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ETFs: Europas Aktien erste Wahl

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Zurück zum Alltagsgeschäft, heißt es auch im ETF-Handel. Anleger positionieren sich vor allem in europäischen Aktien, während China kritisch beäugt wird..

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Ausnahmezustand ist vorbei, durch die Vereinbarungen mit Griechenland ist wieder ein Stück Normalität eingekehrt. ETF-Händler melden einen deutlichen Käuferüberhang für die vergangene Woche. „Dabei standen europäische Aktien natürlich im Fokus“, erklärt Marco Salaorno von der Société Générale. Auch bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) dominierten mit 56 Prozent die Zuflüsse, vor allem in DAX- und Euro Stoxx-Trackern – bei insgesamt guten Umsätzen. „Wir hatten 34.000 Transaktionen in der Woche, das ist jetzt Durchschnitt“, bemerkt Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). „Vor gar nicht langer Zeit waren 10.000 Trades pro Woche üblich.“

Erleichterungsrally in Europa

Bei der Commerzbank setzten Anleger neben DAX- und Euro Stoxx-ETFs (WKN 593393, 593395, ETF001, ETF050) auch auf MSCI EMU- und – mit Einschränkungen – MSCI Japan-ETFs (WKN ETF117). In ETFs mit US-Aktien hielten sich Käufe und Verkäufe hingegen die Waage. Zuflüsse in europäische Titel, auch aus der Peripherie, Zu- und Abflüsse bei US-Aktien – das bestimmt auch das Bild bei der Société Générale. „Zudem werden MSCI Japan-ETFs gekauft.“ In Tokio hatte der schwache Yen und der niedrige Ölpreis zuletzt die Kurse beflügelt, so konnte der währungsgesicherte iShares MSCI Japan Euro Hedged (WKN A1H53P) seit dem 8. Juli um fast 8 Prozent legen.

„Unsere ETF-Spitzenreiter vergangene Woche waren die beiden DAX-ETFs von der DekaBank„, erklärt Marcel Sattler von der ICF Bank (WKNs ETFL01, ETFL06). „Beide wurden fast ausschließlich gekauft.“ Bei der BNP Paribas setzen Investoren unterdessen schwerpunktmäßig auf US-Titel, etwa mit dem S&P 500 THEAM Easy (WKN A1W4DP). „Das hängt wohl mit der US-Wirtschaft zusammen, die besser läuft als die europäische“, vermutet Gregory Guerrand. Auch für japanische und europäische Aktien meldet der Händler Zuflüsse, allerdings in geringerem Ausmaß.

Banken, China und das Öl

Im Handel mit Branchen-ETFs mangelt es derzeit nicht an Themen: Neben dem Kompromiss mit Griechenland, der sich positiv auf Banken-ETFs ausgewirkte, werden die Folgen des Crashs in China auf Europas Autobauer sowie der jüngsten Ölpreisschwäche auf Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche diskutiert. „Bei uns machten Banken-ETFs ein Drittel der Umsätze mit Sektoren-Indexfonds aus, und die Käufe überwogen klar“, bemerkt Mohr. Der umsatzstarke iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930) hat einen ordentlichen Satz nach oben gemacht, die Anteile werden jetzt bei 16,35 Euro gehandelt nach 14,26 Euro am 7. Juli.

Auto- und Öl-/Gasaktien auf den Verkaufslisten

Salaorno berichtet von Abflüssen aus Automobil- (WKN LYX0AN) sowie Öl- und Gas-ETFs. Auf den Letzteren lastet der Ölpreis: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet aktuell 56,60 US-Dollar, im Juni waren es zwischenzeitlich noch über 66 US-Dollar. Der Preis für US-amerikanisches Rohöl der Sorte WTI rutschte am heutigen Dienstag erstmals seit Anfang April wieder unter die Marke von 50 US-Dollar. Beim Lyxor Stoxx Europe 600 Oil & Gas (WKN LYX0A9) ist ein großer Teil der Gewinne nach dem heftigen Kursrutsch in der zweiten Jahreshälfte 2014 nun schon wieder verloren. Bei der Commerzbank wurden außerdem noch an die Gesundheits- und Technologiebranche gekoppelte ETFs gekauft, bei der BNP Paribas an die Gesundheits- und die Konsumgüterbranche, abgegeben worden seien hingegen Titel aus dem Finanzsektor.

Noch keine Ruhe in Shanghai und Shenzhen

Mit viel Aufmerksamkeit verfolgt werden darüber hinaus die Entwicklungen in China. Die Festlandsbörsen haben sich nach dem heftigen Kursrutsch im Juni und Anfang Juli zwar etwas erholen könnten, die Verluste sind aber längst nicht wettgemacht. Bei der BNP Paribas gab es weiterhin viele Abflüsse aus chinesischen Aktien. „Dabei sind die Indizes, etwa der Shanghai Composite, zuletzt ja wieder gestiegen“, bemerkt Guerrand.

„Wir sehen nach der Verkaufswelle erste zaghafte Käufe“, meldet hingegen Salaorno von der Société Générale. Hohe Umsätze mit ETFs, die chinesische Aktien enthalten, gibt es bei der Commerzbank zwar nicht, doch beschäftigen sich Mohr zufolge Anleger mit dem Kursrutsch und dessen Folgen. „Das schreckt tendenziell ab, nicht nur der Kurseinbruch, sondern auch die Interventionen der chinesischen Regierung.“ ETFs, die an die chinesischen Festlandsbörsen gekoppelt sind, seien zwar durchweg handelbar geblieben, obwohl viele Aktien vom Handel ausgesetzt wurden, es sei aber viel Vertrauen verspielt worden, meint der Händler. Die chinesischen Festlandsbörsen werden unter anderem vom db x-trackers CSI300 (WKN DBX0M2) und vom db x-trackers Harvest CSI300 (WKN DBX0NK) abgebildet.

Zögerlich gegenüber Emerging Markets-Werten

Salaorno beobachtet darüber hinaus generelle Vorsicht bezüglich Schwellenländerengagements. „Das hängt wohl mit der nahenden Zinserhöhung in den USA und den niedrigen Rohstoffpreisen zusammen.“ Vom Handel ausgesetzt bleibt der einzige an der Börse Frankfurt gelistete ETF, der die Entwicklung von griechischen Aktien widergibt, der Lyxor FTSE Athex Large Cap (WKN LYX0BF). Während die griechischen Banken am gestrigen Montag wieder öffneten, ist die Börse in Athen nämlich noch geschlossen. Lyxor hatte die Rücknahme von Anteilen des Indexfonds gestoppt.

US-Anleihen im Blick

In Bezug auf Renten-ETFs berichtet Guerrand von Käufen, vor allem von US-Staats- und -Unternehmensanleihen. Zudem blieben High Yield-Bonds beliebt. Salaorno meldet Abgaben von US-Papieren. „Das sind wohl Mitnahmen von Währungsgewinnen.“ Der Euro hatte sich im Zuge der jüngsten Turbulenzen um Griechenland gegenüber dem US-Dollar wieder abgeschwächt und notiert aktuell bei 1,0864 US-Dollar, vor einem Monat waren es noch fast 1,14 US-Dollar.

Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 21. Juli 2015

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.