Start ETF-Marktbericht ETFs: Es wird wieder gehandelt

ETFs: Es wird wieder gehandelt

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Das Ende der Ferienzeit lässt die Umsätze steigen. Bluechips leiden unter dem Syrien-Konflikt. Einzelne Käufer kehren in Schwellenländer-ETFs zurück.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Von einer deutlichen Geschäftsbelebung berichten Market Maker im Handel mit Indexfonds. „Im Vergleich zu den Vorwochen ist wieder richtig etwas los“, kommentiert etwa Gregor Hamme von der Unicredit Group in London. Und auch bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) kann von einem Sommerloch keine Rede mehr sein: „Nach knapp über 9.000 Trades in den zurückliegenden Wochen ist die Anzahl der Orders wieder über 11.000 gestiegen, das gehandelte Volumen hat ebenfalls zugenommen“, weiß Market Maker Frank Mohr.

Das Gros der Umsätze entfalle dabei auf Aktien-ETFs. „Der Anteil der Aktien-Tracker am gesamten ETF-Geschäft lag in der vergangenen Woche bei 88 Prozent, verglichen mit 9 Prozent der Renten-ETFs. Anleihen sind also kaum noch der Rede wert, macht der Anteil am Gesamthandel hier doch normalerweise 18 bis 20 Prozent aus“, erläutert Mohr.

Im Gleichschritt mit den Märkten

Laut Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank ist das ETF-Geschäft in den vergangenen Handelstagen „eins zu eins mit den Märkten“ mitgelaufen. „Bis einschließlich Donnerstag vergangener Woche haben wir angesichts der Sorgen um einen möglichen Militärschlag gegen Syrien fast ausschließlich Verkäufe gesehen, insbesondere bei Industrieländer-Aktien (WKNs A0HGZR, DBX1WM). Mit der Allgemeinen Entspannung der Lage hat die Richtung am Freitag und gestern dann aber gedreht.“ Marcel Sattler von ICF Kursmakler beobachtet eine ähnliche Tendenz. „Bis Donnerstag haben sich Anleger etwa im DAX klar short positioniert, unter anderem über einen zweifach gehebelten Short-ETF von ETFX (WKN A0X9AA). Als sich dann aber abgezeichnet hat, dass auch die USA mit einem Eingreifen in Syrien erst einmal abwarten, hat die Richtung gedreht und das Produkt ist wieder überwiegend verkauft worden“, erläutert der Händler.

Mohr und Hamme melden für den größten Teil der vergangenen Woche ebenfalls einen deutlichen Abgabeüberhang, vor allem in Trackern europäischer Bluechips, wie dem DAX (WKNs 593393, DBX1DA, EZFL01) und dem Euro Stoxx 50 (WKNs 593395). Aber auch US-Indizes (WKNs 264388, 794358) seien aus den Depots geflogen, meldet Mohr. Der Händler ergänzt jedoch, dass sich die Richtung in DAX-Trackern trotz der Kursgewinne am Montag bisher nicht deutlich geändert habe. „Die gestrigen Kursgewinne sind eventuell stärker am Futures-Markt als über ETFs gespielt worden“, vermutet der Händler.

Renaissance der Schwellenländer?

Auffällig ist, wie Kleefeld beobachtet, dass erste Investoren offenbar wieder Chancen in Schwellenländeraktien sehen. „Nur zur Erinnerung: Der Trend diesen Jahres war ja raus aus den Emerging Markets, rein in Aktien der Industrieländer und dabei erst in US-Werte, dann in europäische und mit der Verschärfung der Syrien-Krise dann wieder zunehmend raus aus europäischen. Seit einigen Tagen setzen einige Anleger offenbar aber auch wieder auf eine Erholung der Schwellenländermärkte“, fasst der Market Maker der Deutschen Bank zusammen. Unter anderem beobachtet Kleefeld Käufe von Tracker indischer Aktien (WKN DBX1NN), einhergehend mit der jüngsten Stabilisierung der Rupie. Noch am vergangenen Mittwoch war die indische Währung auf ein Rekordtief zum US-Dollar gefallen und ist seitdem auf Erholungskurs.
Die massive Abwertung von Währungen in Schwellenländern macht in ganz Asien Unternehmen zu schaffen, die sich in den vergangenen Jahren angesichts niedriger US-Zinsen lieber günstig im Ausland anstatt in ihrer Heimatwährung verschuldet haben. Mit der gerade begonnenen Zinswende in den USA wird es nun jedoch deutlich teurer, die Verbindlichkeiten zurückzuzahlen. Die ohnehin schon angespannte wirtschaftliche Situation in einigen Ländern verschärft sich dadurch.

Im Tracker des breiten Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets von iShares (WKN A0HGZT) ist laut Commerzbank ( Zum Testbericht) bisher jedoch kein Kaufinteresse zu beobachten: „Vergangene Woche haben wir hier wie schon die ganze Zeit fast nur Abgaben gesehen“, meldet Mohr.

Lieber auf die sichere Seite

Im Handel mit Sektor-ETFs beobachtet Hamme Umschichtungen raus aus dem Finanzsektor (WKNs 628930, LYX0AQ) und rein in Aktien aus eher defensiven Branchen wie Telekommunikation (WKN ETF077) oder Gesundheit (WKN LYX0AS). „ Neben der allgemeinen Tendenz hin zu defensiven Werten wurde im Telekomsektor in den vergangenen Tagen sicher auch der Ausstieg von Vodafone aus dem US-Mobilfunkmarkt gespielt“, merkt Hamme an. Der britische Mobilfunkkonzern hatte am gestrigen Montag den Verkauf seines 45-prozentigen Anteils am US-Mobilfunkanbieter Verizon Wireless bekannt gegeben. Die Konzernmutter Verizon wird 130 Milliarden Dollar, also knapp 100 Milliarden Euro, an Vodafone zahlen.

von Karoline Kopp, Deutsche Börse AG
© 3. September 2013

 

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