Start ETF-Marktbericht ETFs: Nachfrage nach europäischen Bluechips scheint krisensicher

ETFs: Nachfrage nach europäischen Bluechips scheint krisensicher

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20.September 2011. FRANKFURT (Börse Frankfurt). ETF-Anleger zielen weiterhin auf Standardwerte der „alten Welt“, wie Market Maker vom Handel mit Exchange Traded Funds einhellig berichteten. Die Verschärfung der europäischen Schuldenmisere zum Wochenbeginn und der zeitgleiche Einbruch der Aktienmärkte machten sich im ETF-Handel wenig bemerkbar.

Auch wenn das Treffen der EU-Finanzminister am vergangenen Wochenende ohne sichtbare Ergebnisse beendet worden sei und der Wirksamkeit der Reformbemühungen Griechenlands bezweifelt würde: „An Tagesschwankungen von knapp 3 Prozent im DAX haben sich Anleger scheinbar gewöhnt und dies bezüglich eine gewisse Gelassenheit entwickelt“, vermutet Mark Schönbrodt. Insgesamt verzeichnet der Händler der DekaBank durchschnittliche Umsätze mit einem Kaufüberhang. „Die Anzahl der Transaktionen ist hoch, die Ordergrößen dafür niedriger als im August“, meldet Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Rund 50 Prozent der Gesamtumsätze der vergangenen Woche sei auf Aktien-Tracker gefallen. „Dabei kommt am DAX niemand vorbei“, bemerkt Bartels. Auffallend hoch bezeichnet der Händler im Übrigen das Interesse an Geldmarkt-Fonds. Links liegengelassen würden dagegen ETFs zu einzelnen Länderindizes, Emerging Markets und breiter aufgestellte Rohstoff-Fonds.

Euro Stoxx 50-Tracker machen das Rennen

Anders als in den Monaten zuvor spielten derzeit Indexfonds zum Euro Stoxx 50 (WKNs 935927, LYX0BZ, 593394, 593395, ETF050, A0YEDJ) im Handel eine Hauptrolle, tendenziell mit einem Kaufüberhang. „Die Euro Stoxx 50-Tracker sind bei den Umsätzen auf Wochenbasis ganz vorn mit dabei, was sonst seit Ausbruch der Schuldenkrise eher selten der Fall war“, pflichtet Schönbrodt bei. Ob die jüngste Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch die Ratingagentur Standard & Poor‘s von A+ auf A mit negativer Aussicht daran etwas ändere, sei dahingestellt.

Anleger legen sich in dieser Woche tendenziell zudem DAX-Werte (WKNs 593393, ETFL01, ETF001, DBX1DA) über ETFs ins Depot. Eher kurzfristig orientierte Investoren sorgten für überdurchschnittliche Handelsaktivitäten auf beiden Seiten mit Indexfonds auf den ShortDAX (WKNs ETF004, DBX1DS) und den gehebelten LevDAX. Es lockten die hohe Schwankungsbreite des deutschen Börsenbarometers und damit die Chance auf kurzfristig höhere Gewinne, vermutet Bartels.

Käufe etwa im Verhältnis 60 zu 40 registriert Bartels für ETFs mit Automobilaktien, Finanzwerten und Grundstoffunternehmen. Die zurzeit stattfindende Internationale Automobilausstellung in Frankfurt rücke die Fahrzeughersteller ins Rampenlicht. Von Zuflüssen etwa in ETFs zum STOXX 600 Optimised Automobiles & Parts Source (WKN A0RPR0) und zum STOXX 600 Optimised Basic Resources (WKN A0RPR2) spricht auch Schönbrodt. Investoren interessierten sich zudem für Aktien aus dem Telekommunikationssektor (WKN A0H08R).

Auf Tagesbasis wechselnde Meinungen demonstrierten Anleger etwa bezüglich der Aussichten für den Bankensektor (WKN 628930), in dem insgesamt beide Seiten gespielt würden. Anteile an Unternehmen aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor (WKN A0H08J) wie auch Öl- und Gaswerte (WKN A0H08M) dagegen werden laut DekaBank eher abgestoßen.

Europäische Staatsanleihen gesucht

Trotz der anhaltenden Diskussionen rund um die Schuldenkrise der Euroländer erkennt Schönbrodt auf Wochensicht Zuspruch etwa für europäische Bonds (WKN ETFL14) mit einer Restlaufzeit zwischen fünf und sieben Jahren. „Die waren eine Zeit lang wenig beachtet“, resümiert der Händler. Genauso wie beispielsweise deutsche Kurzläufer (WKN ETFL18, 628948) mit Restlaufzeiten zwischen 1 und 3 bzw. 2,5 und 5,5 Jahren, die Anleger sich derzeit wieder verstärkt ins Depot legten. „Es ist generell viel los bei den Renten-Trackern“, bemerkt Schönbrodt.

Anleger greifen zu Geldmarkt-ETFs

Sicherheit suchen Anleger zudem in Geldmarktfonds, die nach Beobachtung von Bartels in dieser Woche regen Absatz finden. „Ein auffallend hoher Anteil an Anlegergeldern wandert in diesen ETF-Typ“, bemerkt der Händler, stellvertretend beispielsweise in den Lyxor ETF EURO Cash EONIA (WKN LYX0B6).

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.