Start ETF-Marktbericht ETFs: Politiker geben Takt vor

ETFs: Politiker geben Takt vor

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Während ganz Europa mit Bangen gen Athen schielt, wo sich heute Nacht das Schicksal von Ministerpräsident Papandreou entscheiden soll, gehen Investoren im ETF-Markt in die Defensive. Aktien-ETFs werden abgestoßen, lieber setzt man auf sichere Anlagen wie deutsche Staatsanleihen.

 

(Börse Frankfurt). Mit der Griechenland-Krise im Nacken halten sich Anleger nicht nur am Aktienmarkt, sondern auch bei Aktien-ETFs stark zurück. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch soll das griechische Parlament über die von Ministerpräsident Papandreou gestellte Vertrauensfrage abstimmen. Finden er und sein Sparpaket keine Mehrheit, rutscht das Land in die Zahlungsunfähigkeit.

Am Dienstag überwiegt allerdings die Zuversicht, dass die Rettung doch noch gelingt. „Griechenland bestimmt weiter die Märkte. Solange es hier keine Lösung gibt, bleibt es schwierig“, glaubt Jörg Sengfelder von der DekaBank. Bei an Aktienindizes gekoppelten Fonds dominierten daher die Verkäufe. Lieber etwas vorsichtiger, so beschreibt Sengfelder die Haltung der Anleger. Das Interesse an Renten-ETFs sei hingegen außergewöhnlich hoch, bemerkt die Commerzbank ( Zum Testbericht). „Wir haben normalerweise ein Verhältnis von 75 oder 80 Prozent Aktien zu 25 oder 20 Prozent Renten“, erklärt Andreas Bartels. Momentan machten die ETFs auf Festverzinsliche hingegen rund 40 Prozent aus. „Die Bonds sind stark nachgefragt.“ Die Umsätze sind Bartels zufolge gut, er sieht insgesamt – Renten-ETFs eingerechnet – sogar noch einen kleinen Käuferüberhang.

DAX pfui, Bundesanleihen hui

Raus aus DAX-Trackern, rein in deutsche Staatsanleihen-ETFs – das ist Bartels zufolge der aktuelle Trend. Abgegeben worden sei etwa der iShares DAX (WKN 593393) und das entsprechende hauseigene Produkt der Commerzbank ( Zum Testbericht) (WKN ETF001). Auch bei Flow Traders und DekaBank standen deutsche Aktien-ETFs zuletzt auf den Abgabelisten (WKN ETFL01, ETFL06). Eher auf Gegenliebe gestoßen seien hingegen MDAX- und SDAX-Tracker, ergänzt die Commerzbank (WKN 593392, ETF005). „Man interessiert sich wieder für die zweite Reihe.“ Das schließt die Technologiewerte aber offenbar nicht ein: Flow Traders meldet hier Abflüsse (WKN 593397).

„Der Schwerpunkt liegt aktuell ganz klar auf Deutschland“, berichtet Bartels außerdem. Rund die Hälfte des Handels beziehe sich auf deutsche Underlyings, also zugrunde liegende Wertpapiere. „Da ist schon ungewöhnlich viel, meist spielen die USA oder die Schwellenländer eine größere Rolle.“ Bei den Euro Stoxx-ETFs ist das Bild gemischt, hier gibt es Zu- und Abflüsse. Laut Bernardus Roelofs von Flow Traders überwiegen bei einigen Produkten die Abgaben (WKN 593395, 263530), bei anderen hingegen die Zukäufe (WKN 798328). Angesichts des immer neue Höhen erklimmenden Schweizer Frankens machten Anleger darüber hinaus auch bei Aktien-Trackern aus dem Alpenland Kasse (WKN DBX1SM).

Kauffreude bei deutschen Kurz- und Langläufern

Bei den Renten-ETFs haben weiter die an deutsche Staatsanleihen gekoppelten Produkte die Nase vorn. Der „sichere Hafen“ lockt unverändert. Das Interesse der Investoren erstreckt sich dabei auf sämtliche Laufzeiten. „Sowohl Kurz- als auch Langfläufer sind beliebt“, meint Bartels mit Verweis auf den iShares eb.rexx Government Germany 1,5-2,5 (WKN 628947) und den iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (WKN 628949). Die DekaBank vermeldet Interesse am ETFlab Deutsche Börse EuroGov Germany 1-3 (WKN ETFL18) und am iShares eb.rexx Jumbo Pfandbriefe (WKN 263526), einem Rentenfonds, der die Entwicklung von Pfandbriefen nachzeichnet.

Banken-ETFs kein Kassenschlager

Beim Handel mit Sektoren-ETFs zeigt sich weiter, dass Anleger von Bankwerten derzeit lieber die Finger lassen. Zu groß sind die Sorgen, dass die Finanzinstitute im Zuge der Griechenlandkrise doch noch zur Kasse gebeten werden. Abgestoßen wurde der Commerzbank zufolge daher der ComStage Stoxx Europe 600 Financial Services (WKN ETF066). Auch an die Medienbranche gekoppelte ETFs (WKN LYX0AU) seien eher verkauft worden, während Investoren bei Unternehmen der Grundstoff- (WKN ETF063, DBX1SB) und Automobilindustrie (WKN ETF061) zugegriffen hätten.

„Im Gesundheitsbereich hielten sich Zu- und Abflüsse die Waage“, ergänzt Bartels (WKN ETF068, LYX0AS). Andere Händler wie Flow Traders sehen hier allerdings eine Überzahl von Verkäufern (WKN DBX1SH). Etwas mehr Interesse hat Bartels auch an Indexfonds registriert, die die Entwicklung der Rohstoffindustrie abbilden, etwa am ComStage Commerzbank Commodity (WKN ETF090) und am iShares Dow Jones UBS Commodity Swap (WKN A0H072).

Der DekaBank zufolge verabschiedeten sich Investoren auch von Konsumgüter-ETFs wie dem Amundi MSCI Europe Consumer Staples (WKN A0REJ1).  Bei den Schwellenländerfonds ergibt sich ebenso wenig ein eindeutiges Bild – klar ist nur, dass diese definitiv nicht im Fokus stehen. Roelofs berichtet von Abflüssen bei breit aufgestellten Schwellenländerfonds (WKN A0HGZT) und Zukäufen bei Osteuropa-ETFs (WKN A0F6BV).

© 21. Juni 2011/Anna-Maria Borse