Start ETF-Marktbericht ETFs: Hang zu asiatischen und US-amerikanischen Aktien

ETFs: Hang zu asiatischen und US-amerikanischen Aktien

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Im Moment sind deutsche Aktien nicht die Favoriten der ETF-Anleger, gesetzt wird eher auf ausländische Titel. Umsatzstark präsentieren sich weiterhin Anleihen-Indexfonds.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Diesmal spielt die Musik woanders: Die Höhenflüge in den USA sowie Asien sorgen für eine rege Nachfrage nach entsprechenden ETFs, bezüglich deutscher und europäischer Titel ist das Bild gemischt. Nach dem Sprung nach oben in der vergangenen Woche notiert der DAX am Dienstagmittag wieder etwas schwächer bei 11.759 Punkten. Der Grund: Der Ausgang der Regional- und Kommunalwahlen in Spanien mit deutlichen Gewinnen der Linken sowie die weiterhin ausstehende Einigung mit Griechenland lasten auf den Kursen.
Bei den Umsätzen machen sich die Pfingstfeiertage bemerkbar. „Die vergangene Woche stand unter ruhigem Vorzeichen“, meint Marco Salaorno von der Société Générale. Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) ging es ebenfalls etwas gemächlicher zu. „Tendenziell wird abgewartet“, erklärt Sascha Cronemeyer und meldet 27.000 Trades für die Vorwoche, in den Wochen davor waren es zum Teil um die 40.000 Transaktionen. Mit 60 Prozent Käufen gegenüber 40 Prozent Verkäufen hätten die Zuflüsse aber ganz klar überwogen. „Auffällig sind nach wie vor höher als übliche Umsätze in Anleihen-ETFs“, ergänzt der Händler.

Zurückhaltung bei DAX-Trackern

Auch wenn spanische Aktien und mit ihnen ETFs wie der Amundi MSCI Spain (WKN A0REJT) und der Comstage MSCI Spain (WKN ETF033) heute schwächer notieren: Zu Abgaben von spanischen Aktien im großen Stil kommt es nach den überraschenden Erfolgen der Linkspartei Podemos etwa in Madrid und Barcelona den Händlern zufolge nicht. „Auf der ETF-Seite schlägt das nicht durch“, bemerkt Salaorno. Auch Cronemeyer zufolge hat die Wahl in Spanien auf den ETF-Markt bislang keine Auswirkungen.

DAX-ETFs standen in den Orderbüchern Cronemeyers in der Woche vor Pfingsten auf den Abgabelisten, Euro Stoxx 50- und MSCI World-Indexfonds wurden hingegen „stark gekauft“, ebenso FTSE MIB-Indexfonds, die den italienischen Markt abbilden. Bemerkbar machte sich auch die Rallye in den USA, dort klettert der S&P 500 nämlich auf immer neue Höchststände. „S&P 500- und MSCI USA-ETFs werden viel gekauft“, erklärt Cronemeyer.

Gewinnmitnahmen seien noch kein Thema

Bei der Société Générale hielten sich Investoren mit europäischen Aktien eher zurück, in US-Aktien gebe es Zu- und Abflüsse. „Außerdem sind Aktien aus der zweiten Reihe weiterhin sehr beliebt“, meint Salaorno.
Das kann auch Sven Titze von der ICF Bank bestätigen: „Wir sehen in MDAX-ETFs (WKN ETFL44) regelmäßig Positionierungen.“

Asiatische Aktien begehrt

Sehr groß bleibt das Interesse an chinesischen und indischen Aktien, wie Salaorno meldet.
Der CSI 300, der an die 300 wichtigsten Aktien vom chinesischen Festland gekoppelt ist, hat am heutigen Dienstag erstmals seit 2008 die Marke von 5.000 Punkten übersprungen.

Indische Aktien verbuchten am heutigen Dienstag zwar ein Minus, mit Indiens Premierminister Narendra Modi, genau ein Jahr an der Macht, beflügeln Hoffnungen auf eine grundlegende Erneuerung im Land aber nach wie vor.
Gefragt waren Salaorno zufolge etwa der Lyxor China Enterprise (WKN A0F5BW), der db x-trackers Harvest CSI300 (WKN DBX0NK) und der Lyxor MSCI India (WKN LYX0BA). Der China-Tracker von Lyxor hat in den vergangenen sechs Monaten um 53 Prozent, in den vergangenen zwölf um 88 Prozent zugelegt, der Lyxor MSCI India – trotz Rücksetzer im April – auf Jahressicht immerhin noch 30 Prozent. Ebenfalls Zuflüsse meldet Salaorno bei japanischen Aktien, sowohl mit (WKN LYX0NY, A1H53P) als auch ohne Währungsabsicherung.

Gewinnmitnahmen bei Öl-Aktien

In Öl- und Gasaktien wird nach der Erholung infolge des wieder teureren Öls offenbar Kasse gemacht: Salaorno berichtet von Abgaben im Lyxor Stoxx Europe 600 Oil & Gas (WKN LYX0A9). Der hat einen großen Teil seiner heftigen Verluste seit Sommer 2014 mittlerweile wieder wettgemacht, seit dem Tief Mitte Januar hat der ETF um ein Viertel an Wert zugelegt. Gut ankommt derzeit daneben die Telekommunikationsbranche, Société Générale und Commerzbank ( Zum Testbericht) berichten von Zuflüssen in Branchen-Tracker, etwa den iShares Stoxx Europe 600 Telecommunications (WKN A0H08R). Bei der Commerzbank positionierten sich Anleger außerdem noch in Immobilien- und Banken-ETFs (WKN 628930).

Hin und her mit Anleihen-ETFs

Nach dem rasanten Kurseinbruch deutscher Anleihen Ende April und Anfang Mai ist zwar mittlerweile etwas Ruhe eingekehrt, dennoch ist der Zinsanstieg nicht zu übersehen: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt am Dienstagmittag bei 0,59 Prozent nach 0,05 Prozent Mitte April. Anleihen-ETFs werden unverändert rege gehandelt – etwa liegt der Deka Deutsche Börse Eurogov Germany 5-10 (WKN ETFL33) auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt auf dem ungewöhnlich hohen sechsten Platz. Die eindeutige Richtung fehlt aber. „Deutsche und europäische Staatsanleihen mittlerer Laufzeit werden ge- und verkauft“, meint Cronemeyer. Abgestoßen würden Pfandbrief-ETFs.

Bei der Société Générale tauschen Investoren europäische Staatsanleihen langer Laufzeiten in solche mit kurzen Laufzeiten, außerdem setzen sie auf US-Corporate Bonds und hochverzinsliche Unternehmensanleihen wie den iShares Euro High Yield Corporate Bond (WKN A1C3NE).

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 26. Mai 2015