Start ETF-Marktbericht ETFs: Interesse an Schwellenländern ausgebremst

ETFs: Interesse an Schwellenländern ausgebremst

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Anleger, die auf eine Kehrtwende der Schwellenländeraktien gesetzt haben, wurden erst einmal enttäuscht. Eine Welle schlechter Nachrichten belastet den Markt.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Zwar klettern die Notierungen an Europas Aktienbörsen weiter nach oben, bei ETFs werden aber beide Seiten gespielt. „Das Bild ist im besten Fall gemischt“, kommentiert Marco Salaorno von der Société Générale. Auch Stefano Valenti von der Unicredit Group berichtet von einem Handel im beide Richtungen. Im Mittelpunkt stünden weiter grosse Indizes aus Industrieländern, allerdings blieben auch Schwellenländeraktien auf dem Radar.

Der DAX hat seinen Aufwärtskurs fortgesetzt und seit Ende September mittlerweile um fast 2.000 Punkte zugelegt, getrieben durch die Hoffnung auf weitere geldpolitische Maßnahmen der EZB am kommenden Donnerstag. Am Dienstagmittag notiert der Index bei 11.382 Punkten.

Investoren sind sich nicht einig

Mal wird zugekauft, mal werden Gewinne mitgenommen – ein klarer Trend fehlt bei Aktien aus Industrieländern. Salaorno berichtet von Käufen und Verkäufen in ETFs, die deutsche oder auch andere europäische Aktien abbilden: In Euro Stoxx-Trackern (WKN 798328) überwögen tendenziell Abgaben, in MSCI Europe-ETFs (WKN A0MZWQ) Zuflüsse. Valenti meldet hohe Umsätze in beide Richtungen in DAX- und Euro Stoxx 50-ETFs (WKN A0YEDJ). MSCI World-Indexfonds (WKN A0HJV0) seien Anfang vergangener Woche verkauft, dann aber gekauft worden.

Bei der BNP Paribas griffen Anleger vor allem bei US-Aktien zu. „Da hatten wir mit Abstand die grössten Zuflüsse, gefolgt von globalen Aktien und europäischen“, erklärt Gregory Guerrand. Von japanischen Aktien hätten sich Investoren unterdessen verabschiedet.

Erneuter Rücksetzer für Emerging Markets

Viel um geht weiter in Schwellenländer-ETFs. Guerrand zufolge überwogen die Abgaben, was einzelne Länder angeht, war bei der BNP Paribas besonders China betroffen. Breit aufgestellte Indexfonds würden eher abgestossen, meint auch Salaorno. Dazu bei trügen anhaltende negative Nachrichten: „Der Abschuss des russischen Kampfjets durch die Türkei und die daraufhin verhängten Sanktionen belasten die Kurse russischer und türkischer Aktien.“ In Brasilien sei zudem der Chef der Bank BTG Pactual aufgrund von Korruptionsvorwürfen verhaftet worden.

„Dazu kommt die Umweltkatastrophe in Brasilien“, ergänzt Valenti. Durch einen Dammbruch in einer Eisenerzmine Anfang November sind dort Millionen Tonnen Giftschlamm über einen Fluss bis in den 800 Kilometer entfernten Ozean gelangt. Nun will die Regierung das Bergwerksunternehmen, das zu gleichen Teilen dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale und dem australischen Unternehmen BHP Billiton gehört, verklagen.

Brasiliens Börse angeschlagen

Brasilianische Aktien erlitten Verluste, so hat der Lyxor Brazil (WKN LYX0BE) im Vergleich zum vergangenen Montag über 10 Prozent an Wert verloren. Valenti meldet allerdings Zu- und Abflüsse in den entsprechenden ETFs. „Die höhere Volatilität wird für Spekulationen genutzt.“ Auch bei anderen Schwellenländertiteln beobachtet er Käufe und Verkäufe. „Es gibt schon Investoren, die wieder Interesse haben.“ Diese legten sich zum Beispiel den iShares Emerging Markets oder die Pendants von Lyxor oder der Deutschen Bank ins Portfolio. Überwiegend Käufe meldet der Market Maker für den iShares MSCI AC Far East ex-Japan (WKN A0HGZS).

Auch aus China kamen schlechte Nachrichten. „Chinas Behörden haben Untersuchungen gegen zwei Maklerfirmen eingeleitet“, berichtet Salaorno. Das habe zu Rücksetzern an den Börsen geführt. Die nachfolgende Erholung habe sich nicht in ETF-Käufen niedergeschlagen.

Branchen: grosse Themen fehlen

Im Geschäft mit Branchen-ETFs stehen Salaorno zufolge Banken- (WKN LYX0AP) sowie Rohstoff- und Energie-ETFs auf den Abgabelisten, große Zuflüsse hat der Händler unterdessen im Lyxor World Water (WKN LYC0CA) festgestellt. Verkauft worden seien auch US-amerikanische Technologietitel, etwa mit dem iShares Nasdaq (WKN A0F5UF).

Bei Titeln aus der Tech-Branche griffen Investoren bei der BNP Paribas unterdessen zu, wie Guerrand feststellt, ebenso bei Aktien aus der Finanz-, der Energie- und der Gesundheitsbranche. Abgestossen würden hingegen Immobilien-Indexfonds. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage dominieren unter den Branchen-Indexfonds, wie üblich, Banken-ETFs, allen voran der iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930), gefolgt vom Source Euro Stoxx Optimised Banks (WKN A1JFG7).

Lethargie im Anleihehandel

Eher ruhig zu geht es im Handel mit Renten-ETFs. „Wir sehen vor allem die üblichen Portfolioumschichtungen“, bemerkt Valentis Kollege Ciriaco Carrozino. Die BNP Paribas berichtet von Zuflüssen in US-Anleihen sowie Bonds aus Emerging Markets und Abflüssen aus europäischen Papieren. „Das hängt wohl mit der erwarteten geldpolitischen Lockerung der EZB zusammen“, meint Guerrand. Tendenziell werde derzeit zudem eher auf Unternehmens- als auf Staatsanleihen gesetzt. Bei der SocGen wurden europäische Staatsanleihen (WKN A0DM6N) gekauft, Schwellenländer-Bonds (WKN A1JB4Q) verkauft.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 1. Dezember 2015

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