Start ETF-Marktbericht ETFs: Lieber auf Nummer sicher

ETFs: Lieber auf Nummer sicher

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(Börse Frankfurt). Die Unsicherheiten der Euro-Krise und die schwache Tendenz an den Börsen in den vergangenen Tagen lassen auch die ETF-Anleger zögern. Abwarten ist angesagt. „Von der Grundtendenz her hatten wir mehr Abgaben, allerdings auf niedrigem Niveau“, meldet Marc Schönbrodt von der DekaBank. Auch Sidi Kleefeld beschreibt den Handel als „ruhig“, am Donnerstag und Freitag hätten die Volumina aber etwas angezogen. „Beim Euro Stoxx 50 und bei den Banken wagen sich einige Anleger schon wieder vor“, erklärt der Market Maker.

Griechenland als Dauerthema

Zwar ist es heute in Sachen Griechenland zu etwas Entspannung gekommen, die Börsen erholen sich deutlich: Einem Pressebericht zufolge rückt die Bundesregierung von ihrer harten Linie hinsichtlich weiterer Mittel für die Hellenen ab. In der vergangenen Woche hatte sich die Eurokrise allerdings noch zugespitzt und die Märkte belastet: Der IWF hatte geäußert, die nächste Kredittranche an Griechenland eventuell nicht auszahlen zu wollen. Gesamteuropäische Renten-ETFs wurden daher weiter abgestoßen. „Anleger setzen statt dessen lieber auf Aktien oder deutsche Anleihen“, erklärt Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht).

USA mit Währungsabsicherung

Bei den Aktien-Indexfonds stünden europäische und amerikanische Indizes im Fokus, während DAX-Tracker weniger gesucht seien. Dazu passend meldet die DekaBank Abgaben beim ETFlab DAX (WKN ETFL01), aber auch bei TecDAX-Produkten (WKN 593392). Bei den an gesamteuropäische Indizes gekoppelten Produkten wie dem ETFlab Euro Stoxx 50 (WKN ETFL02) sowie den US-amerikanischen und globalen Indextrackern wie dem iShares Stoxx US Select Dividend (WKN A0D8Q4) und dem Lyxor MSCI World (WKN LYX0AG) hätten unter dem Strich hingegen die Zuflüsse überwogen. Die Commerzbank ( Zum Testbericht) sieht darüber hinaus ein verstärktes Interesse an Short- und Hebel-Produkten. Auch ETFs mit Währungsabsicherung wie der iShares S&P 500 Monthly Euro Hedged (WKN A1H53N) seien zunehmend gefragt. Der Indexfonds bietet Zugang zu 500 US-Large Caps und ist währungsgesichert, Investoren müssen sich um Wechselkursrisiken somit keine Sorgen machen.

Deutsche Anleihen punkten

Im Rentenhandel hat sich die Flucht in den sicheren Hafen Deutschland fortgesetzt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist sogar wieder unter die Marke von 3 Prozent gerutscht. Auch bei den Renten-ETFs heißt es daher weiter: Deutschland hui, Europa pfui. „Deutsche Anleihen-Indexfonds werden gekauft, europäische verkauft“, fasst Bartels seinen Eindruck zusammen. Auch die DekaBank meldet Käufe bei deutschen Festverzinslichen längerer Laufzeit wie dem iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10 (WKN 628949), aber auch Verkäufe beim iShares eb.rexx Government Germany (WKN 628946), der unterschiedliche Laufzeiten beinhaltet.  Sidi Kleefeld zufolge verabschieden sich Anleger von ETFs, die die Entwicklung europäischer Staatsanleihen nachzeichnen wie der db x-trackers iBoxx Sovereigns Eurozone 1-3 (WKN DBX0AD), ebenso von Geldmarktfonds (WKN DBX0AN). Investoren suchen offenbar nach Alternativen und legen sich Unternehmensanleihen-Fonds wie den ETFlab iBoxx Liquid Non-Financials Diversified (WKN ETFL38) ins Portfolio, wie die DekaBank ausführt.

Unterschiedliche Meinungen bei Banken

Bei Sektor-Indexfonds sind Banken weiterhin ein großes Thema, allerdings gehen die Meinungen dazu offenbar auseinander. Laut DekaBank standen ETFs mit Bankaktien (WKN 628934) weiter auf den Abgabelisten, der Deutschen Bank zufolge hat sich der Wind aber bereits gedreht: Die Investoren wagten sich wieder etwas nach vorne. „Die Richtung fehlt“, meint Andreas Bartels von der Commerzbank.  Daneben zeigen sich Anleger laut Deutscher Bank auch beim Immobilien-ETF db x-trackers FTSE EPRA/NAREIT Developed Europe Real Estate (WKN DBX0F1) kauffreudig. Automobil- (WKN 634471) und Telekommunikations-ETFs (WKN 628931) seien abgestoßen worden, ergänzt Schönbrodt, allerdings „nicht signifikant“. Bei Indexfonds der Öl- und Gasbranche hätten sich Investoren hingegen positioniert (WKN 634476). Die Commerzbank sieht leichten Käuferüberhang bei ETFs zu Grundstoff- und Energieunternehmen sowie Verkäuferüberhang bei Technologie-Aktien.

Korea-ETF als Anlegerliebling

Während Europa die Schlagzeilen beherrscht, fristen die Schwellenländer ein Schattendasein. Die großen Trends fehlen. Die DekaBank hat Abgaben bei Trackern mit russischen Aktien (WKN LYX0AF) und allgemein Unternehmen aus Emerging Markets (WKN DBX1EM) registriert. „Korea bleibt eines der Lieblingsländer der Investoren“, erklärt Kleefeld. Der db x-trackers MSCI Korea (WKN DBX1K2) hat sich zuletzt wieder gut entwickelt und auf Sicht von drei Monaten um 8,4 Prozent zugelegt.

© 31. Mai 2011 / Anna-Maria Borse