etf marktbericht

  

Nach einer Woche mit Käufen und Verkäufen von Aktien-ETFs dominieren seit Wochenbeginn zwar die Abgaben, ein Totalausverkauf sieht aber anders aus. Bei chinesischen Werten stehen weiterhin Gewinnmitnahmen im Vordergrund.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Auch nach dem klaren „Nein“ der Griechen zu den Reformvorschlägen der Gläubiger bleiben die meisten Anleger gelassen – von Panik keine Spur. „Griechenland ist zwar weiter das beherrschende Thema, wir sehen aber Käufe und Verkäufe“, berichtet Carsten Schröder von der Commerzbank ( Zum Testbericht).

So mancher nutze die niedrigen Kurse für einen Einstieg. „’Buy the dip‘ – auf dem tiefsten Punkt der Delle kaufen –scheint für einige das Motto zu sein.“ Laut Gregory Guerrand von der BNP Paribas ist China und der Einbruch am dortigen Aktienmärkten neben Griechenland „heißes“ Thema. „Dort gibt es in der Tat einen Ausverkauf.“

Der DAX hatte bereits vor dem Referendum der Griechen geschwächelt, danach gab es weitere Rücksetzer, zu einem Ausverkauf ist es bislang aber nicht gekommen. Am heutigen Dienstag geht es leicht abwärts, am Mittag notiert der Index bei 10.851 Punkten. Seit dem Rekordhoch im April hat das Börsenbarometer damit um über 1.500 Punkte oder 12 Prozent nachgegeben.

Vertrauen in Eurozone noch da

Es wird zwar rege gehandelt, eins zu eins spiegelt sich die hohe Volatilität aber nicht in den Umsätzen wider, wie Händler feststellen. Schröder berichtet von 36.400 Transaktionen für die Woche, etwas mehr als in der Vorwoche. Bei Aktien hätten mit 54 Prozent Käufe sogar noch überwogen. „Es ist eben schon viel eingepreist.“ Für DAX- und Euro Stoxx 50-Tracker meldet der Händler Zu- wie Abflüsse. „Einen kleinen Verkaufsüberhang hatten wir bei MSCI Europe-, einen Käuferüberhang bei S&P 500-ETFs.“

Bei der BNP Paribas greifen Investoren weiterhin vor allem zu DAX-, Euro Stoxx 50- (WKN A0ESW5) und Stoxx Europe 600-Trackern (WKN A1W37K). „Französische und italienische Aktien wurden aber eher abgestoßen“, berichtet Guerrand. Auch von US-Aktien (WKN A1W4DP) hätten sich Anleger tendenziell getrennt. An der Börse Frankfurt beherrschen klassische DAX-  und Euro Stoxx 50-ETFs (WKN 593393, ETFL01, DBX1DA, 593395, ETFL02) die Umsatzliste für die vergangenen Handelstage.
Wie die griechischen Banken bleibt auch die Börse in Athen weiter geschlossen, mindestens bis zum Mittwoch. Das hat Auswirkungen auf ETFs, die den griechischen Markt abbilden. So hat Lyxor bereits vergangene Woche die Rücknahme von Anteilen seines Indexfonds Lyxor FTSE Athex Large Cap (WKN LYX0BF), dem einzigen an der Börse Frankfurt gehandelten ETF zu griechischen Aktien, ausgesetzt.

Chinas Crash zeigt Folgen

An Chinas Börsen geht es weiter abwärts, die am Wochenende verkündeten Stützungsmaßnahmen seitens der Regierung sind offenbar bereits verpufft. „Die Blase ist geplatzt“, kommentiert Stefano Valenti von der Unicredit Group. „Es wird nur verkauft.“ Allerdings gebe es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Indizes. „Von den Interventionen profitierten nur Indizes mit großen Unternehmen.“ Beim Shenzhen Composite- und CSI 300-Index, die viele mittelgroße und kleine Unternehmen abbilden, seien die Verluste besonders heftig. „Bei einigen Aktien kam es auch zu Handelsaussetzungen.“

Anleger trennten sich Valenti zufolge zum Beispiel vom Lyxor China Enterprise (WKN A0F5BW) und vom iShares China Large Cap (WKN A0DPMY). Der db x-trackers CSI 300 (WKN DBX0M2) hat in den vergangenen Wochen fast 30 Prozent an Wert verloren. Durch den rasanten Kursanstieg zwischen vergangenem Sommer und Mai dieses Jahres kommen Anleger, die vor sechs Monaten eingestiegen sind, aber immer noch auf ein Plus von 11 Prozent, auf Sicht von einem Jahr hat sich der Anteilswert noch verdoppelt.

Gemischtes Bild für andere Schwellenländer

Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) spielte der Crash in China nur eine untergeordnete Rolle. „Bei uns gab es Verkäufe und Käufe, ebenso für andere Schwellenländer-ETFs“, erklärt Schröder.
Bei der Unicredit werden ETFs gekauft, die den indischen oder vietnamesischen Markt abbilden, konkret der Lyxor MSCI India (WKN LYX0BA) oder der db x-trackers FTSE Vietnam (WKN DBX1AG). Auch bestimmte breit aufgestellte Emerging Markets-Tracker seien beliebt, etwa der UBS MSCI Emerging Markets (WKN UB42AA) und der SPDR MSCI Emerging Markets (WKN A1JJTE), während Schwellenländer-Indexfonds von der Deutschen Bank, Amundi und Lyxor abgestoßen würden.

Griechenlandchaos trifft Banken

Von den Branchen-ETFs gilt der Blick der Anleger einmal mehr Banken (WKN 628930), befürchtet werden Belastungen durch einen Grexit. Die BNP Paribas meldet Abflüsse aus europäischen Banken-ETFs, bei der Commerzbank wurden allerdings beide Seiten gespielt. Darüber hinaus trennten sich Anleger bei der Commerzbank von Immobilien- und positionierten sich in Grundstoffunternehmen, bei der BNP Paribas wurde auf internationale Banken-Titel gesetzt.

Renten-ETFs ignoriert

An Renten-ETFs zeigen Anleger derzeit wenig Interesse, wie Schröder feststellt. „Bei uns machten Fixed Income-Indexfonds vergangene Woche nur neun Prozent der Umsätze aus, das ist weniger als üblich.“ Auf den Verkaufslisten standen deutsche Staatsanleihen aller Laufzeiten, auf den Einkaufslisten High Yield-Anleihen in Euro. „Das zeigt, dass die Nervosität so groß auch nicht ist.“

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 7. Juli 2015

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.