Start ETF-Marktbericht ETFs: Im Wechselbad der Gefühle

ETFs: Im Wechselbad der Gefühle

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Getrieben vom aktuellen Marktumfeld scheinen ETF-Anleger hin- und hergerissen. Insbesondere Investments mit europäischen Aktien werden mal gekauft und mal verkauft. Bei Festverzinslichem überzeugen die Renditen von Corporate Bonds.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Analog zu den Aktienmärkten mangelt es im Handel mit Indexfonds auf Wochensicht an richtungsweisenden Signalen. Zwar können sich die ETF-Umsätze nach Angaben von Spezialisten trotz des Feiertags sehen lassen. Eine Tendenz sei allerdings kaum erkennbar. „Mit rund 27.000 bewegt sich die Anzahl der Trades auf dem Niveau der ebenfalls kurzen Pfingstwoche“, berichtet Frank Mohr. Im Wesentlichen konzentrierten sich die Kunden der Commerzbank ( Zum Testbericht) auf Tracker von Aktien-Indizes der Industrienationen. „Aktien-ETFs kommen auf einen Anteil von 79 Prozent.“ Über alle Anlageklassen hinweg überwögen mit 53 zu 47 Prozent leicht die Zuflüsse.

„Am gestrigen Montag war das Ordervolumen besonders hoch“, beschreibt Marco Salaorno den aktuellen ETF-Handel. Der Market Maker der Société Générale führt das rege Anlegerinteresse auf turnusmäßige Umschichtungen zurück. „Einige institutionelle Investoren kümmern sich monatlich um Anpassungen in ihren Portfolios.“ Zudem gebe es abhängig von den Verhandlungen mit Griechenland immer mal wieder kurzfristigen Handlungsbedarf.

„Im Wechsel werden mögliche Lösungen oder der Austritt Griechenlands an den Aktienmärkten gespielt“, beobachtet Gregor Hamme von der Unicredit, was das Bild im ETF-Handel präge. Euro Stoxx 50-Tracker würden mal gekauft (WKN 593395) und mal verkauft (WKN 935927). Ausgeglichen zu ginge es zudem bei Produkten, die von einem fallenden Euro Stoxx 50 (WKN DBX1SS) profitieren.

Europäische und japanische Aktien en vogue

Mit Ausnahme von US-Portfolios stehen bei den Kunden der Société Générale Unternehmen der Industrienationen im Mittelpunkt. ETFs, die an europäische, deutsche und japanische Indizes gekoppelt sind, führt Salaorno in den Umsatzstatistiken weit oben. „Anleger setzen dabei klar auf steigende Kurse.“

Auf den Einkaufslisten befänden sich breit aufgestellte Aktienkörbe wie der MSCI Europe (WKNs A0JDGC, A0MZWQ) ebenso wie DAX-Tracker (WKNs A0YEDX, LYX0BT). Bei Engagements im japanischen Aktienmarkt steige der Absicherungsbedarf von Währungsrisiken. Etwa gehöre ein Japan Topix Euro Hedged Daily-ETF (WKN A1J4TX) zu den meist gehandelten Produkten auf der Kaufseite.

Wechselkursschwankungen in den Griff bekommen

Auch US-Investoren pumpen laut Bloomberg derzeit mehr Gelder in ETFs, die vor Euro-Schwankungen schützen. In das US-amerikanische Produkt iShares Currency Hedged MSCI Germany ETF seien etwa im Mai per Saldo 135 Millionen US-Dollar zugeflossen. Gleichzeitig hätten Anleger aus der nicht abgesicherten Variante auf Monatssicht Mittel abgezogen. Durch das massive Eingreifen der Notenbanken in die Märkte erwarteten Anleger scheinbar auch künftig heftigere Devisenbewegungen als gewohnt.

In die Anlageentscheidungen hiesiger ETF-Anleger fließen Wechselkurse ebenfalls zunehmend mit ein. Zu den meist gehandelten Indexfonds bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) gehöre beispielsweise der hauseigene FED Fund Effective Rate ETF (WKN ETF101), der in Summe gekauft würde. „Fremdwährungsanleihen haben mit rund fünf Prozent des Handelsaufkommens aktuell einen höheren Stellenwert als sonst“, unterstreicht Mohr. Im Durchschnitt liege der Anteil zwischen ein und zwei Prozent.

Bei Bankaktien scheiden sich die Geister

ETFs mit Unternehmen aus der Grundstoffe-Industrie (WKN A0F5UK) führen laut Mohr bei der Commerzbank mit einem Anteil von 20 Prozent die Liste der meist gehandelten Branchen-Werte an. „Hier überwogen die Abgaben.“ Auf Platz zwei mit einem Anteil von elf Prozent folgten mit ebenfalls überwiegenden Abflüssen ETFs mit Bankenwerten. Zumeist in den Anlegerdepots landeten Aktienkörbe aus dem Gesundheitssektor (WKN 628933).
Derweil positionierten sich Hammes Kunden verstärkt in Banken-ETFs (WKNs A0F5UJ, LYX0AP). „Es gibt Stimmen, die Bankaktien als unterbewertet sehen.“

Unternehmensanleihen in allen Facetten gefragt

Ob mit geringem oder höherem Risiko behaftet, Unternehmensanleihen kommen bei Salaornos Kunden verstärkt zum Zug. Zu den beliebtesten Rentenwerten mit Restlaufzeiten zwischen einem Jahr und fünf Jahren gehöre der iShares Euro Corporate Bond ex Financials (WKN A0RPWP). „Käufe standen im Vordergrund.“

Auf eine Absicherung bei Zinsveränderungen setzten Anleger, die sich für den iShares Euro Corporate Bond Interest Rate Hedge (WKN A1J5ST) interessierten. Hochverzinsliche Unternehmensanleihen im Lyxor ETF iBoxx € Liquid High Yield 30 ex Financial (WKN LYX0LY) kämen ebenfalls gut an. Für das mehr an Rendite gäben sich Investoren mit einer Bonität der enthaltenen Unternehmen unterhalb des Investment Grade zufrieden.

von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 2. Juni 2015

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.