Start ETF-Marktbericht ETFs: Die Musik spielt anderswo

ETFs: Die Musik spielt anderswo

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Mehrjahres- oder gar Allzeithochs locken ETF-Anleger in US-amerikanische und japanische Werte. Auch chinesische Aktien sind beliebt. Da können DAX- und Euro Stoxx-Tracker nicht mithalten.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Höhenflüge der Börsen in den USA und Japan schlagen sich auch im ETF-Handel nieder. „Der Trend geht weiter in Richtung USA und heraus aus Europa, wenn auch nicht ganz so stark wie in den Vorwochen“, meint Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. Die meisten Händler berichten zumindest von leichten Abflüssen aus DAX- und Euro Stoxx 50-Trackern, gekauft würden hingegen MSCI-World-ETFs sowie US-amerikanische, japanische und chinesische Aktien.

Dass DAX-ETFs im Moment nicht so gut angekommen, erstaunt nicht: Das deutsche Börsenbarometer tritt seit einigen Wochen auf der Stelle, das Rekordhoch vom Sommer bei 10.051 Punkten ist weit entfernt. Anders ist die Situation in den USA und Japan: Am gestrigen Montag kletterte der Dow Jones auf 17.647,75 Punkte, ein historisches Hoch, der S&P 500 markierte ebenfalls einen Rekordstand. In Japan erreichte der Nikkei 225 am Freitag ein neues Siebenjahreshoch.

Zu tun haben die Händler weiter viel. „Es ist zwar etwas ruhiger geworden, die Umsätze bleiben aber hoch“, meint Sascha Cronemeyer von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Das sieht Gregor Hamme von der Unicredit in London ähnlich: „Seit Oktober ist richtig viel los.“ Auch Jörg Sengfelder von Flow Traders spricht von einer „guten Woche“.

Eher USA als Europa

Viel Umsatz, aber vor allem Abgaben – so stellt sich das Bild bei DAX-ETFs (WKN 593393, ETFL01, DBX1DA) dar. Zugegriffen wird hingegen in MSCI-World-Indexfonds wie dem db x-trackers MSCI World (WKN DBX1MW), aber auch bei US-amerikanischen Aktien in Form von S&P 500-ETFs (WKN 622391). „Gekauft werden US-Werte und der MSCI World“, fasst Hamme zusammen. „MSCI World (WKN A0HGV0), S&P 500 (WKN A0YEDG), MSCI Japan und CSI 300 – das sind bei uns die Favoriten“, meint Sengfelder.
Zu- und Abflüsse prägen den Handel mit Euro Stoxx-ETFs. „In Europa wird alles gekauft“, bemerkt Cronemeyer. Anleger setzten etwa auf Euro Stoxx 50-, Stoxx Europe 600- (WKN ETF060) oder Euro Stoxx Select Dividend-ETFs (WKN ETF051). Hamme meldet hingegen Abflüsse, zum Beispiel aus dem iShares Euro Stoxx 50 (WKN 593395) und dem Pendant von Lyxor (WKN 798328). Der Euro Stoxx 50 hat sich im November ebenfalls kaum bewegt, mit aktuell 3.111 Punkten ist der bankenlastige Index noch viel weiter von seinem Rekordhoch, das vor der Finanzkrise erreicht wurde, entfernt als der DAX.

Japanische Aktien währungsgesichert

Des Weiteren geht der Blick gen Fernost: Durch die vielen Nachrichten aus Japan sind ETFs gefragt, die den Aktienmarkt von Tokio abbilden, wie Cronemeyer erklärt. „Besonders die währungsgesicherten Varianten laufen gut“, ergänzt Kleefeld mit Blick auf den db x-trackers MSCI Japan Euro Hedged (WKN DBX0KT). Mit dem kommen Anleger für die vergangenen vier Wochen immerhin auf ein Plus von 17 Prozent, beim an der Börse Frankfurt noch reger gehandelten iShares MSCI Japan Euro Hedged (WKN A1H53P) sind es 15 Prozent.

Sengfelder berichtet ebenfalls von einer regen Nachfrage nach währungsgesicherten Produkten, etwa dem Amundi Japan Topix Euro Hedged Daily (WKN A1J4TX). Nach dem Siebenjahreshoch gab der Nikkei zum Wochenauftakt nach, als bekannt wurde, dass Japan abermals in einer Rezession gerutscht ist. Heute legte der Tokioter Leitindex aufgrund von Spekulationen um neue Konjunkturspritzen aber schon wieder etwas zu.

34 Prozent Plus mit China-Aktien

Auch chinesische Aktien finden viel Zuspruch, wie sowohl die Deutsche Bank als auch Flow Traders feststellen. Dabei konzentriert sich das Anlegerinteresse auf den CSI 300, der die Entwicklung der 300 größten festlandchinesischen Aktien widergibt. Das zeigt auch die Statistik der Börse Frankfurt für die vergangene Woche: Dort steht der db x-trackers CSI 300 (WKN DBX0M2) auffällig weit oben. Seit Mai dieses Jahres ist der Index stark gestiegen, ETF-Anleger kommen auf ein Plus von 34 Prozent. Zuvor hatte der CSI 300 – gegen den Trend in den Industrieländern – über Jahre stark an Wert verloren.

Bankaktien nicht gefragt

Abermals gehören Banken-ETFs zu den meistgehandelten Branchen-Indexfonds, allen voran der iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930). Beliebt sind sie allerdings nicht, die Abgaben überwiegen weiter, wie Hamme und Sengfelder berichten. Der iShares Euro Stoxx Banks hat seit Mai 7 Prozent an Wert verloren.
Flow Traders zufolge trennen sich Investoren auch von Autowerten, und zwar mit dem iShares Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts (WKN A0Q4R2). Bei der Unicredit positionieren sich Anleger defensiv, beliebt seien etwa der iShares Stoxx Europe 600 Health Care (WKN A0Q4R3) und der iShares Stoxx Europe 600 Telecommunications (WKN A0H08R). „Da spielen sicherlich auch die jüngsten positiven Nachrichten von Vodafone eine Rolle“, erläutert Hamme. Das Unternehmen hat vergangene Woche die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr leicht angehoben. Die Commerzbank ( Zum Testbericht) berichtet unterdessen von Interesse an Versorger-, Grundstoff- und Immobilien-ETFs.

Emerging Markets-Anleihen weiter gesucht

Im Handel mit Renten-ETFs finden weiterhin Schwellenländer-Anleihen großen Anklang, wie Sengfelder erklärt, zum Beispiel der iShares J.P. Morgan US-Dollar Emerging Markets Bond (WKN A0RFFT). Der kann seit Jahresanfang immerhin ein Plus von 18 Prozent aufweisen. Croneymeyer bestätigt das Interesse, dagegen flögen Bundesanleihen aus den Portfolios. „Das betrifft alle Laufzeiten.“ Bei der Deutschen Bank setzen Investoren auf Unternehmensanleihen, bei Flow Traders mit dem iShares US-Dollar Treasury Bond 7-10y (WKN A0LGQB) auf langlaufende US-Staatanleihen.

Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse
© 18. November 2014

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.