Start ETF-Marktbericht ETFs: Keine Angststarre

ETFs: Keine Angststarre

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Das Drama um Griechenland lässt ETF-Anleger kalt – zumindest bislang. Sie kaufen weiter vor allem europäische Aktien, US-Tracker fliegen aus den Portfolios.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Geplatzte Verhandlungen mit Griechenland, brüchige Waffenruhe in der Ostukraine. Die Probleme nehmen nicht ab, dennoch lassen sich ETF-Anleger die Laune nicht verderben. „Bei uns überwogen die Käufe, und zwar in allen Asset-Klassen“, berichtet Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Auch nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Griechenland am gestrigen Montag könne von einer Verkaufswelle nicht die Rede sein. „Auf Griechenland wird kaum noch reagiert“, meint auch Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. „Von Panik ist keine Spur.“

Der DAX ist am heutigen Dienstag mit kräftigen Verlusten in den Tag gestartet, hat sich mittlerweile aber wieder berappelt und notiert am Mittag bei 10.900 Punkten. Am Freitag war der Index erstmals in seiner Geschichte über 11.000 Zähler geklettert. Der bankenlastige Euro Stoxx 50 kann zwar immer noch nicht an die Zeiten vor der Finanzkrise anknüpfen, kletterte vergangene Woche aber immerhin auf den höchsten Stand seit Sommer 2008.

Die Karnevalstage in Deutschland, der Feiertag am gestrigen Montag in den USA und das anstehende chinesische Neujahrsfest machen sich auch in den Handelsumsätzen bemerkbar. „Es ist immer noch viel los, aber im Vergleich mit den Vorwochen ist es etwas ruhiger“, erklärt Bartels. Die Deutsche Bank berichtet ebenfalls von guten Umsätzen, wenn auch leicht rückläufigen. Gregor Hamme von der Unicredit Group in London spricht sogar von einer sehr aktivitätsarmen Woche.

Magnet Europa

Wie bereits in der Vorwoche können vor allem europäische Aktien bei den Anlegern punkten. „Es geht weiter alles in Richtung Europa“, bemerkt Kleefeld. Bei der Deutschen Bank werden etwa der iShares Euro Stoxx 50 (WKN 593395), der db x-trackers Euro Stoxx 50 (WKN DBX1ET) oder der db x-trackers MSCI Europe (WKN DBX1ME) gekauft. „Deutschland und der DAX sind bei uns weniger Thema“, ergänzt der Händler. Die Commerzbank ( Zum Testbericht) hat hingegen hohe Zuflüsse in DAX-Trackern (WKN ETF001) beobachtet, daneben aber auch in MSCI World-ETFs wie den iShares MSCI World (WKN A0HGV0) und die Pendants von der UBS (WKN A0NCFR) und der Commerzbank (WKN ETF110). Dazu seien Ende der Woche, nach den Waffenstillstandsverhandlungen von Minsk, Käufe von Euro Stoxx 50- und Stoxx Europe 600-Indexfonds (WKN 263530) gekommen.

„Die Anleger auf dem Parkett investieren hauptsächlich in deutsche und europäische Standardindizes wie den DAX (WKN ETFL01, ETFL06) oder den Euro Stoxx 50 (WKN ETFL02)“, erklärt auch Marcel Sattler von der ICF Bank. MDAX-Indexfonds (WKN ETFL44) gingen ebenfalls gut weg. „Gehebelte Produkte sind trotz der relativ hohen Volatilität in den letzten Wochen zumindest im ETF-Sektor nicht gefragt.“

Goodbye USA

Abgestoßen werden US-Tracker. „Bei uns werden S&P 500 und MSCI USA-ETFs verkauft“, meldet zum Beispiel Bartels. Der S&P 500 ist nach den Rückschlägen im Januar zwar in diesem Monat stark gestiegen, kann mit den Kursgewinnen im DAX und Euro Stoxx 50 in diesem Jahr aber längst nicht mithalten. Bei der Deutschen Bank trennen sich Investoren außerdem von japanischen Aktien sowie Titeln aus einzelnen Schwellenländern wie Vietnam (WKN DBX1AG) und vor allem China. Der db x-trackers CSI300 (WKN DBX0M2), der Aktien vom chinesischen Festland abbildet, war zwischen Oktober und Januar deutlich gestiegen, tritt seitdem aber auf der Stelle. Mutige positionieren sich darüber hinaus in russischen Aktien, wie Bartels feststellt. Als Beispiele nennt er den Lyxor Russia (WKN LYX0AF) und den iShares MSCI Eastern Europe Capped (WKN A0HGZV). Stefano Valenti von der Unicredit Group sieht ebenfalls höhere Umsätze in russischen Aktien, allerdings würden beide Richtungen gespielt.

Trendwende in Öl- und Gasbranche?

Im Handel mit Branchen-ETFs gilt die Aufmerksamkeit einmal mehr den Banken. Kleefeld beobachtet Zuflüsse in den iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930). Der Commerzbank zufolge stehen Banken-Indexfonds wie der Source Euro Stoxx Optimised Banks (WKN A1JFG7) aber auf den Abgabelisten. Rege gehandelt würden darüber hinaus noch Grundstoff-ETFs, hier überwögen die Verkäufe leicht, sowie Energie- und Öl- und Gas-ETFs. „Mit dem wieder steigenden Ölpreis wird auf die Branche gesetzt“, bemerkt Bartels und berichtet von regen Zuflüssen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent wird heute wieder zu über 61 US-Dollar gehandelt, im Januar war der Preis im Tief bis auf 46 US-Dollar gefallen und hatte sich gegenüber dem Stand vom Sommer des vergangenen Jahres damit mehr als halbiert.

Anleihen: Schwerpunkt Europa

Auch im Anleihebereich ist der Deutschen Bank zufolge Europa gesucht, sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen kämen gut an. Bei der Commerzbank interessieren sich Anleger vor allem für lange Laufzeiten. „Im fünf- bis zehnjährigen Bereich sind speziell Bundesanleihen gesucht, bei Laufzeiten von 15 oder 25 Jahren europäische Papiere (WKN ETF508, ETF509)“, meint Bartels. Trennen würden sich Anleger hingegen von Bundesanleihen und europäischen Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten.

Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 17. Februar 2015