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ETFs: Short-Produkte begehrt

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Vor dem Hintergrund deutlich sinkender Kurse verkaufen Anleger ihre Aktien-ETFs und engagieren sich wieder bei Rentenprodukten. Zu den Verlierern gehören auch Schwellenländer- und Sektorenfonds. Alternative Anlageklassen bleiben hingegen gesucht.

Der Stimmungsumschwung an den Kapitalmärkten hinterlässt auch beim Handel mit Indexfonds seine Spuren. „Die Nervosität ist groß“, berichtet Bernardus Roelofs von Flow Traders und verweist auf den in den vergangenen Tagen deutlich gestiegenen Volatilitätsindex VDAX.

Bluechip-ETFs auf Verkaufsliste

Angesichts fallender Aktienkurse – immerhin hat der DAX in gut einer Woche rund 400 Punkte verloren – greifen Anleger gerne zu Short-Produkten. Gefragt sind vor allem der db x-trackers Short Dax (WKN DBX1DS) und der db x-trackers DJ Euro Stoxx 50 Short (DBX1SS). Die Long-Produkte, die in den vergangenen fünf Handelstagen neben den Short-Produkten wie üblich die Umsatzrenner an der Börse Frankfurt waren, standen nach Einschätzung der meisten Marktteilnehmer hingegen auf den Verkaufslisten. Abgegeben wurden etwa der db x-trackers DAX (WKN DBX1DA), der iShares DAX (593393), der iShares DJ Euro Stoxx 50 (WKN 593395), der Comstage DAX (ETF001) und der db x-trackers DJ Euro Stoxx 50 (WKN DBX1EU). „Es gibt aber durchaus auch Investoren, die kleinere Mengen zukaufen“, erklärt Roelofs. Das seien allerdings nur sehr wenige.

Nebenwerte abgestoßen

Laut Eric Wiegand von der Deutschen Bank schlagen sich die absackenden Aktienkurse allerdings weniger im Verkauf von Bluechip-Indexfonds nieder, vielmehr verabschiedeten sich die Anleger von Branchen- und Emerging Markets-ETFs: „Die Kunden wollen nahe an der Benchmark investiert bleiben“, meint er. Abgestoßen werde allerdings der db x-trackers Russell 2000 ETF (WKN DBX1AB), der die Entwicklung von US-Nebenwerten wiedergibt.

Anleger meiden Bankaktien

Bei den Branchen-ETFs steht der Bankensektor in der Anlegergunst derzeit ziemlich weit unten. „Hier wirken sich noch die geplante Kapitalerhöhung der ING mit Bezugsrecht sowie Sorgen um mögliche Aufspaltungen der Banken aus“, erläutert Roelofs. Beispiele seien neben der ING noch Commerzbank ( Zum Testbericht) und Royal Bank of Scotland.

Die Deutsche Bank berichtet daneben auch von Verkäufen in den Bereichen Telekommunikation, Health Care und Grundstoffe. Laut Gregor Hamme von Unicredit waren neben den Banken (WKN 628934) insbesondere ETFs mit Versicherungsaktien (WKN 628941) wenig beliebt. Außerdem habe es noch Umschichtungen heraus aus dem Bausektor, konkret dem iShares DJ Stoxx 600 Construction & Materials (WKN 634474), hinein in die Branchen Grundstoffe sowie Lebensmittel und Getränke gegeben, konkret den iShares DJ Stoxx 600 Basic Resources (WKN 634472) und den iShares DJ Stoxx 600 Food & Beverage (WKN 634478).

Verlierer Emerging Markets

Ganz klar auf der Verliererseite stehen aktuell Emerging Markets-ETFs, hier macht sich die wieder gewachsene Risikoscheu bemerkbar. „Im Moment verkaufen alle“, meint etwa Stefano Valenti von Unicredit. Betroffen seien vor allem ETFs, die die Entwicklung breiter Schwellenländerindizes widerspiegeln, speziell aber auch ETFs mit indischen und türkischen Aktien. Die DekaBank hat Verkäufe von Taiwan- und Brasilien-ETFs beobachtet, Eric Wiegand nennt umfangreiche Verkäufe von Asien-ETFs.

„Sichere“ Rentenprodukte wieder gefragt

Spiegelbildlich entwickelt sich die Nachfrage nach Rentenprodukten. Aufgrund explodierender Aktienkurse lange geschmäht, legen sich Anleger mittlerweile wieder gerne „sichere“ Renten-ETFs ins Portfolio. Flow Traders berichtet von einem gestiegenen Interesse an Langläufern wie im Lyxor ETF EuroMTS 10-15Y (WKN A0DM6N). „In Erwartung steigender Zinsen positionieren sich Anleger schon jetzt“, erläutert Roelofs. Beliebt waren daneben auch der ETFlab Deutsche Börse Eurogov Germany Money Market (WKN ETFL22) und der Kurzläufer abbildende ETFlab iBoxx Liquid Sovereign Diversified 1-3 (WKN ETFL12), wie Mark Schönbrodt von der DekaBank ergänzt.

Auch alternative Assets gesucht

Im Übrigen haben aber auch alternative Anlagen weiter ihre Fans. „Es gibt sehr viel Aktivität bei Hedgefond- und Rohstoff-ETFs“, beobachtet Eric Wiegand und nennt als Beispiele den db x-trackers db Hedge Fund Index ETF (WKN DBX1A8) und den db x-trackers DBLCI-OY Balanced ETF (WKN DBX1LC). „Die geringere Korrelation mit dem Aktienmarkt und niedrige Volatilität machen Hedgefonds-Produkte für Kunden interessant“, erklärt er. Investoren, die auf Rohstoffprodukte setzen, wollen sich seiner Einschätzung nach gegen die Inflation wappnen bzw. sehen noch Potenzial bei den Rohstoffnotierungen.

Der ETF-Marktbericht ist dem Börse Frankfurt Fondsnewsletter entnommen. Autor: Anna-Maria Borse

 

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