensanleihen für die Rendite

Auch Renten-ETFs können im Moment nicht wirklich punkten, wie die Händler melden. „Die Verkäufe dominierten eher“, erklärt Mohr. Ob Indexfonds mit deutschen Anleihen ihren Nimbus bereits verloren haben, darüber gehen die Meinungen auseinander. Flow Traders meldet Abflüsse aus dem iShares eb.rexx Government Germany 1,5-2,5 (WKN 628947) und anderen Indexfonds mit Bundesanleihen, auch die Commerzbank berichtet von Verkäufen. „Bei uns überwiegen die Positionierungen“, meint hingegen Mark Schönbrodt (WKN 628947, 628948). Viel Zuspruch, darin sind sich die Market Maker einig, finden hingegen ganz klar ETFs mit Unternehmensanleihen (WKN LYX0FJ, A1H916, ETFL38). Angesichts magerer Renditen für sichere Staatsanleihen entscheiden sich Anleger offenbar zunehmend für die Variante, die ein bisschen mehr Rendite bietet.

Der ETF-Marktbericht erscheint jeden Dienstag bei boerse-frankfurt.de

© 28. Februar 2012 / Anna-Maria Borse

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