etf marktbericht

 

Auch im ETF-Handel gilt wieder der „risk off“-Modus, wie Händler formulieren. Vonosteuropäischen Aktien haben sich die meisten schon getrennt, jetzt werden vor allem DAX- und Euro Stoxx-Tracker verkauft.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Krim-Krise sorgt unverändert für Nervosität am Markt – und ein hohes Handelsaufkommen. „Es ist sehr viel los“, meldet Jörg Sengfelder von Flow Traders. „Neben den Geschehnissen auf der Krim drückt auch die Konjunkturabkühlung in China auf die Stimmung.“ Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) berichtet ebenfalls von hohen Umsätzen. „Mit 20.000 Trades in der Woche liegen wir wieder weit über dem Durchschnitt, allerdings ist das Volumen etwas zurückgegangen, es gab also viele kleinere Transaktionen.“ Von der Tendenz her hätten Verkäufe klar überwogen – und zwar in Aktien- und Renten-ETFs.

In der vergangenen Woche hatte der DAX über 3 Prozent an Wert verloren, am gestrigen Montag ging es wieder nach oben, am heutigen Dienstag setzt sich die Erholung fort, das Börsenbarometer notiert bei 9.240 Punkten und damit leicht im Plus. Die Situation auf der Krim bleibt allerdings angespannt. Wie heute bekannt wurde, will Russlands Präsident Wladimir Putin nun mit eigenen Strafmaßnahmen auf die Sanktionen des Westens reagieren.

Heftige Einbußen in osteuropäischen Titeln

Definitiv nichts mehr wissen wollen Anleger von osteuropäischen und chinesischen Aktien: Sengfelder meldet Abflüsse aus dem db x-trackers MSCI Russia Capped (WKN DBX1RC), dem die Börsen von Shanghai und Shenzhen abbildenden db x-trackers CSI300 (WKN DBX0M2), dem Lyxor China Enterprise (WKN A0F5BW) und dem iShares China Large Cap (WKN A0DPMY). Auch breit aufgestellte Schwellenländer-ETFs (WKN DBX1EM) würden verkauft.

Anderen Händlern zufolge ist im Geschäft mit osteuropäischen Aktien-ETFs aber bereits Ruhe eingekehrt. „Bei uns gibt wenig Umsatz in diesem Bereich“, bemerkt Marco Salaorno von der Société Générale. Wer verkaufen wolle, habe das bereits getan. „Und für einen Wiedereinstieg ist es den meisten noch zu früh.“ Der db x-trackers MSCI Russia Capped hat seit Jahresanfang über 22 Prozent an Wert verloren.

Deutsche Aktien mit abgestraft

Europäische Bluechips konnten sich dem Sog nicht entziehen und wurden ebenfalls verkauft, am Freitagnachmittag und am gestrigen Montag stiegen Anleger aber schon wieder ein. „Bei uns gab und gibt es Gewinnmitnahmen und Neupositionierungen, etwa im Lyxor Euro Stoxx 50 (WKN 798328)“, erklärt Salaorno. Von massiven Verkäufen könne nicht die Rede sein. „Eindeutig Rückflüsse haben wir unterdessen im MDAX (WKN 593392) gesehen.“

Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) dominierten in der vergangenen Woche unterm Strich noch Abgaben in DAX– und Euro Stoxx 50-Trackern (WKN 593393, 593395, ETF001) sowie Zuflüsse in Short-DAX-ETFs (WKN DBX1DS, ETF004). Außerdem wurden Bartels zufolge Dividendenstrategie-Indexfonds gekauft. „Jetzt beginnt ja wieder die Dividendensaison“, erklärt der Händler. Anleger setzten daher etwa auf den iShares Euro Stoxx Select Dividend 30 (WKN 263528) oder den SPDR S&P US Dividend Aristocrats (WKN A1JKS0).

Sengfelder berichtet von Abflüssen aus Stoxx 600- (WKN DBX1A7) und Zuflüssen in MSCI World-ETFs (WKN A0YBR3, A0HGZR). „Den MSCI World kaufen Investoren, die grundsätzlich in Aktien bleiben wollen.“

Südländeraktien kommen gut an

Zuspruch finden, wenn auch nicht in großen Stil, spanische und portugiesische Aktien, etwa in Form des Amundi MSCI Spain (WKN A0REJT) und des ComStage PSI 20 (WKN ETF047), wie Bartels weiß. Laut Salaorno finden italienische und spanische Aktien viel Zuspruch, zum Beispiel an den FTSE MIB gekoppelte Produkte, der die Mailänder Börse abbildet.

Aktien aus Südeuropas Peripherie werden offenbar nicht mehr als Risikopapiere wahrgenommen – Hintergrund ist die sich abzeichnende Erholung in der Eurozone mit anziehendem Wachstum und sinkenden Leistungsbilanzdefiziten in den bisherigen Problemländern.

Rücksetzer für Banken-Indexfonds

Von Banken-ETFs verabschieden sich Anleger Sengfelder zufolge wieder. Der iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930) hat zuletzt an Wert verloren, kommt auf Sicht von sechs Monaten aber immer noch auf Plus von 18 Prozent, auf Sicht von zwölf sind es sogar 32 Prozent.
Salaorno zufolge werden Einzelhandels- (WKN LYX0A0), Grundstoff- (WKN LY0AX) und Medien- ETFs (WKN LYX0AU) abgestoßen, stattdessen würden diverse andere Sektoren gekauft, etwa die Bau- und Baumaterialbranche (WKN LYX0AZ) oder, für Anhänger sehr spezieller Anlagen, die Wasserbranche in Form des Lyxor World Water (WKN LYX0CA).

Südeuropas Staatsanleihen beliebt

Auch im Handel mit Renten-ETFs zeigt sich: Europas Peripherie ist wieder salonfähig. Bei der Commerzbank werden spanische und italienische Staatsanleihen gekauft, konkret mit dem iShares Spain Government Bond (WKN A1J0BH) und dem iShares Italy Government Bond (WKN A1J0BF). Abgestoßen würden hingegen kurzlaufende deutsche Staatsanleihen und Pfandbriefe (WKN 263526). Flow Traders sieht vor allem Umschichtungen aus kurzlaufenden europäischen Staatsanleihen (WKN A0J21A, A0X8SK) in langlaufende Papiere beziehungsweise gemischte Portfolios (WKN DBX0AC, 628946).

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG

Interesse an News zu ETFs und Geldanlage?

Unser kostenloser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.