Start ETF-Marktbericht ETFs: Rosinenpickerei

ETFs: Rosinenpickerei

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Während europäische Aktien mal gekauft, mal verkauft werden, wird in US-Aktien tendenziell Kasse gemacht. Gleichzeitig setzt sich die Suche nach besser laufenden Branchen fort.

6. Mai 2014. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Mit dem Zickzackkurs der europäischen Aktienpreise präsentiert sich auch der ETF-Handel uneinheitlich. Auffällig ist das anhaltend hohe Interesse an Sektor-ETFs, wie Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) und Gregor Hamme von der Unicredit Group feststellen. „Wegen der Seitwärtsbewegung im DAX oder Euro Stoxx 50 wird auf Branchen gesetzt, von denen man sich eine überdurchschnittliche Entwicklung erhofft“, meint Hamme. Bedingt durch den Maifeiertag, den viele für ein verlängertes Wochenende genutzt haben, fiel die vergangene Woche eher ruhig aus, der Feiertag am gestrigen Montag in Großbritannien tat ein Übriges.

Überrendite gefragt

Geschürt wird das Interesse an Branchen-ETFs auch durch viele Quartalsberichte: Allein in Deutschland legt in dieser Woche die Hälfte aller DAX-Konzerne die Bücher offen. Dazu kommen diverse Übernahmeversuche: General Electric und Siemens buhlen um Alstom, Pfizer will AstraZeneca kaufen. Bartels zufolge werden ETFs, die die Entwicklung Preisentwicklung der Gesundheits- sowie der Öl- und Gasbranche wiedergeben (WKNs A0Q4R3, DBX1SG), gekauft, Aktien der Reise- und Freizeit- sowie Autobranche (WKNs ETF078, LYX0AN) dagegen abgestoßen.

Hamme meldet Zuspruch für Telekommunikations-Indexfonds, konkret für den iShares Euro Stoxx Telecommunications (WKN 628931). „Viel Musik“ beobachtet er auch in der Öl- und Gasbranche, anders als bei Bartels würden in seinen Orderbüchern allerdings „beide Seiten gespielt“. Öl- und Gas-Aktien sind sehr gut gelaufen, der iShares Stoxx Europe 600 Oil & Gas (WKN A0H08M) kommt für die vergangenen drei Monate immerhin auf ein Plus von 13 Prozent. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangene Woche steht der Indexfonds auf dem fünften Platz – ungewöhnlich weit oben für einen Branchen-ETF.

Goodbye America

Unterdessen nutzen Anleger die neuen Rekordstände der US-Indizes für Gewinnmitnahmen, wie Jörg Sengfelder von Flow Traders berichtet. Betroffen sei etwa der iShares S&P 500 (WKN 264388). Gemischter falle das Bild bei europäischen Aktien aus: Während bei Antielen an Stoxx Europe 600 (WKN 263530) und MSCI Europe-ETFs (WKN A0M5X2) Zuflüsse dominierten, seien es im Euro Stoxx 50-ETF (WKN 593395) Abflüsse. In den Portfolios landen Sengfelder zufolge auch wieder japanische Aktien – sowohl mit als auch ohne Währungsabsicherung (WKN DBX1MJ).
Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) konzentrieren sich Anleger auf DAX-ETFs. Vergleichsweise viel Umsatz gebe es auch in Minimum Variance-Produkten, etwa im Ossiam US Minimum Variance (WKN A1JH1Y9) und im Ossiam Emerging Markets Minimum Variance (WKN A1JPU9). „Diese Produkte werden strategisch genutzt, jetzt stehen sie eher auf den Abgabelisten.“ Bei Minimum Variance-ETFs werden Aktien zusammengestellt, die in puncto Rendite, Volatilität und Korrelation das geringste Risiko tragen.

Arrivederci und Adiós: Weg mit italienischen und spanischen Staatsanleihen

Ein echter Trend ist im Handel mit Anleihen-ETFs nach wie vor nicht auszumachen. Zugegriffen wird bei Hochverzinslichem, aber auch bei Staatsanleihen, die wenig abwerfen. Ausgeglichen ist Bartels zufolge das Geschäft mit europäischen Unternehmensanleihen (WKN DBX0EY), deutsche Staatsanleihen kürzerer Laufzeit würden gekauft und solche mittlerer (WKN ETFL19) und längerer verkauft. „Anhänger finden vor allem Unternehmensanleihen“, bemerkt Ciriaco Carrozino von der Unicredit Group. „Mit den Volumina im vergangenen Jahr ist das aber nicht zu vergleichen.“ Sengfelder berichtet von Käufen in europäischen Staatsanleihen mit mittlerer (WKN DBX0AF) und langer Laufzeit (WKN DBX0AJ) sowie hochverzinslichen Corporate Bonds (WKN A1C8QT) und Verkäufen in kurzlaufenden Staatsanleihen (WKN A0J21A) sowie Pfandbriefen (WKN 263526).

Gewinnmitnahmen gibt es bei Flow Traders zudem in den zuletzt so beliebten italienischen und spanischen Staatsanleihen (WKNs A1J0BF, A1J0BH). Die befinden sich seit dem vergangenen Sommer im Aufwind, etwa kommt der iShares Italy Government Bond auf Sicht von sechs Monaten mittlerweile auf ein Plus von 6,2 Prozent, der iShares Spain Government auf 6,4 Prozent – für Renten-ETFs sehr hohe Renditen.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG

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