etf marktbericht

 

Anleger setzen nach der geldpolitischen Lockerung der EZB auf weiter steigende Kurse deutscher und europäischer Bluechips.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Von den griechischen Wahlergebnissen lassen sich Anleger kaum beirren. Auf die mögliche Koalition der linksgerichteten Syriza mit der rechtspopulistischen Partei ANEL und der gemeinsamen Ablehnung der bisherigen Spar- und Reformpolitik reagieren die Aktienmärkte gelassen. Der DAX schloss am Montag mit 10.798 Punkten abermals deutlich im Plus und notiert derzeit etwa 1,0 Prozent leichter.

Entsprechend aktiv agieren ETF-Anleger, wie die Händler einhellig berichten. „Seit der  EZB-Entscheidung haben wir bei starken Zuflüssen enorm viel zu tun“, berichtet Marco Salaorno von der Société Générale. „Insbesondere am Freitag verbuchten wir eine große Anzahl an Transaktionen mit zum Teil sehr hohen Volumina.“ Tracker europäischer Aktienindizes stünden seit Wochenbeginn ganz klar im Vordergrund. Neben DAX- und Euro Stoxx 50-Werten setzten Anleger auf Indizes einzelner Eurostaaten. Salaorno nennt beispielhaft das große Interesse an spanischen Bluechips im Ibex 35 (WKN DBX0HR). „Die ein oder anderen Gewinnmitnahmen gibt es bei ETFs, die an den Euro Stoxx 50 gekoppelt sind.“

DAX und Euro Stoxx 50 dominieren

„Hin zu Europa, raus aus Nordamerika“, so beschreibt Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank die Flows in der vergangenen Woche. Euro Stoxx 50- (WKNs ETF001, ETF050) und DAX-Tracker (WKNs 593393, DBX1DAETFL01, LYX0AC) aller Anbieter würden rege nachgefragt. Gleichzeitig trennten sich Investoren von ShortDAX-Produkten (WKNs ETF004, A0X9QV, DBX1DS) und ETFs, die von fallenden Kursen beim Euro Stoxx 50 (WKNs A0MNT8, A0RRLR, A0MNT7) profitieren.

Neue Rekordzahlen im ETF-Handel seit der Entkoppelung des Franken vom Euro und der Ankündigung des Anleihen-Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank meldet die Commerzbank ( Zum Testbericht). „Bei 46.000 Trades verbunden mit sehr starken Umsätzen ging es bei den großen DAX- und Euro Stoxx 50-ETFs geschäftig hin und her“, beobachtet Frank Mohr, der unter dem Strich ein ausgeglichenes Verhältnis von Käufen und Verkäufen bei DAX-Indexfonds und einen leichten Verkaufsüberhang bei Euro Stoxx 50-Werten ausmacht. „Generell gab es über alle Anlageklassen hinweg viel Bewegung.“

US-Konzerne ebenfalls gefragt

Laut Salaorno gehören Portfolios mit US Equities zu den umsatzstärksten Positionen. In den Anlegerdepots landeten beispielsweise Tracker des MSCI Nordamerika (WKNs A0J201), MSCI USA (WKN A0JMFG) und S&P 500 (WKN A1JX53, DBX0F2). Zu den meistgehandelten Produkten in dieser Kategorie gehörten S&P MidCap 400-ETFs (WKN A1JSHV) mit 400 börsennotierten mittelständischen US-Unternehmen. „Auch hier überwogen die Käufe.“ Japanische Aktien hätten Anleger kaum auf dem Schirm. Die ein oder anderen Abflüsse gebe es bei MSCI Japan-Produkten (WKN A0DK60).
Positionierungen im MSCI World (WKN ETF110) sieht Mohr im Wechselspiel mit großen Verkäufen von MSCI Switzerland-ETFs (WKN A1H791, A1W7EG). „Das könnten strategische Allokationen in Verbindung mit dem neuen Kurs der Schweizer Notenbank sein.“

Gewinnmitnahmen bei chinesischen Aktien

Einen starken Trend weg von Portfolios mit Schwellenländeraktien beobachtet Kleefeld. Anleger trennten sich etwa in Summe von Indexfonds verschiedener Emittenten, die sich an der Wertentwicklung des MSCI Emerging Markets (WKNs LYX0BX, DBX1EM, A0JMLL, A0HGZT) orientieren. Bei chinesischen Unternehmen im CSI300 (WKN DBX0M2, DBX0NK) streichen Anleger ihre Gewinne glatt, wie der Händler vermutet. „Der Index hat eine relativ starke Rallye hinter sich.“ Zumeist Zuspruch gebe es für S&P CNX Nifty-Werte (WKN DBX1NN). Der Index enthält 50 Aktien aus 22 Sektoren der indischen Wirtschaft.

Wenig Appetit auf Festverzinsliches

Weniger geschäftig geht es den Händlern zufolge im Rentenbereich zu. Etwa setzten Kunden der Commerzbank ( Zum Testbericht) mit Käufen von Short-Produkten (WKNs ETF562, ETF563) auf einen fallenden Euro-Bund-Future. „In der Kategorie Festverzinsliches waren das Hauptumsatzträger.“ Kleefelds Kunden bevorzugten per Saldo deutsche Staatsanleihen (WKN DBX0C9) mit ein- bis dreijähriger Laufzeit. Zu den meistgehandelten Produkten auf der Verkaufsseite gehörten Bonds von Schwellenländern in lokaler Währung, etwa im SPDR Barclays Capital Emerging Markets Local Bond (WKNs A1JB4Q). US-Dollar-Anleihen (WKNs DBX0CQ) führten bei der Société Générale die Liste der Käufe in der Anlageklasse an. Bundesanleihen im Deka Deutsche Börse Eurogov Germany (WKN ETFL17) kämen in Summe aus den Depots raus.

Anleger hoffen auf Erholung bei Ölkonzernen

Im Bereich der Branchen-ETFs greifen Investoren Mohr zufolge zu Immobilien (WKN A0Q4R4), während es bei Banken-ETFs (WKNs 628930, A0F5UJ) und im Technologiesektor Bewegungen in beide Richtungen gebe. „Einen Trend kann ich aus den Bewegungen nicht ableiten.“ Energieaktien im Stoxx 600 Oil und Gas (WKN A0H08M) führt Kleefeld auf der Kaufseite. Auch Salaorno spricht von Anlegerinteresse an Ölwerten. „Das ist vielleicht ein Signal für eine Trendwende.“ Für die Bereiche Telekommunikation (WKN LYX0A1) und Technologie A0YHMJ) hätten Investoren derzeit wenig übrig. „Das kann mit dem Einbruch der Gewinne bei Microsoft zusammenhängen.“

von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 27. Januar 2015

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.