Indien

Nach wie vor stoßen Emerging Markets-ETFs auf großes Interesse, nach den Kongresswahlen in Indien war das Land zunächst Favorit vieler Anleger. Bei den Indexfonds auf Rohstoff-Aktien sind hingegen vor allem Verkäufe zu beobachten.

Während der Handel in europäischen Bluechip-ETFs eine anhaltende Atempause nimmt, liegen abermals ETFs auf Schwellenländer-Indizes in der Anlegergunst vorne.

Gemischtes Bild in den Standardwerten

In dem wie üblich meist gehandelten ETF auf den deutschen Leitindex iShares Dax (DE) (WKN 593393) beobachtet Market Maker Andreas Krysl von der DekaBank zuletzt überwiegend Käufe, während das europäische Pendant iShares DJ Euro Stoxx 50 (WKN 593395) abgegeben wird. „Bei den Bluechips sind die Umsätze im Jahresvergleich aber weiterhin eher unterdurchschnittlich“, ergänzt sein Kollege Jürgen Fritzen, Leiter ETFs Sales/Trading. Allerdings macht er erste strategische Neupositionierungen aus. „Sollten die Märkte weiterlaufen, verliert der nicht investierte Portfoliomanager gegenüber seiner meist auf Jahresanfangsbasis definierten Benchmark“, erklärt Fritzen. Aufholbedarf also.

Doppelt so hohe Zuflüsse in Schwellenländer-ETFs

Stefano Valenti, Market Maker bei Unicredit in London, konkretisiert das anhaltend große Interesse an Emerging Markets. „In den vergangenen Wochen lagen die Zuflüsse in Schwellenländer-ETFs doppelt so hoch wie in Industrieländer-Produkten“, schätzt der Händler. Anleger erhoffen sich hier eine raschere Erholung als in den stark gebeutelten Industrieländern. Dabei wird Valenti zufolge vor allem auf breite Indizes, speziell den MSCI Emerging Markets, gesetzt. Zu den begehrtesten Produkten gehören etwa der db x-trackers MSCI Emerging Markets (WKN DBX1EM) und der iShares MSCI Emerging Markets (A0HGZT). Das iShares-Produkt hat in den vergangenen drei Monaten satte 36 Prozent zulegen können, im Jahresvergleich ergibt sich allerdings immer noch ein Minus von 29 Prozent.

Nach den Wahlen in Indien fanden Indien-ETFs reißenden Absatz. Der überraschend hohe Sieg der regierenden Kongress-Partei lässt viele hoffen, dass Indien den wirtschaftsfreundlichen Kurs fortsetzen wird. Wie Tom Stephans von der Société Générale beobachtet, sind die Umsätze im Lyxor ETF MSCI India (LYX0BA) sehr hoch gewesen. Regen Absatz hat aber auch ein Russland-Produkt, der Lyxor ETF Russia (LYX0AF) gefunden.

Taiwanesische Aktien stark nachgefragt

Valenti berichtet von starken Anlegerinteresse für einen Taiwan-ETF, dem Lyxor ETF MSCI Taiwan (LYX0CT), der häufig gekauft werde. Hintergrund sei wohl die Annäherung des Landes an China unter dem seit rund einem Jahr amtierenden Präsidenten. Auch China selbst liegt weiterhin in der Gunst der Investoren, hier wird Unicredit zufolge vor allem der Lyxor ETF China Enterprise (A0F5BW) nachgefragt, aber auch der iShares FTSE/Xinhua China 25 (A0DPMY).

Einen weiteren regionalen Schwerpunkt sieht Jürgen Fritzen, Leiter ETFs Sales/Trading bei der DekaBank. „In den zurückliegenden Tagen sind, wie auch in den Wochen davor, vor allem Emerging Markets-ETFs auf Brasilien sowie auf Länder- und Regionalindizes in Südostasien nachgefragt worden.“ Das seien die Märkte, die sich seit Jahresanfang am schnellsten erholt hätten und denen weiterhin Performancepotential zugetraut werde.

Ausstieg aus Roh- und Grundstoff-ETFs

Bei den Produkten auf Basic Resources, den Roh- und Grundstoffen, waren die Umsätze zwar hoch, hier wollten Investoren aber vor allem eins: Verkaufen. Nachdem die Preise vieler Rohstoffe in den ersten Monaten dieses Jahres zweistellig gestiegen sind, befürchten zahlreiche Anleger nun ein Ende der Rallye.

Gregor Hamme von Unicredit beobachtet umfangreiche Verkäufe beim iShares DJ Stoxx 600 Basic Resources (634472). Der hatte in den vergangenen drei Monaten einen rasanten Kursanstieg hingelegt und 46 Prozent gewonnen. Auf die vergangenen vier Wochen gerechnet sieht die Bilanz mit einem Plus von nur 5 Prozent allerdings viel magerer aus – und das bei einer extrem hohen Volatilität. Auch Tom Stephans bestätigt zahlreiche Abgänge aus Rohstoff-ETFs, allerdings habe sich das Bild zuletzt schon wieder etwas gedreht.

Bei Banken auch Gewinnmitnahmen

Bei den Banken-ETFs sieht Hamme weiterhin hohe Umsätze, Verkäufe und Käufe glichen sich hier mehr oder weniger aus – mit einem leichten Übergewicht bei den Abgaben. „So mancher will nach dem deutlichen Kursanstieg der vergangenen Wochen seine Gewinne glattstellen“, meint er. Was andere Branchen angeht, fand Hamme zufolge etwa der ETF auf den DJ Stoxx 600 Food & Beverages (LYX0AR) großen Zulauf. Dieser bildet Aktien aus der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ab. Die Société Générale berichtet außerdem von Käufen im Health Care- und im Telekommunikationsbereich.

 

© 26. Mai 2009/Anna-Maria Borse
Dieser Beitrag ist dem Fonds-Newsletter der Börse Frankfurt entnommen.

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