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ETFs: Von Panik keine Spur

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Nach einer Woche mit Käufen und Verkäufen von Aktien-ETFs dominieren seit Wochenbeginn zwar die Abgaben, ein Totalausverkauf sieht aber anders aus. Bei chinesischen Werten stehen weiterhin Gewinnmitnahmen im Vordergrund.

FRANKFURT (Börse Frankfurt). Auf die Sommerpause warten Aktionäre in diesem Jahr voraussichtlich etwas länger. Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern ist die Stimmung an den Aktienmärkten gedrückt. Nach deutlichen Verlusten am Montag startet der deutsche Aktienindex auch am Dienstag mit einem Minus in den Handel und notiert gegen Mittag knapp über 11.000 Punkte. Das lässt ETF-Anleger nicht kalt. „Bereits vor der Handelseröffnung ging es gestern richtig rund, unsere Kunden wollten auf die Ereignisse vom Wochenende schnellstens reagieren“, berichtet Gregor Hamme von der Unicredit. ETFs mit europäischen Bluechips seien in den ersten drei Stunden nur verkauft worden. „Später kamen dann vereinzelte Käufer hinzu.“

Anleger sorgten sich speziell um ihre Engagements in Portfolios mit griechischen Bluechips wie dem Lyxor Athex Large Cap (WKN LYX0BF). „Bei uns gingen viele Anrufe von Investoren ein, die ihre Anteile loswerden wollten“, beschreibt Hamme. Mit dem ausgesetzten Handel an der griechischen Börse könne der Indexfonds allerdings gegenwärtig kaum veräußert werden. „Der in Italien, Frankreich und Deutschland gelistete Wert wurde am Montag lediglich einige Stunden auf Xetra gehandelt.“

Verkaufswelle Light bei DAX und Co.

Bei den Commerzbank ( Zum Testbericht)-Kunden stünden ebenfalls deutsche und europäische Standardwerte im Mittelpunkt und überwiegend zur Disposition. „Am Montag war die Nervosität besonders ausgeprägt“, meldet Carsten Schröder. Viele Anleger hätten auf eine Lösung des Schuldenstreits gesetzt und deshalb Anpassungen der Positionen in den Depots vorgenommen. Nach anfänglich massiven Abgaben von DAX- (WKN 593393, DBX1DA, ETF001, ETFL01, ETFL06) und Euro Stoxx 50-ETFs (WKNs 935927, DBX1ET, 798328) aller Anbieter registriert Schröder vereinzelt wieder Zuflüsse. Mit Blick auf die gesamte vergangene Woche meldet der Händler bei regem Auf und Ab an den Aktienbörsen rund 34.100 ETF-Transaktionen. „Das sind etwa 10 Prozent mehr als in der Vorwoche.“

Kasse machen bei ETFs mit chinesischen Aktien

Das Griechenland-Drama zieht Tracker asiatischer Indizes in Mitleidenschaft. Ob MSCI Emerging Marktes (WKNs ETF127, ETFL34, A1JJTE), MSCI EM Asia (WKNs A1C1H5, A1H918) oder MSCI Asia (WKN A1C1H5, A1JJTG), fast alles geht laut Stefano Valenti raus. Mit den Abflüssen aus ETFs mit chinesischen Konzernen (WKN DBX0M2, DBX0NK) streichen Investoren laut dem Händler der Unicredit Gewinne ein. „Nach der steilen Hausse hat der Index mittlerweile über 20 Prozent eingebüßt.“ Allein am Montag markierte der CSI-300-Index in Shanghai ein Minus von über 7 Prozent. Neben Griechenland belasten nach Meinung der Helaba-Analysten die Staatspleite Puerto Ricos und die Angst vor einer weiteren Abkühlung der chinesischen Wirtschaft. Abgabedruck meldet Valenti zudem Tracker von Indizes mit Unternehmen einzelner Länder. Per Saldo abgestoßen würden Indexfonds, die an den MSCI Turkey (WKN A0LEW5), MSCI Eastern Europe ex Russia (WKN A0RF41) und MSCI Brazil (WKN DBX1MR) gekoppelt sind.

ETFs mit Bankaktien werden verkauft

Im Bereich der Branchen-ETFs trennen sich Investoren Schröder zufolge von Banken-ETFs (WKNs 628930, A0F5UJ) diverser Emittenten. „Der Finanzsektor dominiert in dieser Anlageklasse mit einem Umsatzanteil von 21 Prozent.“ Immobilien-Aktien belegten mit 13 Prozent Platz zwei und seien zu 59 Prozent verkauft worden. Tracker des Stoxx Europe 600 Telecommunications (WKN A0H08R, ETF077) landeten hingegen zumeist in den Anlegerdepots. „Damit stellen sich Investoren defensiver auf.“

Lieber auf Nummer sicher

Anleger holen sich Bundesanleihen sämtlicher Laufzeiten nach Beobachtung von Schröder verstärkt ins Depot. „In unsicheren Zeiten punkten als sicher geltende Häfen.“ Risikoreichere Hochzinswerte hingegen stünden in Summe zum Verkauf.

von Iris Merker, Deutsche Börse AG
© 30. Juni 2015

 

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Uwe Görler ist seit fünf Jahren Finanzredakteur für das „EXtra-Magazin“ und das „Portfoliojournal“. Davor schrieb er in verantwortlicher Position für die „Zertifikatewoche“ und schrieb Beiträge für Hörfunk- und Fernsehsender, darunter Antenne Bayern und N24.