Start ETF-Marktbericht ETFs: Stabiles Hoch

ETFs: Stabiles Hoch

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Für die letzten Monate dieses Jahres erwarten viele Anleger offenbar einen Kursanstieg und decken sich ein, vor allem mit europäischen Aktien.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach dem Beben an den Börsen im August und September ist Ruhe eingekehrt, der Oktober präsentiert sich insgesamt freundlich. Der DAX hält sich weiter über der 10.000 Punkte-Marke, am Dienstagmittag liegt der Index bei 10.106 Zählern.

„Viele Anleger rechnen mit einer Jahresendrallye und positionieren sich in DAX-Trackern“, erklärt Ralf Bendig von der ICF Bank. Auch Andreas Bartels von der Commerzbank ( Zum Testbericht) meldet einen eindeutigen Käuferüberhang, und zwar über alle Anlageklassen hinweg. „Allerdings war die vergangene Woche mit nur 25.000 Transaktionen unterdurchschnittlich.“ Gregor Hamme von der Unicredit Group berichtet von deutlich zurückgegangenen Umsätzen, aber tendenziell Zuflüssen. „Am gestrigen Montag haben wir nur Käufe gesehen, in sämtlichen Aktien- und Anleihen-ETFs, allerdings auf wirklich niedrigem Niveau.“

DAX punktet

Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) konzentrierten sich Anleger vor allem auf deutsche und europäische Aktien. „Hier gab es ganz klar Zuflüsse, wenn auch auf kleinerer Flamme“, bemerkt Bartels.

Bei der ICF Bank wird auf den Deka DAX (WKN ETFL01) gesetzt. Sehr beliebt sind Bendig zufolge außerdem dreifach gehebelte ETNs von ETF Securities wie der ETFS 3x Daily Long DAX 30 (WKN A1YKTG) und der ETFS 3x Daily Short DAX 30 (WKN A1YKTK). „Damit werden kurzfristige Bewegungen gespielt.“

Eher auf den Verkaufslisten standen bei der Commerzbank S&P 500- und MSCI World-Tracker, ebenso Schwellenländer-ETFs. Als auffällig bezeichnet Bartels umfangreichere Käufe im ishares MSCI Australia (WKN A0YJ80). Hamme meldet unterdessen für Euro Stoxx-Tracker Zu- und Abflüsse gleichermaßen, etwa im Amundi Euro Stoxx 50 (WKN A0REJL) und im iShares Core Euro Stoxx 50 (WKN A0YEDJ). „Defensives ist nicht mehr so gefragt“, stellt der Händler außerdem fest. Minimum Volatility- und Dividendenstrategie-ETFs würden abgegeben, dafür landeten „normale“ Index-Tracker in den Portfolios. Er nennt als Beispiel Verkäufe im iShares MSCI Europe Minimum Volatility (WKN A1KB2C) und im SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats (WKN A1JT1B).

Asiatische Aktien nicht mehr tabu

Vergleichsweise umsatzstark zeigen sich an japanische Aktien gekoppelte Indexfonds, wie Hammes Kollege Stefano Valenti berichtet. „Eine klare Richtung gibt es aber nicht.“ Nach der jüngsten Verkaufswelle fänden sich allerdings jetzt auch wieder Käufer. In breit aufgestellten Asien-Portfolios wie dem db x-trackers MSCI EM Asia (WKN DBX1MA) und dem Pendant von Amundi (WKN A1H918) hat Valenti sogar einen eindeutigen Käuferüberhang beobachtet. „Es wird wieder zugegriffen.“ Von chinesischen Titeln hielten sich Investoren hingegen weiter fern. Beide Seiten gespielt würden in anderen Emerging Markets-Titeln, etwa aus Lateinamerika, Russland oder der Türkei.

Autobranche im Visier

Umsatzrenner unter den Branchen-ETFs waren bei der Commerzbank eindeutig Indexfonds, die die Autobranche abbilden. „Dabei notiert die VW-Aktie wieder unter 100 Euro“, wundert sich Bartels. Auch die Gewinnwarnung des Autozulieferers Leoni, die vergangene Woche für einen heftigen Kursrutsch gesorgt hatte, störte Anleger offenbar nicht. „Die Kurse werden als Einstiegskurse gesehen.“ Die Branche hat sich von ihren Tiefs Ende September bereits etwas erholen können, so haben sich Anteile am iShares Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts (WKN A0Q4R2) seitdem um 12 Prozent verteuert. Die Niveaus vor dem Einbruch sind aber noch nicht wieder erreicht. Auf Dreimonatssicht kommt der ETF auf ein Minus von 17 Prozent, auf Sechsmonatssicht auf ein Minus von 22 Prozent.

Bei der Unicredit entschieden sich Anleger für Banken-ETFs wie dem iShares Stoxx Europe 600 Banks (WKN A0F5UJ). „Besonders gute Nachrichten gab es aus der Branche allerdings nicht“, stellt Hamme fest. „So haben die US-Banken für das dritte Quartal nicht gerade berauschende Zahlen vorgelegt.“

Bundesanleihen gesucht

Für den Bereich der Anleihen-ETFs meldet Bartels Abgaben im ComStage Bund-Future Short (WKN ETF562), mit dem Anleger auf einen fallenden Euro-Bund-Future setzen können, und Käufe von ETFs, die an deutsche Staatsanleihen gekoppelt sind. „Hier waren alle Laufzeiten gefragt.“ Der Euro-Bund-Future, ein wichtiger Indikator für die langfristigen Zinserwartungen, ist zuletzt wieder gestiegen, da für die Eurozone mit einer Ausweitung der Anleihekäufe und für die USA mit einer Verschiebung der Zinserhöhung gerechnet wird.

Von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG


© 20. Oktober 2015

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