Start ETF-Marktbericht ETFs: In Europa spielt die Musik

ETFs: In Europa spielt die Musik

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Die Kaufbereitschaft hält an, neben Aktien der europäischen Industrienationen setzen Anleger verstärkt auf hochverzinsliche Anleihen-ETFs. Vom Finanzsektor verabschieden sie sich dagegen eher.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die nach wie vor optimistische Grundstimmung an den Börsen macht sich auch im ETF-Handel bemerkbar. „Die Umsätze sind hoch, wobei die Käufe eindeutig überwiegen“, meldet Jörg Sengfelder von Flow Traders.

Von feiertagsbedingt weniger Orders berichtet Frank Mohr. „Mit rund 13.000 Trades bewegt sich aber alles im grünen Bereich.“ Auch bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) dominierten mit einem Verhältnis von 56 zu 44 Prozent die Zuflüsse. Mit 81 Prozent entfalle der Löwenanteil auf das Geschäft mit Aktien-ETFs.

„Mich wundert, dass Anleger auf die Zuspitzung in der Irak-Krise bisher kaum reagieren und an ihren Aktienpositionen festhalten“, meint Marco Salaorno. Der DAX bewege sich seit zwei Wochen innerhalb einer Bandbreite von 100 Punkten. „Ins Bild passt, dass es im Rohstoffsektor abgesehen von steigendem Interessen am Energiesektor überraschend ruhig bleibt.“ Auch die Kunden der Société Générale fokussierten sich auf Aktieninvestments. Über alle ETF-Anlageklassen hinweg sei das Verhältnis zwischen Zu- und Abflüssen allerdings nahezu ausgeglichen.

Marktbreite Indizes bevorzugt

Händler sind sich einig: Die Hauptrolle spielen europäische Aktien, allen voran Tracker des marktbreiten MSCI Europe (WKNs A0RGCM, A0REJM, A0X97Q, ETFL28, A0M5X2), die überwiegend in den Anlegerdepots landeten. „Bei uns führen sie die Umsatzstatistik an“, bemerkt Mohr. Wie üblich, gelte daneben das Interesse dem DAX (WKNs 593393, ETF001) und dem Euro Stoxx 50 (WKNs 593395, ETFL05). „Ungewöhnlich ist, dass der Euro Stoxx 50 in unserer Umsatzliste auf den fünften Rang verdrängt wurde.“ Tracker großer Indizes wie den Stoxx Europe 600 (WKN 263530) führt Sengfelder auf der Verkaufsseite.

Von gleichermaßen Käufen wie Verkäufen spricht Salaorno mit Blick auf den S&P 500 (WKNs A1CYW7, A1C0B5) und MSCI World (WKNs A0X8ZX, A0RGCS). Ausgewogen gehandelt würden auch ETFs, die den MSCI Japan (WKN A0DPMW) abbilden.

Indische Aktien im Blick

„Investoren trennen sich in Summe von Schwellenländer-Aktien“, meldet Sengfelder. Tendenziell aus den Depots raus kämen etwa an den MSCI Emerging Marktes gekoppelte Indexfonds (WKNs DBX1EM, A0HGZT). Unternehmen aus Schwellenländerregionen, die vom MSCI EM Asia (WKN DBX1MA) abgedeckt werden, würden gekauft. „Auch indische Aktien (WKN LYX0BA) kommen gut an.“

Rendite gesucht

Bei Festverzinslichem setzen Anleger bevorzugt auf Werte mit potenziell höheren Erträgen, wie Sengfelder und Salaorno berichten. Gut an kämen etwa Unternehmensanleihen im Barclays Capital Euro Corporate Bond Index (WKN A0RM45) und im Markit iBoxx Euro Liquid High Yield Index (WKN A1C8QT). „Wir sehen auch Zuflüsse in Schwellenländer-Anleihen“, registriert Sengfelder. Dazu gehöre etwa der SPDR Barclays Capital Emerging Markets Local Bond-ETF (WKN A1JJTV). Staatsanleihen von Mitgliedern der Währungsunion mit mittlerer Laufzeit zwischen fünf und sieben Jahren beispielsweise im db x trackers II iboxx Sovereigns Eurozone 5-7 (WKN DBX0AF) und kurzer Laufzeit von ein bis drei Jahren (WKN A0J21A) würden abgestoßen. Anleger trennten sich auch zumeist von hiesigen Staatsanleihen im Deka Deutsche Boerse Eurogov Germany (WKN ETFL17).

Energiebranche beliebt

Von den Branchen-ETFs macht Salaorno eine gute Nachfrage nach Aktien aus dem Energiesektor aus, die etwa vom MSCI World Energy Index (WKN LYX0GK) und vom Stoxx Europe 600 Oil & Gas Index (WKN LYX0A9) abgedeckt werden. Diesen Trend bestätigt Mohr: „ETFs mit Energieaktien sind stark gesucht und machen rund 30 Prozent unserer Umsätze mit Branchen-ETFs aus.“ Verkäufe bestimmten das Bild bei Banken-ETFs und generell im Finanzsektor.

von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 17. Juni 2014

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.