etf marktbericht

Viele Anleger sehen nun offenbar das Ende der Schwächephase gekommen, sie decken sich wieder mit Aktien-ETFs ein. Bei Schwellenländerpapieren herrscht aber noch mehr Vorsicht.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach zwei von Abgaben geprägten Wochen ist die Zuversicht gestiegen, Aktien-Indexfonds finden wieder Zuspruch. „Sowohl in Industrieländer- als auch in Schwellenländer-ETFs sehen wir Zuflüsse“, erklärt Marco Salaorno von der Société Générale. Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) meldet einen klaren Käuferüberhang: „Bei uns stehen 57 Prozent Käufen nur 43 Prozent Verkäufe gegenüber. Interesse an Emerging Markets beobachten wir aber nicht.“ Dass die Unsicherheit längst nicht mehr so hoch ist, zeigt auch der Volatilitätsindex VDAX-New der Deutschen Börse: Der war zwischenzeitlich auf knapp 22 Punkte geklettert, liegt jetzt aber wieder bei 16,5 Punkten. Dennoch haben die Market Maker weiterhin alle Hände voll zu tun. „Der Januar war schon sehr gut, der Februar ist bislang kein bisschen schlechter“, bemerkt Bartels. „Wir hatten erfreulich gute Umsätze“, meint auch Marcel Sattler von ICF Kursmakler.

Der DAX hat nach dem Ende Januar einsetzenden Kurseinbruch mittlerweile einiges an Boden gutmachen können und notiert am Dienstagmittag bei 9.414 Punkten, vor einer Woche war der Index bis auf 9.071 Zähler gefallen.

Optimismus kehrt zurück

Die Devise der Vorwoche „Wir verkaufen alles“ gilt definitiv nicht mehr. Gesucht sind den Händlern zufolge DAX-, Euro Stoxx- und MSCI World-Tracker (WKNs 593395, 593393, 935927, ETFL01, DBX1DA, 263530). Doch es gibt auch Zweifler: Aysun Cifci von der DekaBank meldet für DAX-Indexfonds (WKN 593393) ein uneinheitliches Bild, für Euro Stoxx 50-Indexfonds sogar überwiegend Abflüsse. Sattler zufolge halten sich in DAX- und Euro Stoxx 50-ETFs Zu- und Abflüsse die Waage (WKNs ETFL01, ETFL02, ETFL06). Daneben seien auch spekulativ eingestellte Händler aktiv: „Bei zweifach gehebelten DAX-ETFs (WKN A0X9AA) haben wir auf der Käuferseite ein erhöhtes Orderaufkommen“, erklärt Sattler.

Nicht nur Bluechips aus Europas Kernländern ziehen wieder, Salaorno zufolge steigen Investoren auch in der europäischen Peripherie wieder ein: „Gekauft werden griechische, spanische und italienische Aktien“, berichtet der Händler und nennt den Lyxor FTSE Athex 20 (WKN LYX0BF) als Beispiel. Der hat seinen Rücksetzer aus den vergangenen Wochen fast komplett wieder wettmachen können: Auf Monatssicht sitzen Anleger zwar noch auf leichten Verlusten, auf Sicht von drei beziehungsweise sechs Monaten aber immerhin auf Gewinnen von 7,6 und 25 Prozent. Beim Amundi MSCI Spain (WKN A0REJT), der an den spanischen Aktienmarkt gekoppelt ist, ist das Bild ähnlich: Der ETF verzeichnet für die vergangenen sechs Monate ein Plus von knapp 17 Prozent, auf Jahressicht sind es sogar 27 Prozent.

Japan: jetzt ohne Währungsabsicherung

Auf den Verkaufslisten stehen laut Salaorno US-Aktien, etwa in Form des iShares S&P 500 (WKN 264388). Laut Commerzbank ( Zum Testbericht) trennen sich Anleger zudem von ihren währungsgesicherten Japan-Engagements (WKN A1H53P) und setzen stattdessen auf die nicht gehedgten Varianten (WKN 794361, A0DPMW). Aufgrund des Yen-Verfalls waren Investoren ohne Wechselkursabsicherung im vergangenen Jahr schlecht gefahren, die erfreuliche Entwicklung am japanischen Aktienmarkt wurde durch den Yen-Verfall konterkariert. Jetzt gehen Investoren offenbar davon aus, dass die Yen-Schwäche vorbei ist.

Japanische Aktien besonders unter Druck

Vor allem Tracker japanischer Aktien seien zuletzt besonders stark unter Druck geraten – genauso wie der Markt in Tokio selbst. Auch Schröttle bestätigt diese Tendenz, merkt allerdings an, dass Händler an der Tokioter Börse am heutigen Dienstag schon wieder von jeder Menge Kauforders berichtet hätten.

Unter den Schwellenländeraktien werden laut Sengfelder sowohl breite Indizes wie der MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT) verkauft, als auch auf asiatische Aktien fokussierte Indizes (WKNs LYX0AB, DBX1AE) sowie Indizes einzelner Länder, wie etwa Malaysia (WKN LYX0CW).

Einen leichten Kaufüberhang meldet Sengfelder lediglich für den Lyxor ETF MSCI USA (WKN A0JMFG) und den iShares S&P 500 UCITS ETF (Acc) (WKN A0YBR6). „Von Euphorie kann man aber auch hier nicht sprechen, es wurde unter dem Strich lediglich etwas mehr gekauft als verkauft“, ergänzt der Market Maker jedoch.

Schwellenländer-Ausverkauf beendet

Daneben wird Salaorno zufolge auf Emerging Markets-ETFs wieder zugegriffen, Käufer konzentrierten sich auf breite Indizes. „Wenn regionale Schwerpunkte gewählt werden, dann ist es eher Asien (WKN LYX0AB) als Lateinamerika.“ Die Commerzbank berichtet unterdessen von Abgaben – allerdings auf sehr niedrigem Niveau. „Schwellenländer spielen derzeit kaum eine Rolle, sie machen nur 3 Prozent unserer Umsätze aus“, bemerkt Bartels. „Große Auswirkungen durch die Emerging Markets-Krise konnten wir hier an der Börse nicht erkennen“, bemerkt auch Sattler. Der umsatzstarke iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT) hat seinen Abwärtstrend nicht fortgesetzt, sich aber auch noch nicht merklich erholt: In den vergangenen drei Monaten hat der ETF 7,6 Prozent an Wert verloren.

Hin und Her in Renten-ETF

Eher ruhig zu geht es im Geschäft mit Renten-ETFs. „Die Musik spielt eindeutig in Aktien“, meint Salaorno. Wenn überhaupt gehandelt werde, dann gerne Riskanteres: „Wir sehen etwas mehr Interesse an High Yield-Renten.“ Der Commerzbank zufolge entscheiden sich Anleger vor allem für deutsche (WKN 628948) und US-amerikanische Staatsanleihen (WKNs A1W3V0, A1JRC9) kürzerer Laufzeit, abgestoßen würden hingegen Unternehmensanleihen- und europäische Staatsanleihen-ETFs.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 11. Februar 2014

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.