Start ETF-Marktbericht ETFs: Stabilisierung ja, Erholung nein

ETFs: Stabilisierung ja, Erholung nein

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FRANKFURT (Börse Frankfurt). Trotz diverser Erholungsversuche: Richtig vom Fleck gekommen ist der deutsche Aktienmarkt nach dem heftigen Einbruch in den ersten Augustwochen noch nicht. Positive US-Konjunkturdaten und vor allem die Hoffnung auf weitere geldpolitische Maßnahmen, geschürt durch die Rede von Fed-Chef Bernanke am vergangenen Freitag, hatten zwar für einen Kurssprung zum Wochenauftakt gesorgt. Am heutigen Dienstag hat der deutsche Aktienindex allerdings bereits wieder den Rückwärtsgang eingelegt.

Der Grund: Der wichtige europäische Stimmungsindikator Economic Sentiment Index sank von 103,0 Punkten im Vormonat auf 98,3. Das ist der stärkste Rückgang seit über zweieinhalb Jahren. Experten werten das als Indiz für eine spürbare Konjunkturabkühlung im Euroraum.

Im ETF-Handel geht es unterdessen nicht mehr ganz so heiß her wie Anfang des Monats. „Die Umsätze sind aber immer noch überdurchschnittlich“, meint Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). Mittlerweile überwögen auch wieder die Zuflüsse, Mohr berichtet von einem Verhältnis von 58 Prozent Käufen zu 42 Prozent Verkäufen. „Die Investoren bleiben vorsichtig“, kommentiert Sidi Kleefeld von der Deutschen Bank. Beim Kursrutsch am vergangenen Donnerstag habe es wieder viele Abgeber gegeben. „Seit gestern sehen wir eine zaghafte Erholung.“ Laut Gregor Hamme von der Unicredit Group sind die Käufer zwar zurück. „Die Umsätze bleiben aber niedriger.“

Viel los ist daneben nach wie vor bei Rohstoff- und speziell Gold-Produkten. „Gold ist immer wieder ein Thema“, meint Kleefeld. Zuletzt hätten allerdings die Abgaben überwogen. „Bei hohen Umsätzen wird ge- und verkauft“, meldet Mohr und verweist auf den ComStage Commerzbank ( Zum Testbericht) Commodity-ETF (WKN ETF090), den ComStage NYSE Arca Gold Bugs-ETF (WKN ETF091) und den Gold Bullion Securities-ETC (WKN A0LP78).

Kein gutes Jahr für Emerging Markets-ETFs

Bei den Schwellenländer-ETFs ist der Ausverkauf der ersten beiden Augustwochen zwar ebenfalls gestoppt, im Gegensatz zu den Industrieländern ist das Interesse aber noch nicht wieder erwacht. „Es ist sehr ruhig. Die Anleger handeln entweder gar nicht oder sie verkaufen“, berichtet Stefano Valenti von der Unicredit Group. Unter dem Strich seien Abflüsse zu verzeichnen. „Anders als 2010 ist 2011 kein gutes Jahr für die Schwellenländer“, resümiert der Händler. Dieses Jahr konzentriere sich alles auf die USA und Europa. „Die goldenen Zeiten sind vorbei“. „Emerging Markets scheinen im Moment nebensächlich“, meint auch Frank Mohr.

Großes Vertrauen in Deutschland

Die Befürchtung, dass selbst Deutschland an der Eurokrise Schaden nehmen könnte, bestätigt sich im ETF-Markt nicht. Nervöse Anleger setzen weiter gerne auf deutsche Staatsanleihen. „Wir sehen Interesse über alle Laufzeiten hinweg, und das in ordentlichen Stückzahlen“, erklärt Kleefeld und nennt als Beispiel den db x-trackers II iBoxx Euro Germany 1-3 (WKN DBX0C9). Immer mehr Zuspruch finde auch der db x-trackers II iBoxx Euro Sovereigns Eurozone AAA (WKN DBX0FE), ein Rentenfonds mit AAA-Staatsanleihen. Im Gegenzug würden europäische Staatsanleihen-Indexfonds wie der db x-trackers II iBoxx Euro Sovereigns Eurozone 1-3 (WKN DBX0AD) abgestoßen. Mohr registriert bei den Renten-ETFs einen Trend hin zu langlaufenden deutschen Staatsanleihen (WKN ETF522). „Bei den deutschen Langläufern haben wir einen leichten Käuferüberhang, während Laufzeiten von drei bis fünf und eins bis zwei Jahren eher abgegeben wurden“, konkretisiert Mohr. Ein Blick auf die Umsatzliste der Börse Frankfurt zeigt, dass Renten-ETFs derzeit, anders als üblich, eher ein Schattendasein fristen: Unter den 20 meistgehandelten ETFs findet sich – neben einem Geldmarkt-Indexfonds – lediglich ein Renten-Produkt: der iShares eb.rexx Government Germany 1,5-2,5 (WKN 628947).

© 30. August 2011 / Iris Merker

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.