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Unternehmen aus den USA stehen bei Investoren hoch im Kurs. Mit Verkäufen und Käufen reagieren ETF-Anleger auf die jüngsten Schwankungen an den Aktienbörsen europäischer Länder.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). In der ersten vollen Handelswoche im neuen Jahr hatten ETF-Händler alle Hände voll zu tun. „Mit rund 38.500 Trades erreichen wir beinahe die Höchststände der vergangenen 12 Monate“, meldet Andreas Bartels. Das etwas geringere verbuchte Volumen erklärt der ETF-Spezialist der Commerzbank ( Zum Testbericht) mit einer größeren Zahl aktiver, kurzfristig orientierter Anleger. Gleichzeitig stünden viele institutionelle Investoren noch an der Seitenlinie. „Immerhin gab es beim DAX Schwankungen von 9.800 auf 9.400 Punkte und wieder zurück.“ Am Morgen überschritt der deutsche Aktienindex erneut die Marke von 9.800 Zählern. Der Anlegerfokus liege klar auf Aktieninvestments, wobei Unternehmen der Industrienationen im Mittelpunkt stünden.

US-Aktien machen das Rennen

Auch bei den Kunden der Société Générale rangieren Portfolios mit westlichen Unternehmen an erster Stelle. Marco Salaorno spricht von großem Interesse an US-Aktien etwa im MSCI Nordamerika (WKNs A0J201), MSCI USA (WKN A0JMFG) und S&P 500 (WKN 622391, A1JX53, DBX0F2). „Hier gab es einen deutlichen Kaufüberhang.“ Euro Stoxx 50- (WKNs ETF001, ETF050) und DAX-Tracker (WKNs 593393, DBX1DA, ETFL01, LYX0AC) würden zwar rege, aber insgesamt ausgeglichen gehandelt. Bei Bartels Kunden liegen US-Konzerne im S&P 500 ebenfalls im Trend. Die Nachfrage nach der gegen den Euro währungsgesicherten Variante (WKN A1H53N) übertreffe anders als üblich die traditionelle Version (WKN DBX0F4) ohne Hedge. „Für beide gibt es aber sehr großen Zuspruch.“

Chinesische Unternehmen überzeugen

Generell rücken ETFs mit Schwellenländeraktien etwas in den Hintergrund, wie Salaorno berichtet. Wenn gehandelt würde, dann trennten sich Investoren meist von ihren Engagements. Aus den Depots raus kämen zum Beispiel Tracker des breiter aufgestellten MSCI Emerging Markets (WKN DBX1EM, A0HGWC). Etwas Bewegung auf der Verkaufsseite verzeichnet der Händler von Produkten auf Einzelländer-Indizes wie den MSCI India (WKN LYX0BA). Eine Ausnahme bildeten Portfolios mit chinesischen Aktien, von denen sich Anleger offenbar mehr versprechen. Salaorno verbucht Zuflüsse bei ETFs, die an den Lyxor ETF China Enterprise (WKN A0F5BW) gekoppelt sind.

Das lange Ende zählt

Den Umsatzanteil von 17 Prozent im Bereich der Anleihen-ETFs bezeichnet Bartels als durchschnittlich. „Insgesamt verbuchen wir in diesem Segment wesentlich mehr Verkäufe als Käufe.“ Der Händler begründet den Trend mit einem Euro-Bund-Future nahe der Höchstmarke und damit verbundenen mageren Renditen. Auf den Verkaufslisten stünden hiesige Kurzläufer mit Fälligkeiten zwischen 1,5 und 2,5 Jahren (WKN 628947) und 3-5 Jahren. Deutsche Langläufer mit Ablauf nach zehn und mehr Jahren (WKN ETFL21) seien gesucht. Staatsanleihen von Ländern aus der Währungsgemeinschaft mit geplanter Rückzahlung in 15 bis 30 Jahren (WKN A0LGQC) landeten ebenso per Saldo in den Anlegerdepots.

Banken gefragt

Im Bereich der Branchen-ETFs greifen Investoren Salaorno zufolge bevorzugt zu Immobilien (WKN LYX0FP, A0Q4R4), während Versorger (WKN LYX0A3) in Summe abgestoßen würden. Bei der Commerzbank ( Zum Testbericht) machen laut Bartels die Banken (WKN 628930) mit einem Anteil von 25 Prozent bei den Sektoren ganz klar das Rennen. „Hier liegen die Käufe mit 55 Prozent vorn.“ Auf beiden Seiten rege gehandelt würden Technologieunternehmen (WKN 628932), gefolgt von ETFs mit Health-Care-Aktien (WKNs DBX0NA, 628933, A0Q4R3). Mit 75 Prozent Verkäufen verabschiedeten sich Investoren in Summe aus dieser Branche.

ETFs immer beliebter

Im Übrigen gab es nach Berechnungen von Bartels im vergangenen Jahr bei der Commerzbank keinen einzigen Monat mit mehr Verkäufen als Käufen. Für Bartels ist dies ein Indiz dafür, dass Exchange Traded Funds von Investoren immer mehr angenommen werden. ETF-Anbieter Source prognostiziert für den europäischen Markt in diesem Jahr gar die Überschreitung der 500 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen in ETFs. Innovative Produkte wie Smart Beta-ETFs würden an Bedeutung gewinnen.

Ein Beispiel für die Kreativität der Industrie ist der seit Montag an der Deutschen Börse handelbare ROBO-STOX Global Robotics and Automation ETF (WKN A12GJD). Damit bietet ETF Securities erstmals Zugang zu Unternehmen mit ausgeprägten Geschäftsaktivitäten im Sektor Robotik. Aufgenommen werden Unternehmen, die an einer anerkannten Wertpapierbörse notiert sind und eine Mindestgröße aufweisen.

von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 13. Januar 2015

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Uwe Görler ist seit dem Jahr 2011 Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“, die Online-Plattform extra-funds.de und diverse Medienprojekte der Isarvest GmbH rund um das Thema ETFs und Robo-Advisors. Davor schrieb der gebürtige Dresdner in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und verfasste Beiträge zu den Themenbereichen Wirtschaft & Finanzen sowie Gesundheit für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.