Start ETF-Marktbericht ETFs: Raus aus den Schwellenländern

ETFs: Raus aus den Schwellenländern

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Wegen der Turbulenzen in zahlreichen Emerging Markets ziehen auch ETF-Investoren lieber die Reißleine und trennen sich von ihren Anlagen. Viele Industrieländeraktien bleiben aber gesucht.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der massive Abzug von Geldern aus Schwellenländern macht auch vor dem ETF-Markt keinen Halt: „Die Abflüsse sind ungebremst“, meldet Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. Auch Jörg Sengfelder von Flow Traders berichtet von umfangreichen Abflüssen aus Emerging Markets-Produkten. Industrieländeraktien sind unterdessen weniger betroffen. „Der Trend geht klar von Emerging Markets in die Developed Markets“, meint Kleefeld. Die Commerzbank ( Zum Testbericht) meldet insgesamt immer noch einen deutlichen Käuferüberhang im ETF-Geschäft, lediglich am Freitag seien viele Indexfonds abgestoßen worden. „Und heute sieht es ohnehin wieder anders aus“, ergänzt Market Maker Frank Mohr. Rund 500 Punkte hatte der DAX seit seinem Rekordhoch vergangene Woche zwischenzeitlich abgegeben, am heutigen Dienstag notiert der Index aber schon wieder deutlich im Plus bei 9.400 Zählern.

Die gestiegene Volatilität sorgt für ein sehr hohes Handelsaufkommen: Marcel Sattler von ICF Kursmakler berichtet von „erfreulich guten Umsätzen“ in den Standardindizes. „Das Volumen ist extrem hoch“, erklärt auch Mohr. Mit 18.000 Trades in der Woche sei die ohnehin schon sehr gute Vorwoche noch übertroffen worden.

Verkaufswelle in Emerging Markets-ETFs

Die Tendenz ist klar: bloß keine Schwellenländer. Wegen steigender Zinsen in den USA, politischer Unruhen in Ländern wie Thailand, der Türkei und Ägypten sowie enttäuschendem Wachstum, etwa in China, wenden sich Anleger von den Emerging Markets ab. Die Währungen fallen auf immer neue Tiefs. Differenziert wird nicht mehr: „Verkauft werden die breit aufgestellten MSCI Emerging Markets-ETFs (WKNs DBX1EM, A0HGZT, LYX0BX)“, berichtet Kleefeld. Aber auch einzelne Länder, selbst der „ehemalige Liebling“ Vietnam (WKN DBX1AG), würden abgestoßen. Flow Traders zufolge werden Gelder aus dem Lyxor MSCI AC Asia-Pacific ex Japan (WKN LYX0AB) und db x-trackers MSCI AC Asia ex Japan (WKN DBX1AE) abgezogen. Auch die Commerzbank ( Zum Testbericht) berichtet von Abgaben. „Ausverkaufsstimmung herrscht bei uns aber nicht. Die Umsätze sind sowieso nicht so hoch wie sie einmal waren.“

Schwellenländer-Tracker hatten bereits 2013 herbe Verluste verzeichnet, 2014 hat sich die Talfahrt beschleunigt. Auf Sicht von einem Jahr kommt zum Beispiel der db x-trackers MSCI Emerging Markets mittlerweile auf ein Minus von 12 Prozent. Zum Vergleich: Der umsatzstarke iShares DAX hat im selben Zeitraum um 19 Prozent zugelegt.

US-Markt Potenzial zugetraut

Dagegen werden viele Industrieländer-ETFs gekauft – vor allem die USA gilt offenbar als zukunftsträchtig. Investoren setzen etwa auf S&P- und MSCI USA-ETFs. Kleefeld sieht darüber hinaus auch Interesse an Euro Stoxx 50- (WKN DBX1ET) und MSCI World-Trackern (WKN DBX1MW). Sattler zufolge steigen Investoren in DAX-, Euro Stoxx- und Stoxx Europe 50-ETFs (WKNs ETFL01, ETFL02, ETFL06, ETFL23, ETFL25) ein, aber auch im HSBC MSCI USA (WKN A1C22K) sowie Volatilitäts-Indexfonds wie dem ETFX-BofAML IVSTOXX (WKN A1H81B), der von der gestiegenen Volatilität profitiert.

Verkauft werden laut Commerzbank hingegen MSCI Japan-ETFs. Sengfelder hat ebenfalls Zuflüsse in US-Aktien (WKNs LYX0FS, A0F5UF) registriert, in vielen anderen großen Indizes aber Abflüsse, etwa im iShares MSCI World (WKN A0HGZR), im iShares Stoxx Europe 600 (WKN 263530), im iShares DAX (WKN 593393) und iShares Euro Stoxx (WKN 593395).

Lieber mit Währungsabsicherung

Immer beliebter werden Mohr zufolge währungsgesicherte ETFs: „Da sind in letzter Zeit viele neue Produkte auf den Markt gekommen“, bemerkt der Händler und nennt als Beispiel den UBS MSCI USA 100 Prozent hedged to Euro (WKN A1W5DE). Der Trend wird sich nach Ansicht des Market Makers auch noch fortsetzen: „Da ist immer noch viel Wachstumspotenzial.“

Im Handel mit Branchen-ETFs dominieren, wie häufig, Banken-Indexfonds. „Zusammen mit den Finanzdienstleistern machen sie rund die Hälfte unserer Umsätze aus“, erklärt Mohr. Aktuell werde durchweg verkauft. „Immer wenn Risiken auftauchen, werden Banken-ETFs abgegeben.“

Auch Schwellenländer-Anleihen fliegen raus

Auch im Bereich der Renten-ETFs stehen Schwellenländer-Produkte auf den Abgabelisten. Der Deutsche Bank zufolge trennen sich Anleger vom db x-trackers II Emerging Markets Liquid Eurobond (WKN DBX0AV), der Schwellenländer-Anleihen abbildet. Laut Flow Trades haben an Emerging Markets-Anleihen in Lokalwährungen gekoppelte ETFs die größten Abflüsse zu verschmerzen, etwa der iShares Emerging Markets Local Government Bond (WKN A1JB4Q). Der kommt allein für die vergangenen drei Monate auf einen Wertverlust von 11 Prozent. Hier macht sich neben schwachen Anleihemärkten auch der Verfall vieler Währungen bemerkbar.

Gekauft werden Sengfelder zufolge wieder europäische Staatsanleihen, konkret im Form des Lyxor EuroMTS 5-7Y Investment Grade (WKN LYX0BJ), db x-trackers II iBoxx Sovereigns Eurozone Yield Plus (WKN DBX0HM) und des iShares Euro Aggregate Bond (WKN A0RM44).

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG
© 28. Januar 2014