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Indexfonds werden immer beliebter. Doch nicht mehr jeder glaubt, dass die Hausse so weiter gehen wird.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Regelrecht abgehoben hat der DAX bis gestern, zwischenzeitlich wurden 12.219 Punkte erreicht. Heute ist allerdings Innehalten angesagt. Unter ETF-Anlegern war die Stimmung bereits vergangene Woche gemischt. Sie werden offenbar wählerischer, viele trennten sich auch von ihren Anlagen. „Der Risk-on-Modus hält an, die DAX-Rallye wurde aber nicht mitgemacht“, bemerkt Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Gregor Hamme von der Unicredit Group in London meldet sogar einen Verkaufsüberhang. „Es wird zwar noch gekauft, aber es werden auch Gewinne mitgenommenen.“ Zu tun haben die Händler nach wie vor extrem viel. „Wir haben gute Umsätze“, berichtet Hamme. „40.000 Transaktionen vergangene Woche, das ist doppelt soviel wie der Wochendurchschnitt 2014″, bemerkt Bartels. „Das scheint aber Normalität zu werden.“

Vergangene Woche meldeten der Vermögensverwalter Blackrock und das Analysehaus ETFGI, dass weltweit mittlerweile 2,9 Billionen US-Dollar in ETFs investiert sind – ein neuer Rekord. ETFGI geht davon aus, dass bis zum Sommer die 3 Billionen US-Dollar-Grenze überschritten wird.

Aktien-ETFs: Optimismus mit Kratzern

Der Commerzbank ( Zum Testbericht) zufolge zeigen sich ETF-Investoren vor allem beim DAX unentschieden. „Bei uns hielten sich Käufe und Verkäufe die Waage“, erklärt Bartels. Das gelte auch für S&P 500-Indexfonds. Gesetzt worden sei hingegen auf Stoxx Europe 600- und Euro Stoxx 50-Tracker. „Umsatzspitzenreiter sind aber französische Aktien (WKN A0HHFJ, ETF040).“ Mit dem ComStage CAC 40 (WKN ETF040) kommen Anleger auf Dreimonatssicht auf ein Plus von knapp 23 Prozent, mit dem Comstage DAX (WKN ETF001) sind es allerdings knapp 27 Prozent. Ebenfalls sehr gesucht waren bei der Commerzbank MSCI World-ETFs, abgestoßen wurden ETFs mit US-Dividendenstrategien sowie MSCI Switzerland- und SMI-Indexfonds.

„Wir sehen weiter viele Zuflüsse, obwohl der Markt ja schon weit gelaufen ist“, berichtet unterdessen DagRodewald von der UBS. Besonders beliebt sei der UBS MSCI EMU Hedged US-Dollar (WKN A1W2HB). Der bietet die Möglichkeit, mit Währungssicherung zum US-Dollar in Aktien aus europäischen Ländern zu investieren. Anleger profitieren dann von einer positiven Entwicklung europäischer Aktien und einer US-Dollar-Aufwertung. Daneben ist bei der UBS aber auch der UBS MSCI World (WKN A0NCFR) beliebt. „Da sehen wir starke Zuflüsse.“

Euroschwäche mit Folgen

Gregory Guerrand von der BNP Paribas in Paris verweist auf den massiven Verfall des Euro – Folge der vor gut einer Woche begonnenen EZB-Anleihekäufe. Er meldet Zuflüsse in europäische und US-amerikanische Aktien. „Durch den Anstieg des US-Dollars kommen Euroanleger mit US-Werten ja auch noch auf eine attraktive Rendite.“ Die Gemeinschaftswährung war zwischenzeitlich unter 1,05 US-Dollar gerutscht, aktuell liegt der Kurs bei 1,0615 US-Dollar je Euro nach 1,10 US-Dollar vor zwei Wochen.

Banken holen auf

Im Handel mit Branchen-ETFs haben von den Umsätzen her wieder einmal Banken die Nase vorn. „Hier sehen wir 75 Prozent Käufe“, erklärt Bartels. Hamme meldet hingegen Verkäufe. „Die Anleger wechseln die Seite.“ Der iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930) hat zuletzt deutlich zulegen können und auf Monatssicht mit einem Plus von 8 Prozent den marktbreiten Euro Stoxx 50, der auf 7 Prozent kommt, abgehängt.

Eindeutig auf den Abgabelisten stehen Immobilien-Indexfonds. „Das sind Gewinnmitnahmen, die ETFs haben zum Teil auf Jahressicht ein Plus von 38 Prozent erzielt“, bemerkt Guerrand. Auch Commerzbank und Unicredit haben Abflüsse aus Immobilien-ETFs beobachtet. „Das gilt für alle Emittenten“, ergänzt Hamme. Der iShares European Property Yield (WKN A0HG2Q), der an den FTSE EPRA/NAREIT Developed Europe ex UK Dividend-Index gekoppelt ist, ist seit März 2014 um 36 Prozent gestiegen.

Anleihen: auf der Suche nach dem Extra

Im Anleihebereich wird weiter umgeschichtet. Der Commerzbank zufolge trennen sich Anleger von deutschen Staatsanleihen mit langen Laufzeiten sowie US-Treasuries und kaufen stattdessen lieber europäische Papiere mit Laufzeit von drei bis fünf Jahren. „Unternehmensanleihen gehen weiter gut weg, daneben sind an die Inflation gekoppelte Produkte wieder gefragt.“ Bei der UBS sind Unternehmensanleihen das wichtigste Thema. Gekauft wird der UBS Barclays US Liquid Corporates (WKN A110Q5). „Das liegt an den niedrigen Zinsen für Staatsanleihen, aber auch am US-Dollar“, stellt Rodewald fest.

Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 17. März 2015

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.