Start ETF-Marktbericht Starke Schwankung belebt Umsätze

Starke Schwankung belebt Umsätze

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Die Verstaatlichung der beiden US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac führt zu schnellen Positionswechseln im Handel mit ETFs. „Die meisten Investoren wurden von der Transaktion, die über das Wochenende vom US-Finanzministerium bekannt gegeben wurde, überrascht.

Den beeindruckenden Wochenauftakt an den Aktienmärkten nutzen sie zur Neupositionierung“, berichten die zuständigen Händler der HypoVereinsbank. Die von professionellen Investoren am häufigsten gehandelten Produkte auf den DAX und DJ EuroStoxx 50 (WKNs 593393 und 593395) verzeichnen einen starken Anstieg des Umsatzvolumens.

Short-ETFs profitieren vom intakten Abwärtstrend

Dennoch rechnen die Akteure mit einer Fortsetzung des bestehenden Abwärtstrends an den Aktienmärkten. „Das ist insbesondere an den Käufen in so genannten Short-ETFs auf große Indizes wie den DAX (WKN DBX1DS) und DJ Euro Stoxx 50 (WKN DBX1SS) abzulesen“, weiß Thorsten Michalik von der Deutschen Bank. Short-ETFs profitieren von einer negativen Wertentwicklung der ihnen zugrunde liegenden Indizes.

Gehebelte ETFs von Tradern gesucht

Marco Salaorno, ETF-Spezialist bei der Société Générale, registriert hingegen anziehende Nachfrage bei gehebelten ETFs. Mit diesen Produkten setzen risikofreudige Investoren kurzfristig auf einen starken Kursanstieg. „Steigt ein Index beispielsweise um zwei Prozent, legt der ETF um vier Prozent zu. Allerdings wirkt der Hebelmechanismus auch nach unten. Es sind also auch überproportionale Verluste möglich. Deshalb sind diese Instrumente hauptsächlich für Trader interessant.“ Gesucht sind der Lyxor ETF LevDAX (WKN LYX0AD) und der Lyxor ETF Lev DJ EuroStoxx 50 (LYX0BZ).

Geldmarkt-ETFs bleiben auf den Kauflisten

Wegen der fortbestehenden Unsicherheit an den Aktienmärkten gehören Geldmarktprodukte nach wie vor zu den Favoriten der Anleger. Gesucht sind der Lyxor Euro Cash (WKN LYX0B6) und der DB X-Trackers II-Eonia Total Return (WKN DBX0AN). Beide Indexfonds sind an eine tägliche rollierende Einlage zum Interbanken-Satz gekoppelt.

Korea, Brasilien und USA mit Erholungspotential

Die überdurchschnittlichen Kursverluste an den asiatischen Märkten in der vergangenen Woche lassen für einige Investoren eine Investition in ETFs mit entsprechender Ausrichtung wieder attraktiv erscheinen. „Von der Erholung in den USA konnte vor allem die Börse in Südkorea profitieren. Da die Wirtschaft des Landes noch stärker als Deutschland vom Export und damit einem intakten Weltwirtschaftswachstum abhängig ist, musste der Index zuvor erhebliche Verluste verkraften. Schnäppchenjäger halten das niedrige Kursniveau für attraktiv und beginnen mit ersten Zukäufen.“ Nachgefragt wird DB X-Trackers MSCI Korea TRN (WKN DBX1K2) und der iShares MSCI Korea (A0HG2L). Stärkere Umsätze verzeichnet auch der DB X-Trackers MSCI World USA (WKN DBX1MU).

Größeres Interesse von Seiten der Investoren verzeichnen nach Auskunft von Marco Salaorno auch wieder Produkte mit lateinamerikanischen Aktien. „Vor allem der brasilianische Aktienmarkt litt in den vergangenen Wochen unter dem Kursverfall bei Rohstoffen und verlor in der Spitze fast 30 Prozent.“ Gesucht sind der Lyxor ETF Brazil Ibovespa (WKN LYX0BE), der Lyxor ETF MSCI Latin America (LXY0B0), der Lyxor ETF MSCI Emerging Markets (LXY0BX) und der DB X-Trackers MSCI Brazil TRN (WKN DBX1MR). Während sich das Lyxor-Produkt am Standardwerte-Index Bovespa orientiert, bildet der ETF der Deutschen Bank den MSCI World Brazil unter Berücksichtigung der reinvestierten Dividenden ab.

Banken überwiegend gefragt, Chemie und Grundstoffe gemieden

Der Kurssprung zu Beginn der Woche hat vor allem die Umsätze in Banken-ETFs belebt. „Die Rettungsaktion für Freddie Mac und Fannie Mae durch das US-Finanzministerium hat die Zuversicht im Hinblick auf eine baldige Lösung der Bankenkrise gestärkt. Die stärkere Regulierung des Bankensektors verringert aus Sicht der Anleger die Wahrscheinlichkeit größerer Pleiten in den USA“, vermutet ein Händler. Gekauft wird der iShares DJ Stoxx 600 Banks (DE) (WKN 628934). Größte Position in dem Index ist die HSBC Holdings mit 12 Prozent, gefolgt von Unicredit und BNP Paribas mit jeweils gut 5 Prozent Gewichtung. Salaorno beobachtet hingegen größere Abgaben beim Lyxor ETF DJ Stoxx 600 Banken (LXY0AP). „Einige kurzfristig orientierte Investoren, die sich nach den Kursverlusten Ende der Vorwoche bullisch positoniert haben, nutzen die Kursaufschläge zu Gewinnmitnahmen.“

Skeptisch stehen Investoren der weiteren Entwicklung im Versorger- und Grundstoffsektor gegenüber. Verkauft wird zum Beispiel der iShares DJ Stoxx 600 Utilities (DE) (WKN 628945) und der iShares DJ Stoxx 600 Basic Resources(DE) (WKN 634472). Laut eines Händlers ist es vor allem der eingeleitete Wirtschaftsabschwung in Europa, der beide Branchen belastet. Die steigenden Gewinne, die die Unternehmen in den Schwellenländern erzielten, könnten die zu erwartenden Rückgänge in Europa nicht ausgleichen.

Schwergewicht im DJ Stoxx 600 Utilities ist die Aktie von E.ON mit einem Anteil von 18,5 Prozent. Auch Suez mit 12,3, Iberdrola mit 8,7 und RWE 7,7 Prozent Anteil gehören zu den großen Positionen. Am DJ Stoxx 600 Basic Resources hat die Aktie von Rio Tinto mit einem Anteil von 22,5 Prozent die höchste Gewichtung, gefolgt von BHP Billiton mit 15,5 Prozent, ArcelorMittal mit 13,9 Prozent und Xstrata mit 9,2 Prozent.

© 9.September 2008/Andreas Wolf
Dieser Beitrag wurde dem Börse Frankfurt Fonds-Newsletter entnommen.

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