Start ETF-Marktbericht ETFs: Verkaufswelle bei Aktien

ETFs: Verkaufswelle bei Aktien

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An den ETF-Märkten ist die Richtung derzeit klar: Fonds zu Aktienindizes, speziell europäische, werden abgestoßen. Ob man an Emerging Markets-Produkten festhalten sollte, ist offenbar umstritten.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Angesichts der fortgesetzten Talfahrt an den Börsen sind Aktien-ETFs in der Gunst der Investoren ordentlich abgesackt. „Es wird verkauft, was das Zeug hält“, meldet etwa Bastian Ohta von der Unicredit Group. „Sorgen um die Defizitprobleme einiger europäischer Länder und die mögliche Straffung der Geldpolitik dominieren die Märkte weiter“, erläutert Bernardus Roelofs von Flow Traders. Dass der Dow Jones Industrial gestern erstmals seit drei Monaten wieder unter die Marke von 10.000 Punkten gefallen ist, stimmt ihn auch nicht unbedingt optimistisch.

„Mittwoch bis Freitag kam im Aktienbereich vieles zurück“, berichtet auch Eric Wiegand von der Deutschen Bank. Vor allem Aktien-ETFs, die die Entwicklung europäischer Industrieländer abbilden, also DJ Euro Stoxx 50, DAX oder MSCI Europe, hätten auf der Abgabeliste gestanden – und das bei hohen Umsätzen. Die Verkaufswelle ist laut Wiegand allerdings mittlerweile etwas abgeebbt, der Montag sei eher ruhig verlaufen. Bastian Ohta verweist ebenfalls auf die hohen Umsätze der vergangenen Woche und die mageren Volumina gestern und heute: „Bei fallenden Kursen wird massiv abgegeben, bei steigenden hält man sich heraus“, meint Ohta. Das sei kein gutes Zeichen.

US-Indexfonds entziehen sich Negativtrend

In Indexfonds auf US-amerikanische und Emerging Markets-Indizes gab es Eric Wiegand zufolge indessen weniger Rückgaben: „Bei US-Investments macht sich der starke Dollar bemerkbar, bezüglich der Schwellenländern sind Anleger außerdem immer noch optimistischer als bei den Industrieländern.“ Neben den umfangreichen Verkäufen bei den europäischen Large Caps gab es laut Bernardus Roelofs aber auch Eindeckungen zu niedrigen Preisen, besonders zum Wochenende hin und am gestrigen Montag. Als Beispiele nennt er die beiden iShares-Produkte auf den DJ Euro Stoxx 50 (WKN 935927 und 593395), den Lyxor ETF DJ Euro Stoxx 50 (WKN 798328) und den db x-trackers DJ Euro Stoxx (WKN DBX1ET). Aufgrund des Dollar-Kurses seien US-Indexfonds eher gekauft worden, beobachtet auch er, etwa der iShares S&P 500 (WKN A0YBR6) und der iShares Nasdaq 100 (WKN A0F5UF).

Spiegelbildlich sei die Entwicklung bei den Short-Produkten verlaufen: Nach Käufen zu Anfang der Woche sei es zum Ende hin zu Verkäufen gekommen, zum Beispiel beim db x-trackers Short-DAX (WKN DBX1DS) und beim db x-trackers DJ Euro Stoxx 50 Short (WKN DBX1SS).

Nur Abgaben bei Emerging Markets?

Bei den Schwellenländer-ETFs hat Roelofs – anders als die Deutsche Bank – nur Abflüsse gesehen. „Hier macht sich die Risikoaversion wieder bemerkbar“, vermutet er. Ihm zufolge waren marktbreite Indexfonds wie etwa der iShares MSCI Emerging Markets (WKN A0HGZT) betroffen, aber auch länderspezifische Produkte, etwa ETFs mit brasilianischen (WKN A0HG2M), koreanischen (WKN LYX0A8) oder taiwanesischen (WKN DBX1MT) Aktien.

Telekommunikationsbranche nicht angesagt

Ein gemischtes Bild ergibt sich bei den Sektoren: Viele Anleger zeigten Interesse an Short-ETFs auf die Telekommunikations- (WKN DBX1AM) und die Technologiebranche (WKN DBX1AL), wie Wiegand beobachtet. Der Technologie-Short-ETF von db x-trackers, der auf Sicht von drei, sechs oder zwölf Monaten deutlich an Wert verloren hatte, konnte tatsächlich in den vergangenen Tagen kräftig zulegen.

Dass die Telekommunikationsbranche (WKN LYX0A1 oder A0RPSF) bei ETF-Anlegern zuletzt nicht unbedingt angesagt war, bestätigt auch Gregor Hamme von der Unicredit Group: „Wir haben große Abflüsse bei Produkten unterschiedlicher Anbieter gesehen“, beschreibt er die Lage. Erklären kann er sich das nicht, hätten doch die Quartalzahlen von Vodafone die Märkte eher erfreut. „Hinter den Abgaben steckt offenbar auch nicht nur ein einziger Großkunde“, ergänzt er. Auch von ETFs, die die Entwicklung der Industriegüterbranche widerspiegeln (WKN 634479), hätten sich Investoren tendenziell getrennt, wie Hamme weiß. Flow Traders meldet Zukäufe bei Banken- und Lebensmittel-/Getränke-ETFs (WKN LYX0AP und LYX0AR).

Renten-ETFs wieder interessanter

Durch die wieder gewachsene Nervosität und Risikoscheu rückten Renten-ETFs zurück in den Blickpunkt der Anleger, das meint zumindest die Deutsche Bank. Etwa verkaufte sich der db x-trackers II Eonia (WKN DBX0AN) Wiegand zufolge recht gut. Allerdings seien auch Short-ETFs auf Rentenprodukte, etwa der db x-trackers II Short iBoxx (WKN DBX0AW), gerne ins Portfolio genommen worden. Bezüglich der alternativen Investments, die zuvor viele Anhänger gefunden hatten, ist derzeit Stillhalten angesagt, meldet Wiegand außerdem: „Es gab keine Nettozuflüsse, aber auch keine größeren Abflüsse.“

Dieser Marktbericht ist dem Börse Frankfurt Fondsnewsletter entnommen. © Anne-Maria Borse