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Die Krim-Krise hat Bewegung in den ETF-Handel gebracht. Während vor allem DAX-Tracker aus den Depots fliegen, erfreut sich die Euro-Peripherie anhaltendem Zulauf.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die gestiegene Volatilität der Aktienmärkte befeuert den Handel mit Indexfonds. „Vor allem Anfang vergangener Woche, als der DAX angesichts täglich neuer Meldungen zur Lage auf der Krim erst drei Prozent runter und dann wieder zwei Prozent hochgeschnellte, war enorm viel los. Seit Ende der Woche hat sich der Handel wieder etwas beruhigt, einige Leute warten wohl erst mal ab, in welche Richtung die Märkte jetzt gehen“, berichtet Gregor Hamme aus dem Londoner Handelssaal der Unicredit und ergänzt, dass aktuell eher auf die Gesamtmarktentwicklung und weniger auf einzelne Branchen spekuliert werde.

Turbulente Woche

Auch Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) spricht von einer sehr aktiven Woche. „Mit 19.800 Trades war noch mal mehr los als schon in der Woche davor. Und normalerweise gelten ja Wochen mit 15.000 Trades schon als stark.“ Die Market Maker von Flow Traders und der Deka Bank verzeichnen ebenfalls ein sehr starkes Handelsaufkommen.

Der Volatilitätsindex VDAX-New der Deutschen Börse ist seit Mitte Januar von rund 16 Prozent Ende Februar auf zeitweise über 21 Prozent angestiegen. Aktuell notiert das so genannte „Angstbarometer“ bei 19,5 Prozent. Der Index misst die implizite Volatilität der Aktien im DAX auf Sicht von 30 Tagen. Den bislang höchsten Tagesschlussstand erzielte der Index mit 83,23 Punkten auf dem Höhepunkt der Finanzkrise am 16. Oktober 2008.

Defensive Strategie

Unter dem Strich werden nach Auskunft der Händler Anteile an ETFs mit heimischen Aktien – allen voran DAX-Werte – tendenziell abgegeben. „Bei deutschen und europäischen Bluechips ist Verkaufsstimmung angesagt. Vom DAX (WKNs 593393, DBX1DA) über den MDAX (WKN 593392), den Euro Stoxx 50 (WKNs 593395, 935927) bis hin zum Stoxx Europe 600 (WKN 263530) wurde in den vergangenen Tagen alles überwiegend zurückgegeben“, meldet Jörg Sengfelder von Flow Traders in Amsterdam. Es herrsche zwar keine Panik, aber die Verkäufe seien stetig. „Insgesamt wird aktuell eine defensive Strategie gefahren. Selbst diejenigen, die ihr Aktien-Engagement nicht ganz abbauen wollen, gehen in ganz breite Indizes wie den MSCI World (WKNs A1H53Q, LYX0AG), um Risiken zu verringern“, weiß der Market Maker.

Eine ähnliche Tendenz sieht auch Bartels: „Während Anteile an Euro Stoxx 50, DAX und S&P 500-ETFs aus den Depots fliegen, erfreuen sich währungsgesicherte ETFs – etwa von der UBS oder von iShares (WKN A1H53P) – er weiterhin großer Beliebtheit. Auch der als defensiv geltende Gesundheitssektor findet Zulauf.“

Kurzfristiger Handel in beide Richtungen

Laut Unicredit überwiegt im DAX zwar tendenziell die Abgabeseite. Insgesamt hielten sich Käufe und Verkäufe aber weitestgehend die Waage. „Angesichts der erhöhten Kursschwankungen werden immer wieder beide Richtungen gespielt, vor allem in Bluechip-Indizes, in denen die Spreads relativ klein sind und man schnell rein und raus kommt“, ergänzt Hamme.
Aysun Cifci von der Deka Bank verzeichnet vor allem bei Euro Stoxx 50-Trackern (WKN ETFL02) hohe Abflüsse. „Nachdem am vergangenen Montag teilweise enorm große Verkaufsorders reinkamen, hat sich der Trend zu Abgaben über die gesamte Woche fortgesetzt.“ Käufe meldet die Händlerin indes für den MSCI USA (WKN ETFL26), den MSCI Europe (WKN ETFL08) als auch für den auf Aktien mit hoher Dividende fokussierten Deka EURO STOXX Select Dividend 30 UCITS ETF (WKN ETFL07).

Euro-Peripherie wieder en Vogue

Zunehmender Beleibtheit erfreut sich nach Auskunft der Market Maker unverändert die Euro-Peripherie. „Sowohl aktien- als auch rentenseitig haben wir trotz der Turbulenzen in der vergangenen Woche anhaltende Käufe gesehen“, meldet Sengfelder und spricht von reger Nachfrage etwa nach italienischen Staatsanleihen (WKNs BDX0HH, A1J0BF) oder griechischen Aktien (WKN LYX0BF).

Bartels beobachtet unter anderem bei portugiesischen Aktien (WKN ETF047) und spanischen Staatsanleihen (WKN A1J0BH) reges Kaufinteresse. „Es ist schon bemerkenswert, dass sich die jüngsten DAX-Turbulenzen in der Euro-Peripherie bislang fast gar nicht bemerkbar machen. Aber wenn es an den großen Märkten doch noch mal richtig rappeln sollte, wird sich das bestimmt auch negativ in Südeuropa auswirken“, meint Bartels.

Russische Aktien wenig begehrt

Russische und osteuropäische Aktien treffen angesichts der politischen Spannungen in der Ukraine hingegen nur auf wenig Kaufinteresse. „Die Aktivität in Tracker osteuropäischer und russischer Aktienindizes ist mit der Krim-Krise klar gestiegen. Dabei überwiegen die Verkäufe, aber je nach Nachrichtenlage kommen auch immer mal wieder einige Mutige zurück“, meldet Bartels.
Sengfelder beobachtet vor allem im Lyxor ETF RUSSIA (WKN LYX0AF) einen klaren Verkaufsüberhang, ergänzt aber: „Im Vergleich zu vergangener Woche hat der Abgabedruck wieder etwas nachgelassen, scheinbar sind die meisten jetzt schon draußen.“

Risiko tendentiell unbeliebt

Riskantere Produkte wie Hochzins-Unternehmensanleihen (WKN A1C8QT) oder Schwellenländer-Bonds (WKN A0RFFT) würden indes abgestoßen. Die Commerzbank ( Zum Testbericht) kann diese Tendenz jedoch nicht bestätigen und beobachtet bei deutschen Kurzläufern tendenziell Rückflüsse und führt Unternehmensanleihen auf der Kaufseite.

von Karoline Kopp, Deutsche Börse AG
© 11. März 2014

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.