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ETFs: Mit Vorsicht genießen

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Die Aussicht auf noch mehr billiges Zentralbankgeld beflügelt die Nachfrage nach europäischen Standardwerten, gleichzeitig nutzen Anleger die Verschnaufpause zuweilen zum Ausstieg.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Für Aktienanleger trägt der Oktober mit einem DAX-Plus von über 13 Prozent bislang ordentliche Früchte. Selbst nach dem rasanten Aufstieg in der vergangenen Woche gelingt es dem deutschen Aktienindex, sich in etwa auf dem erreichten Niveau zu halten. Der Schwung ist allerdings erst einmal raus, am Dienstagmittag bewegt sich das hiesige Aktienbarometer unter der Marke von 10.800 Punkten.

Viele ETF-Anleger sind auf den fahrenden Zug aufgesprungen und positionierten sich Händlern zufolge insbesondere in Aktien-ETFs. „Bis zur EZB-Verkündung war bei uns wenig los“, beschreibt Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht), der diese Phase als „Ruhe vor dem Sturm“ bezeichnet. Der Löwenanteil der auf Wochensicht insgesamt eher unterdurchschnittlichen 23.000 ETF-Trades sei am Donnerstag und Freitag umgesetzt worden. Im Vordergrund stünden dabei mit 60 Prozent die Käufe.

Comeback der Schwellenländer-Aktien?

Dag Rodewald meldet eine eher beschauliche Woche ohne erkennbaren Trend. „Das gilt für den ganzen Oktober.“ Anleger nähmen zumeist nur kleine Anpassungen in ihrem Portfolio vor. Es gebe aber auch Ausnahmen. Etwa verbucht der Händler der UBS gute Zuflüsse beim in US-Dollar notierten MSCI Emerging Markets-ETFs (WKN UB42AA).

Auch der seit einigen Monaten beliebte UBS MSCI World Socially Responsible-Tracker (WKN A1JA1R) werde weiterhin nachgefragt. Die Auswahl der Unternehmen für den Index unterliegt dabei ethisch-ökologischen Kriterien. Firmen, die ihr Geld etwa mit Agrar-Gentechnik, ABC-Waffen, Atomkraft oder Glücksspiel verdienen oder gar von Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen profitieren, sind demnach außen vor. Langfristig investierte Anleger kommen in den vergangenen drei Jahren immerhin auf ein Plus von 36,89 Prozent auf US-Dollar-Basis. In den vergangenen sechs Monaten schreibt der Index allerdings Verluste.

Für Marco Salaorno von der Société Générale stehen ETFs mit Schwellenländer-Aktien generell wieder stärker im Anlegerfokus. „Spätestens seit der jüngsten Zinssenkung Chinas in der vergangenen Woche ist wieder mehr los.“ Etwa interessierten sich die Kunden der französischen Großbank vermehrt für den Lyxor ETF China Enterprise (WKN A0F5BW), der in Summe abgegeben worden sei.

Verstärkt in den Depots lande hingegen der marktbreite MSCI Emerging Markets-Tracker von iShares (WKN A0HGWC). Aktienpakete einzelner Länder etwa im Luxor ETF Brazil (WKN LYX0BE) kämen ebenfalls gut an und würden in Summe gekauft.

Anleger sind hin- und hergerissen

Nach Ansicht von Atakan Sahin trauen Anleger dem rasanten Anstieg an den Aktienmärkten nicht so recht über den Weg. Zwar seien Indextracker aus der ETN-Klasse wie ein zwei- (WKN A0X899) und dreifach gehebelter DAX-ETN (WKN A1YKTK) als Reaktion auf die Aussicht auf noch mehr billiges EZB-Geld zunächst gekauft worden. „Mittlerweile dominieren aber die Verkäufe“, berichtet der Händler der ICF Bank. Parallel dazu verabschiedeten sich Investoren Ende der Woche unterm Strich von einem gehebelten Short-ETF auf den Euro Stoxx 50. „Auch hier hat sich das Bild wieder gewendet.“

Deutsche Mittelständler im MDAX (WKN ETFL44) würden fast ausschließlich gekauft. “ Der 50 hiesige Aktien umfassende Mid-Cap-Index überzeugt seit Anfang Oktober mit einem Anstieg um fast 1.700 auf knapp 20.900 Punkte.

Bei den Commerzbank ( Zum Testbericht)-Kunden stehen DAX- (WKN 593393) und Euro Stoxx 50-Tracker (WKN 593395) ganz klar auf der Kaufseite, wie Mohr schildert. Zudem engagierten sich Investoren überweigend im Stoxx Europe 600 (WKN 263530). Ins Bild passten überwiegende Abgaben eines ShortDAX-Produkts (WKN ETF004) aus dem eigenen Haus.

Telekommunikationssektor überzeugt

Ausgelöst durch Fusionsphantasien oder gute Quartalszahlen kämen ETFs mit High-Tech-Aktien aus dem Nasdaq (WKN A0F5UF) und Lebensmittelunternehmen aus dem Stoxx Europe 600 Food & Beverages Lebensmittelbereich (WKN A0H08H) bei den Kunden der Société Générale besonders gut an. Salaorno meldet zudem einen Kaufüberhang für Tracker des Stoxx Europe 600 Telecommunications (WKN LYX0A1). Mit der erneuten Ölpreisschwäche trennten sich Investoren zumeist vom Stoxx Europe 600 Oil & Gas-ETF (WKN LYX0A9). „Vergleichsweise ruhig geht es im Automobilbereich und bei den Versorgern zu.“

Bei der Commerzbank entschieden sich Anleger für Banken-ETFs, die laut Mohr etwa ein Viertel der Umsätze bei Sektor-ETFs auf sich vereinen. „60 Prozent der Orders sind Käufe.“

Hochverzinsliches gefragt

Bei Festverzinslichem stehen laut Salaorno Unternehmensanleihen im Markit iBoxx USD Liquid High Yield Capped Index (WKN A1H5UN) hoch im Kurs. Anleger setzten zudem auf Staatsanleihen von Ländern aus dem Euroraum im iBoxx Sovereign Eurozone Yield Plus (WKN DPX0HM). Rege in beide Richtungen gehandelt würden der iShares Euro Covered Bond (WKN A0RFEE) und der iShares Euro Corporate Bond Large Cap (WKN 251124).

Von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 27. Oktober 2015

 

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