Start ETF-Marktbericht ETFs: Rege Nachfrage nach Bluechip-Fonds

ETFs: Rege Nachfrage nach Bluechip-Fonds

79
Hong Kong Skyline

Steigende Aktienkurse locken Anleger in ETFs, die DAX und Euro Stoxx abbilden, allerdings gibt es auch bereits erste Gewinnmitnahmen. Zudem wird intensiv nach Alternativen bzw. Nischen gesucht.

Die gute Laune an den Aktienmärkten sorgt auch im Handel mit Indexfonds für rege Umsätze. Vor allem Bluechip-ETFs sind angesichts der bislang positiv laufenden Quartalsberichtssaison gefragt. „Bei Aktien wird im Moment alles gekauft“, erläutert Eric Wiegand von der Deutschen Bank und verweist auf nochmals gestiegene Volumina. Als „sehr gut“ beschreibt auch Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht) die aktuelle Stimmung.

Befeuert durch die besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen von Alcoa und zuletzt auch Philips sowie neuer Jahreshöchststände beim DAX legen sich Anleger vor allem ETFs auf das deutsche Aktienbarometer (WKNs 593393, DBX1DA, ETF001) und den DJ Euro Stoxx 50 (WKNs 593395, DBX1EU, ETF050) ins Portfolio. Anhänger finden auch weiterhin gehebelte Produkte, etwa der Lyxor ETF Leveraged DJ Euro Stoxx 50 (WKN LYX0BZ) und der Lyxor ETF LevDAX (WKN LYX0AD), wie Marco Salaorno von der Société Générale berichtet.

Allerdings gibt es auch bereits Gewinnmitnahmen, besonders beim DJ Euro Stoxx 50, erklärt Bernardus Roelofs von Flow Traders. Der sei zuletzt besser gelaufen als der MSCI Europe und der DJ Stoxx 50, die beide ebenfalls europäische Unternehmen abbilden. „Die Anleger fragen sich zunehmend, wie es weiter geht“, erklärt Roelofs.

MDAX-ETF sehr begehrt

Gleichzeitig hat sich die Suche nach attraktiven Nischen jenseits von DAX intensiviert. Auffällig sind die hohen Umsätze im Fonds auf den Midcap-Index MDAX von iShares (WKN 593392) in den vergangenen fünf Tagen. Händler berichten einhellig von einem großen Kundeninteresse. Der ETF kann auf Sicht von sechs Monaten mit einem Plus von gut 50 Prozent aufwarten, bzw. 26 Prozent in 12 Monaten. Das ist deutlich mehr als bei seinem dem DAX folgenden iShares-Pendant (WKN 593393), der lediglich rund 27 in sechs Monaten und knapp 13 Prozent in 12 Monaten erreicht hat.

Hausse hat nicht nur Anhänger

Skeptiker gibt es aber auch noch, sie setzen weiter auf Short-Produkte. Hier wird ebenfalls vor allem dem DJ Euro Stoxx 50 misstraut, etwa berichtet Eric Wiegand von einer hohen Nachfrage nach Short-ETFs auf den europäischen Index (WKN DBX1SS). „Einige Anleger stellen sich offenbar auf eine Korrektur ein“, vermutet Wiegand. Die Commerzbank ( Zum Testbericht) sieht hingegen nur ein geringes Interesse an Short-Produkten. „Allenfalls wollen Kunden mit Long-Produkten short gehen“, erläutert Frank Mohr.

China-ETF und Indien-ETF finden Anklang

Daneben bleiben Emerging Markets, Sektoren und Währungsanlagen ein Thema, wie auch die Deutsche Bank feststellt. Bei den Schwellenländern konzentrierten sich Investoren vor allem auf China und Indien sowie auf breite Indizes. Gesucht war zum Beispiel der db x-trackers S&P Select Frontier ETF (WKN DBX1A9), der die Entwicklung von Unternehmen unterschiedlichster Schwellenländer nachvollzieht. „Kunden engagieren sich weiter stark in den Emerging Markets“, meint auch Marco Salaorno, besonders begehrt seien Russland-, Indien-, China- oder Osteuropa-ETFs.

Wieder Trend zu defensiven Branchen?

Bei den Sektoren ergibt sich kein einheitliches Bild. Zahlreiche Anleger favorisieren Roelofs zufolge schon wieder defensive Branchen. Er berichtet von umfangreichen Käufen in den Bereichen Healthcare (WKN LYX0AS), Lebensmittel und Getränke (WKN LYX0AR), Telekommunikation (WKN LYX0A1) sowie Versicherungen (WKN LYX0AQ). Der Medien-ETF von iShares (WKN 628942) sei hingegen abgegeben worden. Wiegand bestätigt das Interesse an Healthcare-ETFs (WKN DBX1SH), daneben fänden aber auch Indexfonds Anklang, die die Entwicklung von Unternehmen der Grundstoff- (WKN DBX1SB) sowie der Öl- und Gasindustrie wiedergeben (WKN DBX1SG). Salaorno zufolge gab es bei den Grundstoffen (WKN LYX0AX) im Rahmen von Sektorrotationen aber eher Abgaben, bei den Banken (WKN LYX0AP) Zu- und Verkäufe.

Währungs-ETFs laufen weiter gut

Wie in der vergangenen Woche spielten Investoren mit dem Currency Valuation ETF (WKN DBX1AW) unter- und überbewertete Währungen gegeneinander aus. Der Index bildet eine Strategie ab, bei der Dreimonats-Terminkontrakte auf unterbewertete G10-Währungen gekauft und Drei-Monats-Terminkontrakte auf überbewertete G10-Währungen verkauft werden.

Ruhiger Handel mit Renten-ETFs

Bei den Renten-Indexfonds verläuft der Handel weiter ruhig. „Cash-ETFs werden weiter abgegeben“, meldet Marco Salaorno. Auf der Verkaufsliste stehen etwa die beiden Geldmarktfonds ETF Euro Cash (WKN LYX0B6) von Lyxor und der db x-trackers II Eonia TR (WKN DBX0AN) von der Deutschen Bank. Das ist kaum verwunderlich: Etwa hat letzterer auf Sicht von sechs Monaten nur eine magere Rendite von 0,19 Prozent eingefahren. Daneben werden bei Renten-ETFs auch Short-Positionen eingegangen, wie Wiegand erläutert. Neueinstiege gibt es außerdem bei ETFs auf höher verzinste Unternehmensanleihen, wie etwa dem Lyxor ETF Euro Corporate Bonds (WKN LYX0EE).

©Dorothee Liebing. Der ETF-Marktbericht wurde dem Deutsche Börse Fondsnewsletter entnommen.