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ETFs: Keine Panik

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(Börse Frankfurt). Zwar hat sich die Stimmung an den Aktienmärkten durch die Griechenland-Krise und schwache US-Konjunkturzahlen deutlich eingetrübt, im ETF-Handel schlägt sich das aber noch nicht eins zu eins nieder. „Wir haben keine größeren Abgaben gesehen“, berichtet Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Ihm zufolge standen 60 Prozent Käufen 40 Prozent Verkäufe gegenüber, dabei hätten sowohl auf der Aktien- als auch auf der Renten-Seite die Zuflüsse überwogen. „Offenbar sehen viele Anleger das niedrige Niveau als Einstiegschance. Die Liquidität ist ja da.“ Die Umsätze seien dabei durchaus „ordentlich“ gewesen.

Mark Schönbrodt von der DekaBank hat ebenfalls eine klare Käufermehrheit ausgemacht – bei anziehenden Volumina. „Der Handel hat sich wieder belebt“, meint auch Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. „Panik gibt es aber nicht.“ Erst gestern sei das Bild etwas gedreht. „Die Investoren haben Gas herausgenommen. Sie wollen offenbar jetzt erst einmal von der Seitenlinie aus zuschauen, wie es weitergeht.“

Bluechips bleiben beliebt

Lieblingsländer haben die Anleger im Moment eher nicht, vielmehr finden alle Industrieländer-Indizes Zuspruch, wie die Händler melden. Einige haben eine leichte Vorliebe für die Europäischen gegenüber den US-Amerikanischen ausgemacht. Laut Commerzbank ( Zum Testbericht) positionieren sich Investoren bei ETFs zu DAX, Euro Stoxx 50, S&P 500 und MSCI USA. „Die Unsicherheit ist zwar da, auch das technische Bild ist angekratzt, Anleger halten das Verlustpotenzial aber offenbar für begrenzt“, glaubt Frank Mohr. „Tracker der großen Indizes wurden gekauft, zumindest in der vergangenen Woche“, erklärt die Deutsche Bank.

Auf den Umsatzlisten der DekaBank für die vergangene Woche steht der iShares Euro Stoxx 50 (WKN 593395) bei den Käufen ganz oben, der MSCI USA-ETF (DBX1MU) bei den Verkäufen. Laut Flow Traders dominierten bei den DAX-Trackern die Käufe, beim db x-trackers MSCI USA (WKN DBX1MU) und beim Midcap-Indexfonds ETFX Russell 2000 (WKN A0Q8NE) allerdings die Abgaben.

Renten als sichere Anlage gefragt

Renten-ETFs stehen unterdessen hoch im Kurs, nach Ansicht einiger Händler sogar mehr als sonst üblich – die Krise lässt grüßen. „Die Nachfrage ist überdurchschnittlich“, bemerkt Frank Mohr, hier wirke sich die Unsicherheit also durchaus aus. Gesucht wurden ihm zufolge Festverzinsliche mittlerer und langer Laufzeit wie der ComStage iBoxx Euro Liquid Sovereigns Diversified 3-5 (WKN ETF503) und ComStage iBoxx Euro Sovereigns Germany Capped 5-10 (WKN ETF522). „Da hatten wir deutliche Investments.“ Auf den Xetra-Umsatzlisten der vergangenen fünf Handelstage steht dann auch ein ETF mit deutschen Langläufern (WKN 628949) auf Platz vier und damit ungewöhnlich weit oben. Andere Händler melden vor allem Interesse an ETFs mit Kurzläufern (WKN A0HGFC, ETFL18). Getrennt haben sich Investoren laut Flow Traders von Indexfonds mit Unternehmensanleihen wie dem iShares Euro Corporate Bond (WKN 251124). Mark Schönbrodt hat darüber hinaus noch Käufe beim ETFlab iBoxx Liquid Non-Financials Diversified (WKN ETFL38) und Verkäufe beim iShares Euro Corporate Bond (WKN 251124) festgestellt. „Die Anleger wollen wahrscheinlich keine Financials dabei haben“, vermutet Schönbrodt.

Banken-ETFs will niemand haben

Auch bei den Sektoren-Indexfonds wollen die Anleger von Banken im Moment nichts wissen – die Forderungen an Griechenland in den Portfolios der Finanzinstitute bereiten ihnen offenbar zu viele Sorgen. „Bei Banken-ETFs haben wird nur Abgaben gesehen, über alle Emittenten hinweg“, betont Kleefeld (WKN DBX1SF, LYX0AP).

Lieber Mörtel als Cash, das denken darüber hinaus viele Investoren angesichts der zahlreichen Probleme dies- und jenseits des Atlantiks: So hat der Deutschen Bank zufolge der db x-trackers FTSE EPRA/NAREIT Developed Europe Real Estate (WKN DBX0F1), ein Immobilienfonds, weiter viele Anhänger gefunden, was auch die DekaBank bestätigt. Dass die Branche im Moment gut ankommt, zeigt laut Schönbrodt auch das Interesse an anderen Immobilienfonds.

Daneben hätten Investoren an der Lebensmittel- und Getränkebranche sowie der Grundstoffindustrie Gefallen gefunden, während ETFs mit Unternehmen des Einzelhandels sowie des Öl- und Gassektor tendenziell verkauft worden seien. Laut Roelofs positionierten sich Anleger bei ETFs mit Aktien der Lebensmittel- und Getränkebranche (WKN LYX0AR) sowie aus dem Gesundheitsbereich (WKN DBX1SH). Breite Rohstofffonds (WKN A0H072, A0JC8F) hätten hingegen auf den Verkaufslisten gestanden.

Russische Aktien auf Verkaufslisten

Der Handel mit Schwellenländer-Produkten dümpelt weiter vor sich hin. Das große Thema fehlt. Investoren zeigen sich den Händlern zufolge mal positiv, mal negativ gestimmt. Etwa wurde Roelofs zufolge auf Indexfonds mit asiatischen, osteuropäischen und BRIC-Aktien (WKN LYX0AB, A0HGZV, A0MSAE) gesetzt, während ETFs, die nur den russischen Markt abbilden (WKN LYX0AF), abgestoßen worden seien. Die DekaBank hat einen kleinen Verkaufsüberhang bei Schwellenländer-ETFs ausgemacht, speziell Indexfonds mit taiwanesischen und russischen Dividendentiteln seien abgegeben worden.

7. Juni 2011/ Anna-Maria Borse

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.