Start ETF-Marktbericht ETFs: Kaufwelle ebbt ab

ETFs: Kaufwelle ebbt ab

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Die Preisrekorde am Aktienmarkt der vergangenen Woche verschafften europäischen Aktien-ETFs zunächst einen erneuten Run. Seit Freitag schwindet die Euphorie jedoch wieder.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Gerade bejubelten Börsianer noch die geknackte 9.000er Marke, da notiert der DAX auch teilewiese deutlich über 100 Punkte darüber. „Die überraschende Zinssenkung der EZB am vergangenen Donnerstag hat den Aktienmarkt erneut beflügelt und damit auch die Umsätze im ETF-Geschäft. Mit 13.500 Trades wurde noch mehr gehandelt als in der schon starken Vorwoche“, meldet Sascha Cronemeyer von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Allerdings habe sich der Kaufüberhang mit 53 zu 47 Prozent im Vergleich zur Vorwoche deutlich abgeschwächt. Und auch Sascha Flach, Händler der ICF Kursmakler AG, spricht von einem deutlichen Umsatzrückgang seit Ende vergangener Woche. „Die EZB-Entscheidung hatte dem Handel noch einmal ordentlich Auftrieb gegeben und die Kauflaune befeuert. Seit Freitag hat der Umsatz dann aber wieder deutlich nachgelassen. Es wird zwar weiterhin überwiegend gekauft, aber auf viel niedrigerem Niveau“, erklärt der Händler.

Die Unicredit bestätigt den Trend nachlassenden Kaufinteresses: „Wir verzeichnen aktuell zwar weiterhin überwiegend Käufe, allerdings bei weit geringeren Umsätzen als vergangene Woche“, meldet Gregor Hamme aus dem Londoner Handelssaal der italienischen Bank.

Gewinnmitnahmen in Südeuropa

Aber nicht nur die Handelsrichtung, auch der regionale Schwerpunkt hat sich im Vergleich zur Vorwoche geändert. „Lautete die Devise vor einigen Tagen noch ‚raus aus den USA und rein in die Peripherieländer Europas‘, so hat sich dieser Trend nun umgekehrt. Unter anderem Tracker italienischer Aktien haben zuletzt deutliche Gewinnmitnahmen gesehen“, weiß Cronemeyer und verweist beispielhaft auf starke Abflüsse aus dem iShares FTSI MIB UCITS ETF (WKN A0YEDP). Gekauft werde aktuell hingegen etwa der MSCI World (WKN A0HGZR) oder der MSCI USA (WKN A0JMFG). Hamme beobachtet zudem Zuflüsse in ETFs mit Aktien nordeuropäischer Länder. „Der MSCI NORDIC (WKN A0REJU), der ja sonst eher selten auf den oberen Rängen der Handelsstatistik erscheint, ist in dieser Woche bei einigen Investoren ins Depot gewandert. Allerdings sind die Umsätze zwar erhöht, aber im Vergleich zu den großen europäischen Aktien-ETFs trotzdem eher gering“, erklärt der Market Maker.

Bei Trackern des Euro Stoxx 50 (WKNs 593395, 935927) und des DAX (WKNs 593393, ETFL01, DBX1DA) verzeichnen die Händler durch die Bank Zuflüsse, allerdings bei rückläufigen Umsätzen.

EZB-Zinssenkung mischt Renten-Indexfonds auf

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Leitzins für den Euroraum auf rekordtiefe 0,25 Prozent zu senken, hat, wie Cronemeyer berichtet, für einen Abverkauf von Geldmarkt-ETFs gesorgt. Ganz oben auf den Abgabelisten im Rentensegment stehe unter anderem der ComStage ETF Commerzbank ( Zum Testbericht) EONIA Index TR UCITS ETF (WKN ETF100) sowie der Deka Deutsche Börse EUROGOV® Germany Money Market UCITS ETF (WKN ETFL22). Im Zuge der Leitzinssenkung am vergangenen Donnerstag waren die Zinssätze Geldmarkt – dem Markt für kurzfristige Forderungen und Verbindlichkeiten an dem Zentralbankgeld und Geldmarktpapiere gehandelt werden – zeitweise deutlich unter Druck geraten.

Berichtssaison setzt Impulse für Branchenfonds

Im Handel mit Branchenfonds ist das Bild weiterhin gemischt: Bei der Finanzbranche, die vergangene Woche noch gefragt war, steigen Anleger laut Unicredit inzwischen wieder aus, etwa Anteilsverkäufen vom SPDR MSCI Europe Financials (WKN 550881). „Da spielt sicherlich auch die laufende Berichtssaison eine Rolle, es haben ja nicht alle Bankbilanzen überzeugt“, kommentiert Hamme. Defensive Branchen wie der Gesundheitssektor oder die Versorgerbranche würden hingegen eher gekauft. Die Commerzbank beobachtet hingegen starke Zuflüsse in der Medienbranche, Technologie-Indexfonds würden mit einem Käufer-Verkäufer-Verhältnis von 10 zu 90 Prozent indes stark zurückgegeben.

von Karoline Kopp, Deutsche Börse AG
© 12. November 2013

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.