Start ETF-Marktbericht ETFs: Hoffen auf bessere Zeiten

ETFs: Hoffen auf bessere Zeiten

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Viele ETF-Investoren bleiben ihren Anlagen treu, auch wenn es derzeit nicht so gut läuft. Auto- und Biotech-Aktien sind aber eher unbeliebt.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). An den Aktienmärkten halten die Turbulenzen an, im ETF-Handel ist es hingegen eher ruhig. Zu einer Ausverkaufswelle ist es – trotz durchaus deutlicher Kursverluste bei Aktien – weiterhin nicht gekommen. „Wir sehen keine klare Tendenz“, erklärt Sven Titze von der ICF Bank. Auch Marco Salaorno von der Société Générale meldet einen „unaufgeregten“ und unter dem Strich richtungslosen Handel. „Nur an schwachen Tagen dominieren die Abgaben.“ Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) überwogen sogar noch leicht die Käufe, bei eher niedrigem Handelsaufkommen. „Obwohl die Umsätze vergangene Woche wieder etwas angezogen haben: Im Vergleich zu den extrem hohen Aktivitäten im August ist weniger los“, erklärt Andreas Bartels. Knapp 35.000 Transaktionen habe es in der Vorwoche gegeben, Ende August war mit knapp 60.000 Transaktionen noch ein neuer Rekord markiert worden.

Der DAX, der Anfang August noch bei über 11.600 Punkten stand, war vor gut zehn Tagen unter die 10.000 Zähler-Marke gerutscht und hat dann weiter verloren. Am Dienstagmittag notiert der Index bei 9.511 Punkten.

Hin und her in Aktien-ETFs

Weiterhin konzentriert sich alles auf Industrieländer: Bei der ICF Bank werden DAX- und MDAX-ETFs ge- und verkauft, ebenso der Deka DAX ausschüttend (WKN ETFL06) und der Deka DAXplus Maximum Dividend (WKN ETFL23). Der erste bezieht sich auf die Dividenden ausschüttende DAX-Variante, der zweite bildet dividendenstarke Titel ab. Bartels meldet Käufe in DAX- und Euro Stoxx 50-Trackern, aber auch in den entsprechenden Short-Produkten, etwa dem db x-trackers ShortDAX Daily (WKN DBX1DS) und dem Comstage ShortDAX (WKN ETF004).

Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage stehen auffallend viele Short-ETFs und ETFs mit Hebel weit oben. Beispiele sind neben den üblichen Short-ETFs (WKN DBX1DS) der db x-trackers ShortDAX x2 Daily (WLN DBX0BY) und der ETFS DAX Daily 2x Short GO von ETF Securities (WKN A0X9AA), ebenso wie der Lyxor LevDAX (WKN LYX0AD) und der ETFS DAX Daily 2x Long GO (WKN DBX0BZ).

Großen Anklang finden Bartels zufolge derzeit auch Minimum Volatility- und Minimum Variance-Produkte wie der iShares S&P 500 Minimum Volatility (WKN A1KB2E) und der Ossiam Europe Minimum Variance (WKN A1JH10). Beide bilden schwankungsärmere Aktien ab. Anders als noch in der Vorwoche spielen Schwellenländer derzeit keine große Rolle: Positionieren wollen sich Anleger offenbar nicht, größere Abgaben bleiben aber auch aus, wie die Händler beobachtet haben.

Weiter Verluste im Autosektor

Dafür gibt es weiter viele Nachrichten aus einzelnen Branchen: Großes Thema bleibt VW und die Autobranche, wie Bartels feststellt. „Bei uns gab es zwei Drittel Verkäufe und ein Drittel Käufe, so mancher positioniert sich also schon wieder.“ Bei der Société Générale gab es ebenfalls hohe Umsätze in Autoaktien mit einem klaren Abgabeüberhang, etwa im iShares Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts (WKN A0Q4R2). Der kommt auf Monatssicht mittlerweile auf ein Minus von 14,5 Prozent, auf Sicht von drei Monaten sogar auf 28,7 Prozent. Die hohen Gewinne aus dem Herbst 2014 und Frühjahr 2015 sind damit wieder dahin.

Kursrutsch bei Biotech

In den USA war es allerdings ein anderer Sektor, der für Aufregung sorgte: die Biotech-Branche. Auslöser waren Bemerkungen der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton aus der vergangenen Woche über mögliche Preiskontrollen für Arzneimittel. Biotech-Aktien verloren daraufhin deutlich an Wert. Der iShares Nasdaq Biotechnology-ETF (WKN 657791) hat zum Beispiel innerhalb von anderthalb Wochen fast 20 Prozent abgegeben, dem vorausgegangen war allerdings eine viele Jahre andauernde Aufwärtsbewegung. Der breiter aufgestellte und auf Europa konzentrierte iShares Stoxx Europe 600 Health Care (WKN A0Q4R3) wurde ebenfalls abgestoßen, wie Salaorno feststellt, jetzt werde der ETF zum Teil aber auch schon wieder gekauft.

Fusion in Brauereibranche

Zugegriffen wird bei der Société Générale bei Nahrungsmittel- und Getränke-Indexfonds, etwa beim iShares Stoxx Europe 600 Food & Beverage (WKN A0H08H) und dem entsprechenden Produkt von Lyxor (WKN LYX0AR). „Das könnte mit der angekündigten Mega-Übernahme in der Brauereibranche zusammenhängen“, meint Salaorno. Weltmarktführer Anheuser-Busch InBev will einem Zeitungsbericht zufolge rund 106 Milliarden US-Dollar für den Branchenzweiten SABMiller bieten. Wie üblich umsatzstark präsentieren sich Banken-ETFs, hier meldet die Commerzbank ( Zum Testbericht) für die vergangene Woche einen Verkaufsüberhang von 60 Prozent.

Anleihen: Suche nach Solidem

Was Anleihen-ETFs angeht, berichten die Händler von größerem Interesse an „sicheren Häfen“: Bei der Société Générale werden zum Beispiel die als solide geltenden europäischen und US-amerikanischen Staatanleihen gekauft. „Aber auch Geldmarktprodukte finden wieder mehr Anhänger“, ergänzt Salaorno. Bartels stellt großes Interesse an Bund Future Short-ETFs (WKN ETF562) fest, mit denen Anleger auf steigende Zinsen und einen fallenden Euro-Bund-Future setzen können. Auf den Verkaufslisten stehen bei der Commerzbank ETFs, die an Staatsanleihen aus Europas Peripherie gekoppelt sind, etwa an spanische oder italienische Papiere.

Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 29. September 2015

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.