Start ETF-Marktbericht ETFs: Raus aus japanischen Aktien, rein in türkische

ETFs: Raus aus japanischen Aktien, rein in türkische

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Mit breiten Aktienindizes setzen Anleger auf weiter steigende Kurse. Allerdings nicht von japanischen Werten – hier lautet die Devise aktuell Ausstieg.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das Vertrauen in weiter steigende Aktienmärkte scheint trotz der jüngsten Konsolidierung ungebrochen. „Gerade bei Trackern der breiten Indizes MSCI World (WKNs DBX1MW, LYX0AG, A0HGZR), Stoxx 600 (WKN 263530) und Euro Stoxx 50 (WKNs 593395, ETFL02) kaufen Anleger zu“, meldet Jörg Sengfelder von Flow Traders in Amsterdam. Martina Schröttle von der Commerzbank bestätigt: „In Aktien-ETFs sehen wir tendenziell mehr Zuflüsse. Ganz vorne dabei sind der Euro Stoxx 50 und der Stoxx 600. Beim DAX (WKNs 593393, DBX1DA, ETFL01) halten sich Käufe und Verkäufe indes weitestgehend die Waage“, fasst die Händlerin zusammen. Insgesamt sei auch das Handelsvolumen immer noch ordentlich. „Es ist zwar nicht mehr so viel los wie noch vor ein paar Wochen und man merkt, dass für den ein oder anderen die Urlaubszeit schon begonnen hat. Aber wir liegen auf Wochenbasis noch gut im längerfristigen Durchschnitt“, erklärt Sengfelder.

Rückflüsse bei Japan-ETFs

Deutliche Rückflüsse beobachten die Händler indes in Japan-ETFs. „Im Mai neigten viele Anleger noch dazu, die niedrigeren Kurse zum Einstieg zu nutzen. Nachdem der japanische Aktienmarkt am vergangenen Donnerstag dann schon wieder so abgesackt ist, haben einige aber offenbar doch kalte Füße bekommen“, meint Schröttle und beobachtet sowohl in den währungsbesicherten ETFs (WKN A0H53P) als auch in den ETFs ohne Devisen-Hedge (WKNs A0DPMW) starke Rückflüsse. Ähnliches meldet auch Sengfelder, genauso wie Aysun Cifci von der DekaBank: „Vor allem seit vergangenem Donnerstag gehen Investoren massiv aus Japan raus“, weiß die Händlerin.

Schnäppchenjäger in Türkei-Produkten

Im Gegensatz dazu stehen Tracker türkischer Aktienindizes wie schon in der Vorwoche weiter auf den Einkaufslisten. „Etwa im Lyxor ETF Turkey (WKN LYX0AK) ist zu beobachten, dass sich Kunden nach dem Kurseinbruch vor zwei Wochen wieder eindecken. Die Krise wird offenbar als Chance gesehen“, berichtet Sengfelder. Auch die DekaBank spricht von Gelegenheitskäufen. „Allerdings ist die Euphorie nicht mehr ganz so groß wie vergangene Woche. Offenbar wollen da einige noch schnell auf den Zug aufspringen, die den Einstieg direkt nach dem Kurseinbruch verpasst haben. Dennoch: Die Lage in der Türkei hat sich seit der vergangenen Woche verschlechtert und es bleibt äußerst spannend, was dort noch passiert“, kommentiert Cifci die bereits seit Wochen andauernden Massenproteste gegen die türkische Regierung und das scharfe Vorgehen von Ministerpräsident Erdogan gegen Demonstranten. Gefragt ist laut Cifci neben dem Lyxor-ETF auch der MSCI Turkey ETF von iShares (WKN A0LGQN).

Wenig Interesse haben Investoren nach wie vor an breiteren Schwellenländer-ETFs. „Ähnlich wie in der Vorwoche sind Emerging Markets aus den Portfolios geflogen“, meldet Cifci und verweist beispielhaft auf den MSCI Emerging Markets Index UCITS ETF von db x-Trackers (WKN DBX1EM) oder den ETFlab MSCI Emerging Markets (WKN ETFL34). Schröttle bestätigt: „Schwellenländer-ETFs stehen immer noch unter deutlichem Abgabedruck, etwa der iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT).“

Laut Flow Traders hat sich der Verkaufsdruck seit der vergangenen Woche wieder abgemildert. „Wir sehen in Schwellenländer-Fonds ein relativ ausgeglichenes Bild, mexikanische (WKN 911578) und indonesische Aktien (DBX0EU) werden sogar überwiegend gekauft“, fasst Sengfelder zusammen.

Renten-ETFs unter Druck

Anleihen-Indexfonds sind in den vergangenen Tagen überwiegend abgestoßen worden, melden die Händler. Sengfelder beobachtet deutliche Rückflüsse in europäische Staatsanleihen und vor allem in Emerging Market Bonds (WKNs A0RFFT, LYX0L0, A1JJTV). Die Commerzbank berichtet ebenfalls von einem Verkaufsüberhang europäischer Staatsanleihen, insbesondere des iShares Barclays Euro Government Bond 1-3 (WKN A0J21A).

Bei Unternehmensanleihen sind Anleger laut Cifci aus Hochzinsanleihen (WKN A0YEEZ) tendenziell eher ausgestiegen. Gekauft würden dagegen Tracker von Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzsektors, wie etwa der iShares Barclays Euro Corporate Bond ex-Financials (WKN A0YEEX) oder der ETFlab iBoxx € Liquid Non-Financials Diversified (WKN ETFL38).

Immobilen-Sektor uneinheitlich

Unter den Sektoren beobachtet Sengfelder überdurchschnittliche viele Käufe im iShares Stoxx Europe 600 Real Estate Cap (WKN A0Q4R4). Die Commerzbank verzeichnet hingegen überwiegend Abgaben im Immobilen-Sektor (WKN ETF074). Käufe meldet Schröttle für die Sektoren Gesundheit und Technologie.

© 18. Juni 2013/Karoline Kopp

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