Start ETF-Marktbericht ETFs: Möglicher Zinsschritt lähmt

ETFs: Möglicher Zinsschritt lähmt

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Portfolios mitdeutschen und europäischen Aktien werden je nach Marktlage hin- und hergehandelt. Von ETFs mit japanischen Werten nehmen Anleger Abstand.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach dem Sturm an den internationalen Aktienmärkten gönnen sich hiesige Anleger eine Verschnaufpause. Händler berichten einhellig von einem ruhigen ETF-Geschäft in der vergangenen Woche. Ralf Bendig beschreibt die momentane Sachlage als gespannte Stille mit Blick auf eine mögliche Zinsentscheidung der Federal Reserve am kommenden Donnerstag. Angesichts der ungewissen Vorzeichen engten sich die Bandbreiten an den Märkten zunehmend ein. Allenfalls die etwas stärkeren Schwankungen am Dienstag und Mittwoch hätte Anleger zu verhaltenen Käufen von DAX-Werten (WKNs ETFL01, ETFL06, A0X899) animiert, die der Händler der ICF Bank als Herantasten an die Marktbewegungen wertet. Ansonsten lieferten die Märkte keine neuen Impulse.

Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) halten sich über alle Anlageklassen hinweg bei schwachem Handelsaufkommen die Zu- und Abflüsse in etwa die Waage, wie Andreas Bartels meldet. Mit 28.000 liege die Anzahl der Trades unter dem Durchschnitt der vergangenen Monate, und auch das Volumen hinter den einzelnen Transaktion sei niedriger als gewohnt. „Aktieninvestments stehen mit einem Anteil von 90 Prozent der Gesamtumsätze eindeutig im Vordergrund“, bemerkt der Händler.

Abstand von japanische Werten

ETFs mit Schwellenländer-Aktien stoßen nach Beobachtung von Bartels weiterhin auf wenig Gegenliebe. Breit aufgestellte Portfolios im MSCI Emerging Markets (WKN UB42AA) kämen ebenso aus den Depots raus wie chinesische Aktien, etwa im MSCI China (WKN A1XEFE). Anleger trennten sich zudem von brasilianischen Werten (WKN A0HG2M). Der Vertrauensverlust stehe vermutlich im Zusammenhang mit dem Entzug des Investment-Grade für Brasilien durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s. Dadurch werde die Refinanzierung über die Kapitalmärkte für das Land voraussichtlich teurer. Die von einer schweren Wirtschaftskrise heimgesuchte brasilianische Regierung hat nun Haushaltskürzungen in Höhe von 26 Milliarden Real für das kommende Jahr angekündigt. Bei den Kunden der Unicredit stehen japanische Aktien etwa im MSCI Japan (WKNs A0DPMW) mehrheitlich zur Disposition, wie Stefano Valenti beschreibt. „Auch die währungsgesicherte Version (WKN A1HI3P) wird tendenziell abgestoßen.“

Kein einheitliches Bild

Allem voran interessieren sich Anleger laut Bartels für Unternehmen der Industrienationen. „Investoren entscheiden dabei tendenziell prozyklisch“, beobachtet der Händler. Mit der Überschreitung der DAX-Marke von 10.000 Punkten Mitte der Woche seien DAX- (WKNs 593393, ETFL01, ETF001) und Euro Stoxx 50-Tracker (WKNs 593393, 593395, ETF001, ETF050) mehrheitlich gekauft worden. „Danach überwogen wieder die Verkäufe.“
Kunden der Unicredit haben sich nach Angaben von Gregor Hamme zumeist von ihren Engagements in Indexfonds mit europäischen Aktien verabschiedet. Etwa trennten sich Anleger beispielsweise vom Amundi Euro Stoxx 50-ETF (WKN A0REJL). „Der ETF stand die ganze Woche unter Druck.“

Telekommunikations-Aktien gesucht

Mit Blick auf die Branchen informiert Bartels über Zuspruch im Verhältnis 60 zu 40 Prozent für die beiden Sektoren Immobilien (WKN A0Q4R4) und Gesundheit (WKN A0Q4R3). Mit 90 Prozent Käufen wären auch Telekommunikationsaktien (WKN ETF077) stark nachgefragt. „Die drei Bereiche machen rund 50 Prozent der ETF-Umsätze aus, die einen Sektor abbilden.“

Kaum Augen für Festverzinsliches

Das Geschäft mit Renten-ETFs bleibt laut Bartels mit einem Anteil von 10 Prozent am Gesamtaufkommen unterrepräsentiert. Der Händler sieht den Grund in den Dauerdiskussionen über eine mögliche US Zinswende. Zu den meist gehandelten Werten gehörten Unternehmensanleihen etwa im Global Corporate Bond-ETF (WKN A1J7CK) von iShares, die gleichermaßen ge- wie verkauft würden.

von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 15. September 2015

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.