Start ETF-Marktbericht ETFs: Mut kehrt zurück

ETFs: Mut kehrt zurück

41
etf marktbericht

     

An Chinas Märkten rumort es weiter, daher winken Anleger bei Schwellenländeraktien ab. Sie kaufen stattdessen europäische und US-amerikanische Titel..

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Ausverkaufswelle an den Börsen ist zwar gestoppt, wirklich Ruhe aber noch nicht eingekehrt. „Die Volatilität ist nach wie vor hoch“, bemerkt Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht). In der Tat notiert der VDAX-New, der die erwartete Schwankungsbreite des DAX widergibt, immer noch bei über 30 Punkten, 2013 und 2014 waren es meist weniger als 20 Punkte. Doch sind die Käufer wieder da – zumindest was europäische und US-amerikanische Aktien angeht. „Bei europäische Aktien wird zugegriffen“, berichtet Gregor Hamme von der Unicredit Group.

Von Schwellenländeraktien wollen Anleger aber nach wie vor nichts wissen. „Die Wende haben wir noch nicht gesehen, Emerging Markets-Aktien werden weiter nur verkauft“, erklärt Hammes Kollege Stefano Valenti.
Gregory Guerrand von der BNP Paribas spricht von einer anhaltend schlechten Stimmung. „In Industrieländeraktien gibt es Zuflüsse, aus Schwellenländeraktien aber weiter Abflüsse.“

Chinakrise nicht ausgestanden

Am heutigen Dienstag stützen gute Außenhandelszahlen den DAX, der Index liegt am Mittag bei 10.348 Punkten, ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Montag. An den asiatischen Märkten ging es heute hingegen wieder abwärts, Auslöser waren abermals enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China. Dort blieb der Außenhandel im August hinter den Erwartungen zurück.

Die Umsätze im ETF-Handel sind den Händlern zufolge niedriger als in den Vorwochen. „Wir hatten vergangene Woche 37.000 Transaktionen nach 60.000 in der Vorwoche, allerdings ist das immer noch über unserem Durchschnitt in diesem Jahr“, stellt Bartels fest. „Anleger halten sich im Moment zurück. Es wird abgewartet, was sich in Sachen US-Zinserhöhung tut.“ Weiterhin wird heftig darüber diskutiert, ob die US-Notenbank bereits in diesem Monat die Zinsen anheben wird, oder erst im weiteren Verlauf dieses Jahres oder gar im kommenden Jahr.

Magneten Europa und USA

Industrieländer ja, Schwellenländer nein – das bleibt das Motto im ETF-Geschäft. Auch bei der BNP Paribas standen vor allem US-amerikanische (WKN A1W4DP) und europäische Aktien (WKN A0ESW5, A1W37K) auf den Einkaufslisten, wie Guerrand feststellt. Bei japanischen Aktien hätten ebenfalls Zuflüsse dominiert.
Hamme zufolge positionieren sich Anleger in Euro Stoxx 50– (WKN 593395), MSCI Europe- (WKN A0JDGC) und Stoxx 600-ETFs (WKN 263530). Die Commerzbank ( Zum Testbericht) meldet Zuflüsse in DAX-, Euro Stoxx 50- und MSCI World-Trackern (WKN DBX1MW, ETF110). „Beim MSCI World beobachten wir eine hohe Nachfrage nach der währungsgesicherten Variante, dem iShares MSCI World Euro Hedged (WKN A1H53Q).“

Dagegen fliegen Schwellenländeraktien weiter aus den Portfolios: „Das betrifft Asien, aber auch Schwellenländer ganz allgemein“, ergänzt Valenti. Auch Bartels und Guerrand melden Abflüsse aus chinesischen Aktien sowie breit aufgestellten Schwellenländer-ETFs.

Comeback der Banken

Was Branchen angeht, wird bei der Commerzbank vor allem auf die Gesundheits- und die Bankenbranche gesetzt. Banken-ETFs wurden in der Vorwoche noch überwiegend abgestoßen. Der umsatzstarke iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930) hat sich von seinem Tief am „schwarzen Montag“ vor gut zwei Wochen zwar etwas erholt, ist von seinen Hochs im Juli aber noch weit entfernt. Guerrand meldet Abflüsse aus dem Energie-, dem Konsumgüter- und dem Technologiesektor.

Spekulieren auf Zinsanstieg

In vergleichsweise ruhigen Bahnen verläuft der Handel mit Anleihen-ETFs. Nach Ansicht von Ciriaco Carrozino von der Unicredit Group ist das schon seit einigen Wochen so – selbst als es am Aktienmarkt gehörig krachte. „Der Crash hat sich am Aktienmarkt abgespielt, im Fixed Income-Bereich gab es keine großen Auswirkungen.“ Es habe keine Flucht aus risikobehafteten Produkten wie hochverzinslichen Anleihen gegeben, ebenso wenig eine Flucht in sichere Staatsanleihen. Bei der BNP Paribas legten sich allerdings zuletzt viele Anleger US-Anleihen ins Portfolio, darunter Staats- und Unternehmensanleihen, vor allem mit kürzeren Laufzeiten.

Bartels bezeichnet den Handel mit Renten-ETFs als „unspektakulär“. Tendenziell würden europäische Staatsanleihen mit kürzeren Laufzeiten gesucht. „Unser meist gehandeltes Produkt bei den Anleihen war aber der ComStage Commerzbank Bund-Future Short (WKN ETF563), hier haben die Käufe überwogen.“ Mit dem ETF können Anleger auf einen fallenden Euro-Bund-Future setzen. Offenbar wird davon ausgegangen, dass die Zinsen auch in Deutschland wieder steigen und die Anleihekurse zurückgehen.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 8. September 2015