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Klare Trends fehlen im ETF-Handel derzeit, zu verunsichert sind die Anleger. Kurzfristige Engagements bestimmen den Markt. Nach der Verkaufswelle in den Vorwochen wagen sich einige Investoren aber auch wieder aus der Deckung, speziell bei Schwellenländerfonds.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Griechenlandkrise hat die Märkte weiter fest im Griff, auch die ETF-Investoren zeigen sich nach wie vor orientierungslos. „Es ist allerdings nicht so, dass die Leute alles verkaufen“, urteilt Bernardus Roelofs von Flow Traders. Das Bild bei an Aktienindizes gekoppelte Fonds ist vielmehr gemischt, eine klare Richtung gibt es nicht. Einige Händler berichten von einem leichten Übergewicht der Verkäufe, andere sehen etwas mehr Zukäufe. „Bei den Bluechip-Produkten überwiegen die Abgaben“, meint etwa Frank Mohr von der Commerzbank ( Zum Testbericht). In den vergangenen Tagen hätten die Abflüsse 55, die Zuflüsse 45 Prozent der Umsätze ausgemacht. Marco Salaorno von der Société Générale meldet hingegen einen leichten Überhang bei den Eindeckungen: „Die Zuversicht ist durchaus da, eine extrem negative Sicht können wir nicht ausmachen.“

Lediglich kurzfristige Engagements

„Ausgeglichen“ ist der Handel laut Roelofs, Verkäufe und Käufe hielten sich die Waage. Neben den Sorgen um die hohe Staatsverschuldung Griechenlands habe die zweite geldpolitische Straffung der chinesischen Notenbank zu Ernüchterung geführt. „Es geht im Moment allerdings nur um kurzfristige Engagements, längerfristig orientierte Anleger fehlen ganz“, beschreibt er die aktuelle Situation. Das gilt ihm zufolge sowohl für die europäischen Indizes als auch für die US-amerikanischen, also etwa den iShares DJ Euro Stoxx 50 (WKN 935927), den Lyxor ETF DJ Euro Stoxx 50 (WKN 798328), den iShares DAX (WKN 593393), den iShares S&P 500 (WKN 264388) und den iShares MSCI North America (WKN A0J206). Auch bei Short-Produkten gebe es Ein- und Aussteiger.

Laut Mohr ist auch das Interesse am Japan-ETF der UBS (WKN 794361), bei dem zuvor größere Positionen aufgebaut worden waren, etwas abgeflacht. Dagegen sind Dividendenstrategie-Produkte, etwa der Lyxor ETF DJ Stoxx Select Dividend 30 (WKN LYX0BB), nach Einschätzung von Salaorno wieder angesagt.

Abgabedruck bei Schwellenländern weg?

Bei den Schwellenländerprodukten beobachtet die Commerzbank ( Zum Testbericht) eher Abgaben. Flow Traders zufolge nutzen einige Investoren die vergleichsweise niedrigen Kurse aber auch für Positionierungen, zum Beispiel beim iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT) und beim iShares MSCI Turkey (WKN A0LGQN). Ähnliches ist auch von der Société Générale zu hören: „Der Abgabedruck, den wir vor kurzer Zeit noch hatten, ist weg“, schildert Salaorno die Lage: „Anleger haben wieder Interesse an Emerging Markets.“ Anhänger hätten etwa Indien- (WKN LYX0BA), Südafrika- (WKN LYX0BY), Türkei- (WKN LYX0AK) und Asia-Pacific ex Japan-ETFs (WKN LYX0AB) gefunden.

Nur die üblichen Sektorrotationen

Bei den Branchen-Indexfonds ist derzeit ebenfalls kein großer Trend auszumachen, übliche Sektorrotationen bestimmen das Bild. Mohr meldet etwa Verkäufe beim ComStage ETF DJ Stoxx 600 Construction & Materials (WKN ETF065) sowie Käufe beim ComStage ETF DJ Stoxx 600 Basic Resources (WKN ETF063). Laut Flow Traders trennten sich Investoren tendenziell von Banken-ETFs (WKN LYX0AP und DBX1SF) sowie Indexfonds, die die Entwicklung der Lebensmittel- und Getränkebranche abbilden (WKN LYX0AR), während Versorger-Produkte (WKN 628945) gerne ins Portfolio genommen würden. Marco Salaorno weiß hingegen von Zuflüssen in die Telekommunikations- und Bankenbranche (WKN LYX0A1 und LYX0AP) sowie Abflüssen aus dem Bereich Basic Resources (WKN LYX0AX).

Renten-ETFs: Steigendes, aber immer noch dünnes Interesse

Rentenprodukte werden zwar angesichts der enttäuschenden Aktienmärkte nicht mehr ganz so links liegengelassen wie zuvor, die Volumina bleiben aber hinter den Aktien-ETFs nach wie vor weit zurück. „Bei den Kurzläufern gibt es vereinzelte Investments, von einer großen Bewegung kann man aber nicht sprechen“, meint Roelofs. Laut Mohr sind der iShares eb.rexx Government Germany 5,5-10,5 (WKN 628949) und der iShares eb.rexx Government Germany 10,5 (WKN A0D8Q3) gesucht, beides Indexfonds, die die Entwicklung der größten und liquidesten deutschen Staatsanleihen nachzeichnen. „Bei den Renten-ETFs sehen wir auch zunehmend kleinere Order“, schließt der Händler.

Dieser Marktbericht ist dem Börse Frankfurt Fondsnewsletter entnommen. © Anne-Maria Borse

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