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ETFs: Eine Prise Skepsis

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Viele Anleger glauben nicht mehr an eine Jahresendrallye und stellen Gewinne lieber glatt. Weiter dreht sich alles umIndustrieländeraktien, anderes interessiert kaum.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Dass jede Hausse auch einmal ein Ende haben muss, wird ETF-Anlegern zunehmend bewusst. Viele machen lieber Kasse. „Wir hatten 54 Prozent Verkäufe und 46 Prozent Käufe“, meldet Sascha Cronemeyer von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Auch Gregor Hamme von der Unicredit in London meldet Gewinnmitnahmen. „Anleger registrieren, wie gut die Börsen zuletzt gelaufen sind, und trennen sich von ETFs. Betroffen sind vor allem breite Indizes.“

Marco Salaorno von der Société Générale sieht keinen klaren Trend: „Es gibt einiges an Zuflüssen, aber auch an Abflüssen.“ Dabei sind die Umsätze den Händlern zufolge etwas zurückgegangen – auf hohem Niveau. Der DAX hatte vergangene Woche immer neue Rekorde verzeichnet und war am Freitag bei über 9.400 Punkten aus dem Handel gegangen. Am heutigen Dienstag liegt der DAX mit 9.263 Punkten allerdings deutlich im Minus.

Manchen wird es zu heiß

Im Mittelpunkt des Interesses stehen ganz klar Industrieländeraktien, gehandelt wird hier in beide Richtungen. Hamme zufolge verabschieden sich Investoren vom iShares MSCI Europe (WKN A0M5X2) und vom iShares MSCI Europe ex-UK (WKN A0J209), der Aktien aus Großbritannien ausschließt. Auch im marktbreiteren iShares Euro Stoxx (WKN A0D8Q0) überwögen die Abflüsse. „Gemischter ist das Bild in DAX– und Euro Stoxx 50-ETFs„, ergänzt der Händler. Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) dominieren in DAX-Trackern (WKN 593393) sogar noch Zuflüsse, ebenso in S&P-ETFs (WKN 264388). Von MSCI Europe– und MSCI Japan-Fonds (WKN A0YBR5) sowie dem den italienischen Markt abbildenden FTSE MIB-Indexfonds (WKN A0YEDP) verabschiedeten sich Investoren hingegen.

Zuspruch finden unterdessen Aktien mittelgroßer Unternehmen, wie Salaorno erklärt: „Gekauft werden der iShares Euro Stoxx Small (WKN A0DPMZ) und der Lyxor MSCI EMU Small Cap (WKN A0F420).“ Auch noch speziellere Produkte seien gesucht, wie etwa der Lyxor MSCI EMU Value (WKN A0EQ01). Der MSCI EMU Value-Index misst die Aktienentwicklung von Unternehmen mit niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis, erhofft wird eine überdurchschnittliche Kursentwicklung.

Den Mutigen gehört die Welt

Eindeutig auf der Kaufliste steht Hamme zufolge im Übrigen der Lyxor FTSE Athex 20 (WKN LYX0BF), der den griechischen Aktienmarkt abbildet. „Das liegt wohl daran, dass mit Moody’s nun auch die letzte der drei großen Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit Griechenland wieder hochgestuft hat.“ Zuvor stellten schon Standard & Poor’s und Fitch dem Land bessere Noten aus, allerdings liegt die Bewertung bei allen drei Agenturen weiterhin im Ramsch-Bereich. Anleger, die gegen den Trend vor einem Jahr oder auch noch vor drei Monaten eingestiegen sind, können hohe Gewinne einstreichen: Der Griechenland-ETF kommt für die vergangenen drei Monate auf ein Plus von 26 Prozent, für zwölf Monate sogar auf 37 Prozent. Zum Vergleich: Der iShares DAX hat in diesem Zeitraum um 14 beziehungsweise 24 Prozent zugelegt.

Schwellenländer-ETFs sind nach wie vor kein großes Thema, die Umsätze sind gering. Salaorno hat Rückflüsse aus osteuropäischen Aktien (WKN A0HGZV) beobachtet, aber auch Zuflüsse in marktbreite Schwellenländer-Indexfonds wie den iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT). „Eine klare Richtung gibt es jedoch nicht.“

Hin und her mit Branchen-ETFs

Auch in der Beurteilung unterschiedlicher Branchen gehen die Meinungen derzeit offenbar auseinander: Während die Commerzbank von Abflüssen aus Gesundheitsaktien berichtet (WKN ETF068), meldet Unicredit Zuflüsse in den iShares Stoxx Europe 600 Health Care (WKN A0Q4R3). Hamme zufolge fliegen auch Banken-Indexfonds aus den Portfolios. Cronemeyer berichtet von Verkäufen von Immobilien-ETFs sowie Käufen von Grundstoff-, Banken- und Technologie-Fonds.

Weg mit Pfandbriefen

Eher ruhig zu geht es derzeit im Handel mit Renten-ETFs. „Die Musik spielt in Aktien-ETFs“, bemerkt Salaorno. Cronemeyer zufolge werden Pfandbrief-Indexfonds verkauft, etwa solche, die deutsche oder Schweizer Pfandbriefe abbilden. Laut Ciriaco Carrozino von der Unicredit Group setzen Anleger auf US-amerikanische Staatsanleihen. Wenig los sei im Geschäft mit Unternehmensanleihen-ETFs.

Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 03. Dezember 2013

 

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.