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Die Welle schlechter Nachrichten reißt nicht ab. ETF-Anleger behalten dennoch einen kühlen Kopf und verkaufen allenfalls selektiv.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Gaza-Krieg, MH17-Abschuss, Sanktionen gegen Russland – die Nachrichtenlage bleibt schwierig. Das lastet auch auf den Aktienmärkten, zudem schoss die Volatilität wieder in die Höhe. Eine Verkaufswelle ist im ETF-Handel aber ausgeblieben, Anleger reagieren vielmehr besonnen: Zum Teil wurden europäische Aktien verkauft und lieber auf US- oder MSCI-World-Tracker gesetzt, zum Teil aber auch zu den niedrigeren Kursen hierzulande wieder zugegriffen. Der DAX hatte, nachdem er Anfang Juli abermals über 10.000 Punkte geklettert war, bis zum gestrigen Montag rund 400 Punkte verloren. Am heutigen Dienstag sieht es wieder nach Erholung aus, der Index notiert am Mittag bei 9.700 Punkten. Das Handelsaufkommen bleibt hoch. „Wegen der Volatilität machen die Leute wieder mehr“, erklärt Jörg Sengfelder von Flow Traders. Auch Sascha Cronemeyer von der Commerzbank ( Zum Testbericht) kann kein Sommerloch erkennen. „Die Umsätze sind weiter hoch.“ Mit 61 Prozent hätten die Käufe in der vergangenen Woche auch eindeutig überwogen.

Bloß keine russischen Aktien

Keine Frage: Von osteuropäischen Aktien wollen Anleger nichts mehr wissen, sie werden massiv verkauft. Betroffen sind laut Marco Salaorno von der Société Générale etwa der iShares MSCI Eastern Europe Capped (WKN A0HGZV) und der Lyxor Russia (WKN LYX0AF). Sengfelder nennt noch den db x-trackers MSCI Russia Capped (WKN DBX1RC). Der Lyxor Russia hat in den vergangenen zwei Wochen gut acht Prozent an Wert verloren, im April lagen die Kurse allerdings noch viel niedriger.

Die ganz großen Umsätze werden weiter mit europäischen und US-amerikanischen Aktien gemacht. Salaorno berichtet zwar von Abflüssen aus Industrieländer-Indexfonds, „von Panik kann aber keine Rede sein, es sind die üblichen Gewinnmitnahmen.“ Zudem sei so manches Stopp-loss-Limit gerissen worden. „Einige haben die niedrigeren Kurse auch für einen Einstieg genutzt.“ Das bestätigt auch Cronemeyer, zumindest für DAX-ETFs. „Hier sehen wir mehr Positionierungen.“ In Euro Stoxx-Indexfonds dominierten hingegen die Abflüsse.

USA mit Entfernungsbonus

„Es gibt einen klaren Trend hin zu Welt- und US-Indizes und weg von europäischen ETFs“, meldet Sengfelder. Auf den Einkaufslisten stünden etwa S&P 500- (WKN A0YEDG, A1JM6F) und MSCI World-Tracker (WKN A0HGZR), auf den Verkaufslisten Stoxx Europe 600- (WKN 263530), Euro Stoxx 50- (WKN ETFL02), europäische Dividendenstrategie- (WKN A1JT1B) und DAX-ETFs (WKN DBX1DA). Auch bei Schwellenländer-Indexfonds wird zugegriffen, laut Flow Traders etwa beim breit aufgestellten db x-trackers MSCI Emerging Markets (WKN DBX1EM). Die Commerzbank ( Zum Testbericht) hat ebenfalls Zuflüsse beobachtet, die Société Générale meldet ein ausgeglichenes Bild.

Mehr Beachtung für Rohstoff- und Minen-ETFs

Überdurchschnittlich hohes Interesse haben alle Händler an Rohstoff- oder Minen-ETFs festgestellt. Die Commerzbank berichtet zum Beispiel von umfangreichen Käufen im ComStage Commodity ex-Agriculture-ETF (WKN ETF090), der die Wertentwicklung von zwölf Rohstoffen mittels Terminkontrakten nachzeichnet. Flow Traders sieht Goldminen-ETFs im Fokus der Investoren. Auch Salaorno meldet steigende Käufe von Gold- und auch Öl-ETFs und -ETCs. Der Preis für Gold, das vielen als Krisenwährung gilt, war zuletzt wieder etwas gestiegen, liegt mit 1.306 US-Dollar aber immer noch rund ein Drittel unter dem historischen Hoch vom September 2011 bei 1.921 US-Dollar je Feinunze. Bei der Société Générale setzen Anleger außerdem noch auf Grundstoff- und Bankaktien und verkaufen Industriegüter- und Einzelhandelstitel, bei der Commerzbank ebenfalls auf Grundstoff-Indexfonds, abgegeben würden Energie- und Versorger-ETFs.

Anleihen: Sicheres und Unsicheres

Etwas ruhiger zu geht es im Handel mit Renten-ETFs. „Hier macht sich die Sommerpause schon eher bemerkbar“, meint Sengfelder. Die Commerzbank hat hier, anders als bei Aktien, durchaus noch eine Suche nach dem sicheren Hafen registriert. „Bundesanleihen aller Laufzeiten gehen gut weg.“ Dagegen würden britische und europäische Staatsanleihen abgestoßen. Gekauft werden laut Flow Traders neben deutschen Staatsanleihen (WKN 628946) auch Anleihen aus Europas Peripherie, speziell Italien (WKN DBX0K3), sowie Schwellenländerpapiere in Lokalwährungen (WKN A1JB4Q). „Verkauft werden Emerging Market-Bonds in Hartwährung (WKN A0RFFT).“

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 22. Juli 2014

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.