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ETFs: Höhenangst

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Während die Börsen immer neue Rekorde markieren, sinkt die Kauffreude von ETF-Anlegern: Händler melden – neben Zuflüssen – auch Gewinnmitnahmen. Dabei dreht sich alles um Europa.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Musik spielt derzeit in Europa: Anleger kaufen und verkaufen Aktien vom alten Kontinent, je nach Einschätzung der Lage. US-amerikanische Dividendentitel oder solche aus Schwellenländern stehen im Schatten. „Europäische Indizes wie der MSCI Europe finden sich auf unseren Umsatzlisten ganz oben“, berichtet etwa Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Er meldet einen klaren Käuferüberhang mit 57 zu 43 Prozent.

Gregor Hamme von der Unicredit Group in London sieht hingegen überwiegend Abflüsse aus europäischen Aktien. „Anleger werden vorsichtiger, wir sind ja schon wieder nahe den Höchstständen.“ Den Eindruck hat auch Jörg Sengfelder von Flow Traders: „Angesichts der Niveaus wird jetzt analysiert, wie es weitergehen könnte.“

Manche machen lieber Kasse

Ein klare Richtung ist im Handel mit Aktien-ETFs derzeit nicht auszumachen: Die einen streichen Gewinne ein, die anderen positionieren sich. Mohr zufolge wurden Tracker von MSCI Europe (WKN A0M5X2), DAX (WKN 593393, ETF001), Euro Stoxx 50 (WKN 593395) und Stoxx Europe 600 (WKN 263530) gekauft. Gemischter falle das Bild in US-Aktien aus: „An den S&P 500 gekoppelte Indexfonds (WKN 264388) werden abgegeben, an den MSCI USA gebundene aber gekauft.“

Auch Sengfelder beobachtet Gewinnmitnahmen in Tracker des S&P 500, etwa im Amundi S&P 500 (WKN A1C0B5), daneben einen ausgeglichenen Handel in Tracker des Euro Stoxx 50 und überwiegend überwiegend Käufe in Tracker (WKN DBX1DA) des DAX. Hamme berichtet von Abgaben in ETFs mit Aktien des Euro Stoxx 50, des DAX und auch des DivDAX (WKN 263527).
Bei ICF Kursmakler dominierten ebenfalls Abflüsse, speziell aus DAX-ETFs (WKN ETFL01). „Auffallend ist die Nachfrage nach Mid- und Smallcaps„, ergänzt Sengfelder. Etwa landeten der iShares Stoxx Europe Mid 200 (WKN 593399) und der iShares Stoxx Europe Small 200 (WKN A0D8QZ) sowie MDAX– und TecDAX-ETFs (WKN 593392, 593397) in den Portfolios.

Emerging Markets: niedrige Umsätze

Der Ausverkauf von Emerging Markets-ETFs ist zwar definitiv vorbei, von einem Wiedereinstieg halten Anleger aber offenbar nichts. Mohr meldet Abgaben in marktbreiten Emerging Markets-ETFs (WKN A0HGZT), allerdings nicht im großen Stil. Laut Sengfelder tut sich in den breiten Indizes nicht viel, lediglich aus ETFs mit taiwanesischen (WKN A0HG2K) und koreanischen Aktien (WKN A0HG2L) seien größere Abflüsse zu beobachten.

Renten-ETFs: Lieber Europa

In Handel mit Renten-ETFs lenken Investoren ihre Aufmerksamkeit ebenfalls auf Europa, wie Sengfelder anmerkt: Etwa würden an europäische Unternehmens- (WKN A1C8QT, A0RM45) und Staatsanleihen (WKN DBX0AF) gekoppelte Produkte gekauft und solche abgestoßen, die Schwellenländeranleihen abbilden (WKN A0RFFT, A1JJTV). „Die ersten Januarwochen waren verrückt, jetzt ist es ruhiger“, erklärt Ciriaco Carrozino von der Unicredit Group. Immer noch Interesse hätten Anleger an Unternehmensanleihen, allerdings nicht mehr ganz so stark wie zuvor. Ansonsten werde oft nur von einem Emittenten zum nächsten gewechselt. „Was das soll, verstehe ich auch nicht.“ Mohr meldet einen klaren Verkaufsüberhang in Renten-ETFs, insbesondere bei europäischen und deutschen Staatsanleihen sowie Pfandbriefen.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 25. Februar 2014

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.